Für Sanitär Bahne sichern die eigenen Azubis die Existenz

Marcus Weichert (Arbeitsagentur) überreicht das Ausbildungszertifikat an  Geschäftsführer Matthias Stiebler. Mit im Bild ist  Azubi Julia Fischbach (v.l.)
Marcus Weichert (Arbeitsagentur) überreicht das Ausbildungszertifikat an Geschäftsführer Matthias Stiebler. Mit im Bild ist Azubi Julia Fischbach (v.l.)
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Das Sanitärunternehmen Bahne aus Hagen bildet seit Jahrzehnten kontinuierlich aus. Inzwischen ist das überlebensnotwendig: Der Gesellen-Markt ist leer gefegt.

Hagen-Altenhagen.. Für Matthias Stiebler ist es keine Frage, ob er in seinem Betrieb ausbilden will oder nicht. Er weiß, dass es eine absolute Notwendigkeit ist. „Wir haben im vergangenen Jahr eine Gesellen-Stelle ausgeschrieben“, sagt der Geschäftsführer des Heizungs- und Sanitärbetriebs Bahne aus Altenhagen. „Es kamen nur drei Bewerbungen – und zwei davon konnte man gleich vergessen.“ Der Markt an gute Gesellen im Heizungs- und Sanitärwesen sei geradezu leergefegt. und die Situation, so ahnt der 34-Jährige, werde sich so schnell nicht bessern. Auch in anderen Gewerken: „Ich befürchte, es wird die Zeit kommen, dass die Bürger bis zu drei Monate auf ihren Elektriker oder Klempner warten müssen.“

Gestern Zertifikat erhalten

Matthias Stiebler und sein Vater Rudolf (57), der das Geschäft 1994 von der Familie Bahn übernommen hatte, wollen verhindern, dass es soweit kommt. Deshalb setzen sie auch auf die Ausbildung im eigenen Haus: Zwei Drittel der Beschäftigten stammen inzwischen aus der eigenen Ausbildung. Und sie zeigen Treue: Knapp die Hälfte der 22-köpfigen Belegschaft ist schon mehr als 15 Jahre angestellt.

Für diese kontinuierliche Bereitschaft, Lehrstellen zur Verfügung zu stellen, hat die Bahne GmbH gestern das „Ausbildungszertifikat 2016“ erhalten. Arbeitsagentur-Chef Marcus Weichert überreichte es an Matthias Stiebler. „Wir haben die Bahne GmbH ausgewählt, weil sie ein sehr, sehr schönes Beispiel ist, dass sich auch kleine und mittlere Betriebe ihrer sozialen Verantwortung bewusst sind“, so Weichert. „Beispielgebend ist auch die Quote. Wenn die Großunternehmen so viele Ausbildungsstellen im Verhältnis zur Gesamtbelegschaft zur Verfügung stellen würden, dann gäbe es gar keine Probleme.“

Meistens drei gewerbliche Auszubildende zum Anlagenmechaniker bildet die Bahn GmbH aus. „In Übergangszeiten zwischen zwei Azubis sind es auch schon mal weniger,“ sagt Geschäftsführer Stiebler. „Wir hatten aber auch schon fünf Azubis.“ Und hinzu kommt derzeit auch noch Julia Fischbach (20), die in wenigen Wochen ihre Ausbildung zur Bürokauffrau beenden wird – und dann auch übernomen wird. „Eine kaufmännische Ausbildungsstelle können wir aber nicht kontinuierlich anbieten“, so Matthias Stiebler.

Vom Lehrling zum Besitzer

Der 34-Jährige ist selbst studierter Betriebswirt, hat aber ebenso den Meistertitel als Installateur und Heizungsbauer. Er hofft, dass es wieder gelingt, das Berufsbild populärer zu machen und so mehr Interessenten für die dreieinhalbjährige Ausbildung zum Anlagenmechaniker zu gewinnen: „Wir freuen uns auch über Bewerbungen von jungen Frauen. Und ein Migrationshintergrund ist selbstverständlich kein Hindernis.“ Im Gegensatz zu schlechten Mathekenntnissen. Matthias Stiebler weiß, wie anspruchsvoll der Beruf inzwischen geworden ist. So gibt er zwar auch Hauptschülern eine Chance: „Aber hier müssen die Mathe-Noten wirklich gut sein.“

Dass nach einer soliden Ausbildung die Aufstiegschancen gut sind, hat Vater Rudolf Stiebler bewiesen. Er hatte einst als Heizungsbauer-Lehrling bei Bahne angefangen, es zum Meister gebracht, bis er das Unternehmen 1994 schließlich ganz übernahm.