Gefahr ist im Verzug

Besonders skurril treiben bürokratische Blüten aus, wenn Gefahr im Verzug ist. Gefahr im Verzug – das ist ein Totschlagargument, mit dem man jede noch so groteske Bestimmung begründen kann.


Diese Erkenntnis mussten vor gut zwei Jahren Schüler und Lehrer der Hauptschule Vorhalle entgeistert zur Kenntnis nehmen. Denn der Milchautomat, der sich im Foyer der Schule befand, musste auf Anweisung der Feuerwehr entfernt werden. Das Gerät, das die Schüler mit gesunden Produkten versorgen sollte, hatte sich über Nacht in einen gefährlichen Feuerteufel, in eine Brandlast, verwandelt. Tatsächlich wurde das Verbot damit begründet, dass sich der Automat durch einen technischen Defekt selbst entzünden und das Schulgebäude verqualmen könnte.


Oder die Container für Elektroschrott, die der Hagener Entsorgungsbetrieb im Oktober am Boeler Marktplatz, im Lönsweg und an der Schwerter Straße aufgestellt hatte und die postwendend wieder verschwinden mussten. Die Schwachstelle dieses Vorhabens bemerkt und die Stadt damit vor einer ­Katastrophe bewahrt haben soll ein Beamter im Berliner Umweltministerium. Die Lithium-Batterien, mit denen einige Elektrogeräte ausgestattet sind, könnten anfangen zu brennen. Von allein. Theoretisch. Aber darin geübt, Theorie in Praxis umzusetzen, wurden die Container sogleich verboten.


In einer Stadt, in der Batterien und Milchautomaten zu Attentätern mutieren können, ist es nicht verwunderlich, dass auch Tiere ihre bürokratische Lektion lernen müssen. Die Wildschweine des Wehringhauser Sauparks dürfen sich nicht mehr im Bach suhlen. Die Afrikanische Schweinepest ist im Anmarsch. Sie wurde irgendwo an der russischen Grenze, tausende Kilometer von Hagen entfernt, identifiziert. Fürwahr, es ist Gefahr im Verzug.