Geburtstagskonzert zu Ehren Karl Halles

Hagen-Mitte..  Das mittlerweile siebte Geburtstagskonzert der Karl-Halle- Gesellschaft am Donnerstagabend im Auditorium des Hagener Kunstquartiers war ein regelrechtes Frühlingsfest.

Die Sonne strahlte in den Saal, und das vorzügliche Duo Inna Kogan, Violine, und Helen Blau, Klavier, heizte Frühlingsgefühle an.

Berühmte Frühlingssonate

Der am 11. April 1819 in Hagen geborene Jubilar brachte als Dirigent den Engländern besonders Beethoven als Konzertkomponisten nahe. Deshalb gebührte seiner berühmten Frühlingssonate F-Dur op. 24 der erste Platz im Programm. Sie charakterisierte einen übermütigen, sich seiner musikalischen Kraft mit Aussicht auf eine strahlende Zukunft ­sicheren Künstler.

Die beiden Musikerinnen führten einen perfekten Dialog im Wechsel von Themen und Begleitung.

Hoch aufjubelnde Geigentöne korrespondierten mit dunklem Bassthema. Dem singenden langsamen Satz folgte ein keckes Scherzo, sehr schnell gespielt mit um den Hauch einer Sekunde verschobenem Rhythmus zwischen Klavier und Geige, höllisch verzwickte Hüpfer, aber bewundernswert korrekt ausgeführt.

Wendungen nach Moll ließen Wölkchen am Frühlings­himmel aufziehen.

Mendelssohns „Lieder ­ohne Worte“, Stimmungsbilder „für die Damen“ (O-Ton Mendelssohn) erklangen hier in der Bearbeitung für Klavier und Geige, op. 67 Nr. 6 von Mischa Elman, op. 62 Nr. 1 von Fritz Kreisler.

Im ersten steigerte sich ein kantables Thema zu wilder Leidenschaft mit gewaltigen Akkord­schlägen in der Klavier­begleitung und ebbte ab zu zarten hohen Geigentönen im Pianissimo.

Im zweiten schlug die Violine sonore tiefe Töne zu auf und ab rollender Dreiklangs-Begleitung an. Brutal auf die Tasten gehämmerte Akkordschläge in Wahnsinnstempo prägten Brahms’ Scherzo aus der Sonate „F. A. E.“ (frei, aber einsam). Tonwiederholungen dominierten die Thematik. Die Geige kämpfte sich hoch, das Klavier brodelte in der Tiefe.

Frontalangriff auf die Gefühle

Karl Halle selbst kam mit der ­„Romance sans paroles“ op. 1 Nr. 1 in der Bearbeitung für Violine und Klavier zu Gehör, einem liebenswürdig-eleganten Paradestück der Pariser Salons.

Ausgerechnet der Jubilar bekam nicht den ihm zustehenden Applaus wegen ungenauer Angaben im ­Programmheft, anscheinend ­„zwischen Tür und Angel“ mit diversen Fehlern zu Papier gebracht.

Die Sonate op. 45 c-Moll von Grieg startete einen Frontalangriff auf die Gefühle des Publikums, spannungsgeladen und vollgriffig von orchestraler Fülle.

Im zweiten Satz kehrte Ruhe ein. Das Klavier sang ein nordisch-herbes Thema, begleitet von zarten ­Arpeggien, das von der Violine aufgenommen wurde.

Der Schlusssatz wurde neben virtuosem Wechselspiel der Instrumente beherrscht von einem weit ausschwingenden Geigenthema.

Das Publikum im Kunstquartier war begeistert und freute sich über eine Chopin-Transkription von ­Sarasate als Zugabe.