Gepeinigter Hund Bobby hat neue Herrchen und neues Leben

Bobby hat nach seiner Tortur im Mai nun ein neues Zuhause gefunden.
Bobby hat nach seiner Tortur im Mai nun ein neues Zuhause gefunden.
Foto: Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Der Jack Russel Bobby ist im Mai von seinem Besitzer aus dem Fenster im dritten Stock geworfen worden. Jetzt ist er glücklich bei neuen Herrchen.

Hagen.. Dem kleinen Bobby muss es so vorkommen, als sei er von einem Leben in ein anderes gefallen. Von einem gequälten Dasein in ein Leben, das Sicherheit und Zuneigung bietet. Nein, so etwas kannte der Jack Russell bisher nicht. Bobbys Schicksal machte im Mai Schlagzeilen in ganz Deutschland.

Weil sein Besitzer mit der Haltung des kleinen Hundes überfordert war, warf der Mann das Tier aus dem dritten Stock eines Hauses an der Altenhagener Straße einfach aus dem Fenster. „In hohem Bogen“, wie ein Nachbar berichtete. Der Vierbeiner knallte auf den Asphalt, verlor zwei Zähne, erlitt eine Blasenquetschung und eine Fußverletzung. Dass Bobby überhaupt überlebte, kam einem Wunder gleich.

Nach einigen Monaten im Tierheim, in denen er sich von seinen Verletzungen erholte, dann die Wende in Bobbys Leben. Die Eheleute Klaus (67) und Sigrid (58) erfuhren vom Schicksal des gepeinigten Hundes und nahmen Bobby bei sich zu Hause auf. Bei den Stratmanns flitzt er nun durch das geräumige Haus, tollt im Garten umher oder unternimmt mit Frauchen und Herrchen ausgedehnte Spaziergänge. „Seitdem Bobby bei uns ist, ist wieder Leben ins Haus eingekehrt“, freut sich Klaus Stratmann. „Er hat unser Leben umgekrempelt.“

Bei Hundetrainerin Rat geholt

Dennoch sind die schlechten Erfahrungen, die Bobby bei seinem Vorbesitzer gemacht hat, unverkennbar. Wenn Sigrid Stratmann eine Tüte zur Hand nimmt oder mit der Zeitung raschelt, jagt der Hund panisch aus der Küche. „Offenbar ist er früher viel geschlagen worden und verbindet diese Geräusche damit“, interpretiert die technische Angestellte das Verhalten. Anfangs ließ sich Bobby auch nicht in den Arm nehmen.

Und Befehl und Gehorsam kannte der Hund überhaupt nicht, zudem bettelte er bei Tisch, weil er es gewohnt war, dass etwas für ihn abfiel. Diese Unsitte haben ihm die Eheleute ebenso abgewöhnt wie sie ihm beigebracht haben, auf Befehle zu hören. „Wir haben uns von einer Hundetrainerin beraten lassen, aber das ist inzwischen nicht mehr notwendig“, ergötzen sich Stratmanns an den Fortschritten, die ihr vierbeiniger Liebling täglich macht. Zuerst seien sie skeptisch gewesen, ob Bobby durch seine Leidenszeit nicht eine nachhaltige Störung davongetragen habe, aber davon sei glücklicherweise nichts zu spüren.

Aber ihre Herzen trifft der Hund so richtig durch seine Anhänglichkeit. Er habe sich sofort wohl gefühlt und nicht mehr weg gewollt, erinnert sich Sigrid Stratmann an den Tag, als Mitarbeiter des Hagener Tierheims das quirlige Tier nach Wengern brachten. „Bobby hat wirklich ein Glückslos gezogen“, ist Birgit Ganskow vom Tierschutzverein überzeugt. Denn seine neuen Besitzer investieren all ihre Zeit und Gunst in den Hund. Abends darf Bobby neben Klaus Stratmann auf dem Sofa sitzen und Fußball gucken, beim ausgiebigen Sonntagsfrühstück erhält er ein Brötchen mit Leberwurst, und in der Vorweihnachtszeit hatte er sogar einen Adventskalender. Jeden Morgen nach dem Aufstehen saß er davor und wartete darauf, dass Klaus Stratmann ein Türchen öffnete und ein Leckerli herausholte.

Ein gepflegter, gesunder Hund

Für den ehemaligen Drahtzieher ist der Hund eine Art Gesundheitsversicherung. Er leidet an Prostatakrebs, da tut ihm Bewegung gut, und die erhält er reichlich auf den langen Spaziergängen mit Bobby. „Mein Urologe hat gesagt, etwas Besseres als dieser Hund hätte mir gar nicht passieren können“, berichtet er stolz. Und auch die Trauer, die sich nach dem Tod von Bobbys Vorgänger, Knut, dem Spitz, im Hause eingenistet hatte, ist längst verflogen: „Wir haben viel Trauer gehabt, und jetzt haben wir wieder Freude.“

Dass Bobby in seinem früheren Leben so grausam behandelt wurde, kann das Ehepaar nicht nachvollziehen. „Ich habe so einen Hass auf diesen Kerl“, lässt Klaus Stratmann kein gutes Haar an Bobbys Vorbesitzer. Immerhin scheint dem Hund der Verlust der beiden Zähne, die er beim Aufschlag auf dem Asphalt verloren hat, nichts auszumachen. Bobby frisst wie ein Großer, aus dem abgemagerten Tier ist ein gepflegter, gesunder Hund geworden.