Galerist, Avantgarde-Kenner und ambivalente Persönlichkeit

Hagen-Mitte..  Er war einer der erfolgreichsten Galeristen und Avantgarde-Kennern zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Alfred Flechtheim. Der 1878 in Münster geborene Kunsthändler und -sammler prägte zweifelsohne das Kunstverständnis der damaligen und späteren Zeit.

Das Osthaus-Museum rückt den Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie, der aufgrund seiner Herkunft von den Nationalsozialisten geächtet wurde und daraufhin über die Schweiz und Frankreich nach London flüchtete, in den Fokus.

Im Rahmen einer Kabinett-Ausstellung im Christian-Rohlfs-Saal zeigen insgesamt 17 Künstler, die sich mit dem Leben und Wirken Flechtheims intensiv beschäftigt haben, eigene Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Video, Skulptur und Zeichnung.

Die Wanderausstellung „Ein Zimmer für Alfred Flechtheim“, die die Kölner Galeristin Claudia Cosmo kuratiert hat, wird heute um 19 Uhr eröffnet und läuft bis Mitte März. Danach sind Berlin und Basel als Stationen für „das Zimmer“ geplant.

Der durch Leidenschaft und Beharrlichkeit geprägte Mensch Alfred Flechtheim habe sie dazu inspiriert, eine Ausstellung rund um seine Person zu kuratieren, erklärt Claudia Cosmo, „er hat stets intuitiv gehandelt und Weitsicht bei der Auswahl jener Künstler bewiesen, deren Werke er in seine Galerien aufnahm bzw. er als Privatmann sammelte“.

„Macho-Wand“ mit Fellpuscheln

Tina Schwarz ist eine teilnehmende Künstlerin, die mit zwei Werken im Christian-Rohlfs-Saal vertreten ist. Ihr Beweggrund, sich an der Gemeinschaftsausstellung zu beteiligen? „Zum einen bin ich mit der Galeristin Claudia Cosmo befreundet, zum anderen fasziniert mich die ­ambivalente Figur Flechtheims, obwohl ich mit den Werken des Künstlers nie richtig warm geworden bin.“

Und genau diese Ambivalenz ­spiegelt sich auch in ihrem gezeigten Triptychon wider: Hier das schillernde Leben mit wilden Parties, Absinth, Opium; da das schwere, düstere, durch Angst und Verfolgung geprägte Schicksal des Juden Flechtheim.

Eine Ausstellungswand des ­„Zimmers für Alfred Flechtheim“ beschreibt Claudia Cosmo schmunzelnd als „Macho-Wand“. Die Berliner Künstlerin Jonny Star ist an dieser mit einem opulenten, mit Swarovski-Kristallen und ­roten Fellpuscheln besetzten Wandbild, das eine protzende Männer-Gruppe karikiert, vertreten.

Und auch Exponate von Rosa Loy und Paolo Maggis findet der Besucher an der Macho-Wand.

Neben den Werken der vier erwähnten Künstler sind folgende Schaffende mit ihren Arbeiten vertreten: Martin Claßen, Oliver Czarnetta, Lenz Geerk, Jörg Herold, Bernd Hoffmann, Leiko Ikemura, Andrea Lehmann, Jonathan Meese, Thomas Palme, Heike Ruschmeyer, Katharina Schilling, Carsten Tabel sowie Feridun Zaimoglu.