Für und Wider die Wehrpflicht
17.02.2011 | 16:54 Uhr 2011-02-17T16:54:00+0100Hagen.Die letzten Wehrpflichtigen wurden eingezogen, die Bundeswehr wird verkleinert. Seit Wochen wird über jenes Thema debattiert. Selten genug wurde dabei beleuchtet, was die jungen Männer darüber denken, welche nun keinen Wehr- oder Zivildienst mehr leisten müssen. Inwiefern ihre Planungen nun geändert werden müssen und wie zwei Abiturienten zur Bundeswehr und zur Wehrpflichtreform stehen, sollen die beiden Interviews darstellen.
Interviewpartner: Jann Piepenstock
Youread: Ist die Aussetzung der Wehrpflicht sinnvoll?
Jann: Natürlich ist die Wehrpflichtreform aus finanzieller Sicht sinnvoll. Immerhin könnten dort Kosten gespart werden. Man muss aber zwei Probleme beachten. Durch eine Berufsarmee kann ein „Staat im Staat“ entstehen. Die Bundeswehr hätte dann ähnlich viel Selbstvertrauen wie zum Beispiel die U.S. Army. Des Weiteren haben junge Leute nun keinen Anreiz mehr für das Gemeinwesen zu arbeiten. Ihnen wird vielleicht im späteren Berufsleben die Erfahrung darin fehlen.
Youread: Inwiefern beeinträchtigt die Aussetzung Deine Planung nach dem Abitur?
Jann: Ich wollte entweder Zivildienst oder ein Freiwilliges Soziales Jahr machen. Nun werde ich wohl direkt studieren gehen.
Youread: Also war die Bundeswehr sowieso nie ein Thema für Dich?
Jann: Komischerweise im Moment schon eher. Die Bundeswehr bietet als neue Alternative zur Wehpflicht einen 13 monatigen, freiwilligen Wehrdienst an. Das hat schon seine Vorteile wie zum Beispiel ein Sold von 700-1000 Euro, wobei obendrein auch die Studienwartezeit verkürzt wird. Verpflichten würde ich mich dennoch nicht.
Youread: Wie ist Deine allgemeine Haltung zur Bundeswehr? Braucht man überhaupt eine Armee?
Jann: Die Bundeswehr ist laut Verfassung zur Verteidigung da. Schaut man nach Afghanistan, so hat der dortige Einsatz wenig mit Verteidigung zu tun. Es gibt ja in diesem Sinne auch keine richtigen Feinde mehr, was auch an der Stellung Deutschlands in der EU liegt. Man braucht keine Angst mehr vor großen Mächten zu haben.
Youread: Also doch alles unnötig?
Jann: Nein, aber eine Armee mit der Größe von 100.000 Mann würde vollkommen ausreichen. Die USA dürfen hier nicht als Vergleich genommen werden. Es ist auch fragwürdig, ob es sich lohnt in Afghanistan im Krieg Menschenleben der Soldaten zu riskieren.
Youread: Mit der Wehrpflichtreform fällt auch der Zivildienst weg. Ist die Freiwilligenbasis in diesem Bereich überhaupt ausreichend?
Jann : Nein, auf keinen Fall. Es werden bestimmt 20 bis 30 tausend Zivildienstleistende fehlen. Die fehlen vor allem in Altenheimen und Krankenhäusern. Stattdessen sind die Universitäten nun noch überfüllter.
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