Fürs Stromsparen wird Gastronom bestraft

Fürs Stromsparen bestraft: Thomas Bielefeld.
Fürs Stromsparen bestraft: Thomas Bielefeld.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Hätte Gastronom Thomas Bielefeld im letzten Jahr im Novy’s nur eine Viertelstunde lang sämtliche Stromgeräte aufgedreht, hätte er 1800 Euro gespart. Jetzt wird er fürs Stromsparen bestraft.

Hagen-Mitte.. Einen Rachefeldzug hat er schon geplant: „Wenn der Vorstand das nächste Mal zum Speisen kommt“, sagt Thomas Bielefeld, Betreiber des Restaurants Novy’s, „dann gibt’s das Steak günstiger, wenn er es in fünf Minuten aufisst.“

Es ist die augenzwinkernde Reaktion des Gastronomen auf eine Nachforderung, die ihn jetzt aus dem Hause des Energieversorgers Mark-E erreichte. Rund 1800 Euro soll Bielefeld berappen – nicht weil er weniger Strom als kalkuliert verbraucht hat, sondern weil er es nur ein- statt wie vorgesehen zweimal in 2014 geschafft hat, jeweils eine Stunde lang die Gesamtleistung seiner elektrischen Geräte auf eine Spitzenlast von mehr als 30 Kilowatt hochzufahren.

Treppenwitz aus dem Tarifdschungel

Ein Treppenwitz aus dem Tarifdschungel, wie der Gastronom, der in einem Sondertarif für Gewerbekunden steckt, findet. Denn: „Ich hätte lediglich einmal im Novy’s alles, was Strom verbraucht, gleichzeitig hochfahren müssen und schon hätte ich 1800 Euro gespart“, beschreibt Bielefeld, wie man durch Energieverschwendung bares Geld sparen kann. „Das ist doch ein schlechter Scherz.“

Zwei Voraussetzungen muss Bielefeld laut Vertrag in seinem Sonder-Tarif erfüllen: Er muss mindestens 30 000 Kilowattstunden verbrauchen und an einem Tag in zwei verschiedenen Monaten jeweils eine Stunde lang eine Spitzenlast von mehr als 30 Kilowatt abrufen. Im Grunde auch nur eine Viertelstunde lang – denn von dieser Messperiode aus wird der Wert mit dem Faktor vier hochgerechnet.

Spitzenlast nicht erreicht

Die erste Hürde nimmt Bielefeld bei einem Stromverbrauch von rund 70 000 Kilowattstunden pro Jahr locker. An der zweiten scheitert er. Nur einmal im Dezember ist die Spitzenlast so hoch. Das ergibt die Auslese des Stromzählers, der die Verbrauchsdaten automatisch an den Versorger weitergibt.

Von der Spitzenlast-Regeln, die laut Mark-E-Sprecher Andreas Köster deutlich in den Verträgen hinterlegt sind, will Bielefeld nichts gewusst haben. „In Zeiten, in denen die Europäische Union festlegt, welche Leistung Staubsauger haben dürfen, macht so was auch gar keinen Sinn“, so Bielefeld, „solche absurden Vorgaben animieren die Kunden nicht zum Energiesparen.“

Nachzahlungen zwangsläufig

Mark-E-Sprecher Andreas Köster verweist hingegen darauf, dass Gewerbekunden wie Bielefeld unter bestimmten Bedingungen geringere Netzentgelte zahlen müssten. Wenn sie – wie Bielefeld – die nicht erfüllen würden, seien zwangsläufig Nachzahlungen fällig.

„Darauf haben wir auch gar keinen Einfluss“, so Köster, „das Geld geht an den Netzbetreiber.“ Dass der in diesem Zusammenhang die Mark-E-Schwester „Enervie Asset Network“ ist, spiele keine Rolle. Denn auch der Netzversorger wiederum sei an gesetzliche Vorgaben gebunden, die in der Konzessionsabgabenverordnung festgeschrieben seien. „In diesem speziellen Fall ist die Regelung nicht glücklich“, räumt Köster ein, „allerdings spart Thomas Bielefeld auch mit Nachzahlung noch 900 Euro gegenüber unserem normalen Tarif für Gewerbekunden.“

Strittige Kombination

Die Aussage der Mark-E bestätigt auch die Südwestfälische Industrie- und Handelskammer. „Was für den Mark-E-Tarif gilt, gilt auch für entsprechende Sondertarife aller anderen Versorger“, so Stefan von Schemm, „zuständig für Energieeffizienz und Klima, „über die Kombination von Mindestlast und Mindestverbrauch kann man durchaus streiten. An diesem Fall kann man sehen, welche Blüten eine solch starre Regelung treiben kann.“

Thomas Bielefeld, der Ende 2013 für zwei Jahre in den neuen Sondertarif eingestiegen ist, wird den Betrag überweisen. Und im nächsten Jahr an zwei Tagen bereits im Januar und Februar im Novy’s alle Geräte gleichzeitig einschalten, die Strom verbrauchen.