Geplanter Abstieg von Phoenix Hagen kann neue Chance sein

Dass Spieler David Bell bei seiner engagierten Spielweise immer wieder mal am Boden liegt, ist ein vertrautes Bild. Aber der Kapitän steht immer wieder auf. Das will Phoenix auch diesmal schaffen. 
Dass Spieler David Bell bei seiner engagierten Spielweise immer wieder mal am Boden liegt, ist ein vertrautes Bild. Aber der Kapitän steht immer wieder auf. Das will Phoenix auch diesmal schaffen. 
Foto: Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
  • Die Entwicklung bei Phoenix hat in Hagen nicht bloß die Basketball-Fans geschockt
  • Dennoch demonstrieren führende Köpfe der Stadt ihre Rückendeckung für den schwierigen Weg
  • Der bevorstehende Abstieg in die ProA wird als Chance auf die Zukunft begriffen

Hagen.. Stadtgesellschaft, Bürger und Sponsoren sind von der Nachricht, dass Basketball-Bundesligist in dieser Woche beim Amtsgericht Insolvenz anmelden wird, geschockt. Nichtsdestotrotz begreifen viele Beteiligte und Förderer den geplanten Abstieg in die zweite Liga aber auch als Chance, dass Projekt Phoenix Hagen zurück auf solide Füße und vielleicht auch wieder in die erste Bundesliga zu führen. Unter denen, die daran glauben, ist auch der Mann, der aus dem Dorf-Club Bamberg eine europäische Spitzen-Adresse gemacht hat.

Der Spitzen-Manager

Wolfgang Heyder gehört zu den erfolgreichsten Managern im deutschen Spitzensport. Während seiner Zeit als Geschäftsführer der Brose Baskets Bamberg gewann der fränkische Basketballclub sechsmal die Deutsche Meisterschaft, dreimal den Deutschen Pokal. 2014, als es beim Branchenprimus kurzzeitig kriselte, der Erfolg ausblieb und auch persönliche Brüche den Verein durchzogen, trat Heyder zurück. Im Winter 2015 erklärte Phoenix Hagen, dass man den erfahrenen Manager als Aufsichtsrat und Berater gewinnen konnte. Eigentlich wollte man Heyder gern als Geschäftsführer haben, doch aus familiären Gründen hat er seinen Lebensmittelpunkt in Franken, steht Phoenix dennoch jederzeit mit Beratung, Kontakten und Netzwerken zur Seite.

„Ich habe im Sommer beim damaligen Geschäftsführer Peter Brochhagen nachgefragt, wie der aktuelle Stand bei Marketing, Sponsoren und Spielern ist, aber außer der Antwort „Alles läuft gut“ nie eine seriöse Auflistung erhalten. Im Sommer ist vieles unterlassen worden, was für die Führung eines Basketball-Bundesligisten unerlässlich ist“, sagt Heyder auf Nachfrage unserer Zeitung. Konstruktive Arbeit am Sponsorenmarkt sowie professionelle Arbeit im Bereich Ticketing habe nicht stattgefunden. „Ich habe solche Themen, auch die Professionalisierung in allen Bereichen von Pressearbeit bis zum Vertrieb, immer wieder angesprochen.

Phoenix Um das Projekt Phoenix richtig zu führen, braucht es professionelle Leadership (Anm. zu deutsch: Maßnahmen von Entscheidern, die auf die Kooperation, Koordination und Kommunikation aller Mitarbeiter und Helfer eines Clubs einwirken). Ich sehe den Standort Hagen im Vergleich als ausnehmend interessant. Phoenix ist ein schlafender Riese mit einem Umland mit enormen Sponsorenpotenzial, das bislang aber nie professionell abgeschöpft wurde. Mit Neu-Geschäftsführer Patrick Seidel sei in Heyders Augen nun jemand am Ruder, der das Geschäft verstehe und genau wisse, wie der Club zu professionalisieren sei. „Ich selbst werde dabei jederzeit beratend zur Seite stehen und gerne Netzwerke zur Verfügung stellen. Mein Lebensmittelpunkt bleibt aber in Süddeutschland.

Der Oberbürgermeister

Oberbürgermeister Erik O. Schulz, selbst Besitzer einer Phoenix-Dauerkarte, kann die Entscheidung der Phoenix-Spitze durchaus nachvollziehen: „Hagen ist eine Basketball-Stadt, daher ist die vorgesehene Planinsolvenz ein herber Schlag. Insbesondere vor dem Hintergrund der Insolvenz von Brandt Hagen, die zur Einstellung des Spielbetriebs führte. Dennoch halte ich die Entscheidung der Vereinsspitze für richtig, jetzt die Reißleine zu ziehen und nicht abzuwarten. Aus Vereinssicht ist es sicherlich sinnvoller, nach einer zu Ende gespielten Saison einen wirtschaftlich solide gerechneten Neustart in der ProA hinzubekommen, als weitere Verbindlichkeiten aufzutürmen.“

Priorität müsse jetzt haben, so Schulz weiter, dass Phoenix sich auf seine sportliche Leistung konzentriere und das Ruder in der Hand behalte, um den Neustart selbst gestalten zu können. „Ich zähle auf die leidenschaftlichen Hagener Fans und Hagens große Basketballtradition, welche hoffentlich dazu beiträgt, diese Krise durchzustehen.“

Der Hauptsponsor

Noch fehlt Hermann Backhaus, Vorstandsvorsitzender der Märkischen Bank und Hauptsponsor von Phoenix Hagen, die Fantasie wie das Team bis zum Saisonende über neun Monate den Spannungsbogen halten möchte: „Die Enttäuschung ist schon groß und die Entwicklung kam zum jetzigen Zeitpunkt auch für mich überraschend“, hätte er sich eine engere Kommunikation zwischen der Phoenix-Gesellschaft und den Sponsoren vorstellen können. Zwar sei der Schuldenabbau durchaus erfolgreich vorangetrieben worden, doch während der Sommermonate seien offenkundig zu viele Fehler im Umgang mit Sponsoren und bei der Saisonvorbereitung passiert. Er vermisse den alten

Zusammenhalt der Phoenix-Family, also das enge Miteinander von Sponsoren, Fans und dem Team. „Natürlich stehen wir zu unseren Verträgen und sämtlichen Vereinbarungen“, sieht Backhaus sein Bankhaus bis zum Saisonende fest und verlässlich an der Seite von Phoenix. Alles weitere müsse nach der Saison besprochen werden. Gleichzeitig betont er, dass er in Geschäftsführer Patrick Seidel eine Persönlichkeit sehe, die ein klares Ziel vor Augen habe und mit der Phoenix jede Chance habe, durch die zweite Liga (ProA) zu gehen.

Der Museumsdirektor

„Gesamtstädtisch gesehen, ist das eine traurige Nachricht“, vergleicht Tayfun Belgin, Direktor des Karl-Ernst-Osthaus-Museums die Bedeutung von Phoenix mit der des BVB für Dortmund. „Der Basketball ist ein Teil des Stadtkultur, deshalb empfinde ich die Entwicklung als durchaus tragisch.“ Er werde als Hagener bei seinen Reisen, auch durch die Kulturszene immer wieder auf Phoenix angesprochen. Daher sei es auch Aufgabe der Stadt, ein Produkt, das den Namen Hagen trägt, zu unterstützen. Er habe gerade erst geplant, die Mannschaft mit ihren amerikanischen Spielern in sein Haus einzuladen und ihr die aktuelle Fotorealismus-Ausstellung zu präsentieren, die ja auch den American Way of Life widerspiegele.

Der Wirtschaftsförderer

Phoenix Hagen gilt nicht bloß als Publikumsmagnet, der bei jedem Heimspiel Tausende Fans bewegt, sondern ist auch einer der wichtigsten Werbeträger in Hagen. „Phoenix trägt den Namen der Stadt ins Land“, betont Michael Ellinghaus, Geschäftsführer der Hagen-Agentur, den Markenwert des Basketball-Bundesligisten. Deshalb nutzt sein Büro das Sportprodukt sowohl als Imageträger für Stadtmarketing-Druckerzeugnisse, aber auch bei eigenen Veranstaltungen wie dem Springefest.

Reaktionen „Die Spieler, aber auch die Zuschauer sind Werbeträger, die überall gerne als Gäste gesehen werden.“ Grundsätzlich könne er sich Hagen ohne Basketball gar nicht vorstellen. „Dieser Standort ist mit dem Begriff Spitzenbasketball eng verflochten. Allerdings muss es endlich gelingen“, so Ellinghaus weiter, „Sponsoren enger an die Gesellschaft zu binden.“ Dafür müsse aber auch die Betreuung der Geldgeber funktionieren. Der Chef der Hagen-Agentur plädiert dafür, den Weg durch die zweite Liga als Chance zur Konsolidierung und Neuorganisation zu betrachten. „Wir stehen als Partner weiter zur Verfügung – davon profitieren beide Seiten.