Gerüstbautreppe noch im Januar

Auf dieses Flachdachen mit Holzzaun sollen die Kinder durch die Feuerschutztür flüchten.
Auf dieses Flachdachen mit Holzzaun sollen die Kinder durch die Feuerschutztür flüchten.
Foto: WP

Berchum..  Wie sicher ist der zweite Rettungsweg aus dem Obergeschoss für die Schüler der Grundschule Berchum, wenn es in der beschaulichen Dorfschule einmal brennen sollte?

Darüber gab es am Mittwochabend in der Sitzung der Bezirksvertretung ein heftiges Wortgefecht zwischen Bezirksbürgermeister Hermann-Josef Voss und Thomas Krüger vom Wirtschaftsbetrieb Hagen (WBH).

„Der Fluchtweg ist sicher“, betonte Krüger auf Nachfrage des Bezirksbürgermeisters gleich mehrfach; „Das ist er nicht“, konterte Hermann-Josef Voss, der sich dabei auf Aussagen der ehemaligen Berchumer Schulleiterin und der Feuerwehr bezog, die deshalb sogar von einer Rettungsübung abgeraten haben soll.

Theoretisch 50 Schüler betroffen

Zum Hintergrund: Eine Klasse der nur einzügigen Grundschule mit aktuell 83 Schülern wird im Obergeschoss unterrichtet. Weil viele Jahre das Treppenhaus der einzige Fluchtweg war, wurde eine Feuerschutztür, die mit der Feuerwehr verbunden ist und beim Öffnen Alarm auslöst, in die Außenwand eingebaut. Wann das geschah, konnte gestern niemand beantworten. Der Weg führt seitdem in die Freiheit und zwar auf das Flachdach des Eingangsbereiches.

Damit die Schüler beim Betreten des Daches aber nicht Gefahr laufen, aus einer Höhe von ca. drei Metern abzustürzen, wurde ein Holzzaun montiert. Rund 100 Zentimeter hoch.

Diesen Zaun müssen die Wehrmänner im Ernstfall überwinden, um die Schüler mit einer Leiter oder der Drehleiter zu retten.

Weil sich aber im Obergeschoss zwei Klassenräume befinden, könnte der Ernstfall eintreten, dass fünfzig (oder mehr) Kinder auf dem Flachdach eingepfercht werden, um dort auf die Retter zu warten. Ein unhaltbarer Zustand? „Es ist lächerlich, die Kinder auf ein solches Dach zu schicken“, grantelte Hermann-Josef Voss in der Sitzung.

Und Norbert Ullrich (CDU) ergänzte: „Das ist in einem zivilisierten Land unwürdig, was da gebastelt worden ist.“

Heinz Jäger regt Gerüstbautreppe an

Hermann-Josef Voss zeichnete ein Szenario. „Ich möchte den Eltern die Nachricht nicht überbringen“, wies er auf mögliche Folgen eines Feuers hin.

Für Thomas Krüger war in dieser emotionalen Diskussion über einen schwierigen Sachverhalt eine Aussage ganz wichtig: „Ich sage nicht die Unwahrheit.“

Hagens Feuerwehrchef Heinz Jäger („Menschenleben sind das Wichtigste“) versuchte die Wogen zu glätten und schlug zum Abschluss dieser hitzigen Diskussion vor, an das Flachdachgebäude eine Gerüstbautreppe anzudocken, um damit für die Schülerinnen und Schülern den zweiten Rettungsweg zu optimieren.

Wie das Presseamt der Stadt gestern Nachmittag mitteilte, soll eine solche Gerüstbautreppe noch in diesem Monat aufgebaut werden.