Gefährliche Entzündung des Darms nicht erkannt

Ulrike Treude musste eine Woche lang im Krankenhaus bleiben.
Ulrike Treude musste eine Woche lang im Krankenhaus bleiben.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Ulrike Treude litt unter starken Schmerzen im Unterbauch, ihre Tochter brachte sie in die Hagener Notfallpraxis. Doch der diesnthabende Arzt diagnostizierte einen Blaseninfekt. . .

Hagen.. Darmverschluss statt Magenentzündung – unser Bericht über Elisabeth Winter (74), der eine Fehldiagnose von gleich zwei Ärzten im Notdienst beinahe das Leben gekostet hätte, hat zahlreiche Reaktionen in unserer Leserschaft hervorgerufen. Mehrere Leser beklagten sich, sie seien in der ärztlichen Notfallpraxis ebenfalls unzureichend behandelt oder mit gröblich falschen Befunden nach Hause geschickt worden.

Schmerzen im Unterbauch

So auch Ulrike Treude, die an einem Sonntagmittag im Mai von ihrer Tochter zum ärztlichen Notdienst gebracht wurde, weil sie unter starken Schmerzen im Unterbauch litt. „Der Arzt hat mich auch freundlich empfangen, aber nicht untersucht, sondern gleich eine Blasenentzündung diagnostiziert“, berichtet Frau Treude. Daraufhin habe sie ihn gefragt, ob er jetzt eine Urinprobe entnehmen wolle: „Das hat er freundlich verneint. Er sagte, die Blasenentzündung sehe er schon so.“ Und dann drückte der Mediziner der Patientin ein Rezept für Antibiotika in die Hand und schickte sie nach Hause.

Doch das Medikament erfüllte in keinster Weise eine Wirkung, im Gegenteil: Die Schmerzen wurden schlimmer, ihr Hausarzt, den sie am Montagmorgen aufsuchte, überwies Ulrike Treude sofort ins Josefs-Hospital. Dort stellten die Ärzte eine gefährliche Entzündung des Dickdarms fest, die Hagenerin musste in der Klinik bleiben, durfte nichts essen und musste eine Woche lang per Tropf ernährt und mit Medikamenten versorgt werden. „Von wegen Blasenentzündung“, ärgert sich Ulrike Treude: „Als ich die Geschichte über Frau Winter las, kam alles wieder in mir hoch.“

Kassenärztliche Vereinigung spricht von Einzelfällen

Bei der kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe hält man die Begebenheiten in der Hagener Notfallpraxis für unglückliche Einzelfälle, die keine Rückschlüsse auf das Engagement der Ärzte im Notdienst zuließen, so Sprecher Jens Flintrop: „Unsere Ärzte praktizieren nach bestem Wissen und Gewissen.“ Auch die Organisation des Bereitschaftsdienstes im Jahre 2011 (bis dahin empfingen Ärzte im Notdienst die Patienten in ihrer eigenen Praxis) habe sich bewährt: „Mit der Reform sind wir sehr zufrieden. Die Notfallpraxen sind gut ausgestattet und bieten den Medizinern alle Voraussetzungen, einen guten Job zu machen.“

So mancher Patient scheint da anderer Meinung zu sein. . .