Gentleman gehobener Unterhaltungsmusik

Max Raabe und das Palast-Orchester gastierten am Freitag in der Stadthalle.
Max Raabe und das Palast-Orchester gastierten am Freitag in der Stadthalle.
Foto: Alex Talash
Was wir bereits wissen
Ein Abend zum Träumen vor vollem Haus: Max Raabe entführte sein Publikum in der Hagener Stadthalle musikalisch in das Berlin der 20er- und 30er-Jahre.

Hagen.. Er hat es in New York geschafft, in Moskau und in Tokio. Insofern war es für Max Raabe (52), den betont charmanten Lausbub mit Fliege, am Freitagabend in Hagen ein leichtes Spiel, die Stadthalle bis auf den allerletzen Platz zu füllen. Gehobene Unterhaltungsmusik, „die intelligente Form der Banalität“ – wie Raabe es nennt – fand ein begeistertes Publikum.

Nostalgischer Cocktail gemixt

Schraub’ die Zeit zurück, leg ein Schellack-Schätzchen aufs Grammophon und träume: Von der mondänen Hauptstadt der 20er- und frühen 30er-Jahre, von Varietés oder Revuen, dem legendären Friedrichstadtpalast mit seinen kunstseidenen Tänzerinnen. „Eine Nacht in Berlin“ heißt das aktuelle Album von Bariton Max Raabe und dem Palast-Orchester und so ist auch die derzeitige Tournee betitelt.

Der „versierte Chronist altertümlichen Liedguts“ und seine zwölfköpfige Musikertruppe mixen dabei ihr altes Repertoire liebevoll mit neuem Liedmaterial zu einem nostalgisch klingenden Cocktail aus Tango, Schlager, Jazz und Swing.

Die glitzernde Dunkelheit der Metropole Berlin fasziniert: Großstädte sind unbestimmte Verheißungen mit unendlichen Möglichkeiten. Niemand weiß, wie und wo diese Nacht enden wird. Vielleicht in der „Bar zum Krokodil“? Die sicherlich koketteste und populärste Interpretation eines Seitensprungs. Ganz so, wie es der pointiert- scharfzüngige schmale Herr Raabe, der nie ohne Pomade auftritt, zu Beginn des Programms mit gehobener Augenbraue bereits angekündigt hatte: „Heute Abend geht es um das ewige Durcheinander menschlicher Beziehungen – und um Topfpflanzen.“

„Wir suchen nach Themen, die auf Situationen passen, die jeder kennt“, hat der staatlich geprüfte Opernsänger Raabe, immer Gentleman, einst das Erfolgsrezept erklärt. Ja, „küssen kann man nicht alleine“.

Erfolgskomponistin aus Hagen

Wie war’s? Fantastisch, brillant. Wie nicht anders erwartet. Ein wunderbar kurzweiliges Vergnügen, ein wunderbare Klangfülle von über 20 Instrumenten. Als Zugabe war der „kleine grüne Kaktus“ im Gepäck.

Übrigens sollte der Nimbus des weltstädtischen Programms, „Eine Nacht in Berlin“, nicht darüber hinwegtäuschen, dass Max Raabe lediglich ein Wahlberliner ist: Er wurde direkt „um die Ecke“, in der Kleinstadt Lünen geboren und sang dort erstmals öffentlich im Kirchenchor.

Und die Texterin und Komponistin, die zu seinem aktuelle Programm neue nostalgische Lieder beisteuerte, kommt ebenfalls aus Westfalen: Annette Humpe wurde 1950 in Hagen geboren. Aus ihrer Feder stammt Raabes großer Erfolg: „Für Frauen ist das kein Problem.“