„Für den Mittelstand Südwestfalens sind 3,4 Prozent zu hoch“

Der Erste Vorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel (r-l), der Bezirksleiter des IG Metall-Bezirks Baden-Württemberg, Roman Zitzelsberger, der Vorsitzende von Südwestmetall, Stefan Wolf und der Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger gehen  in Böblingen nach dem Abschluss der Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg in einen Saal.
Der Erste Vorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel (r-l), der Bezirksleiter des IG Metall-Bezirks Baden-Württemberg, Roman Zitzelsberger, der Vorsitzende von Südwestmetall, Stefan Wolf und der Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger gehen in Böblingen nach dem Abschluss der Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg in einen Saal.
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Unternehmer in der Region kritisieren den Abschluss in der Metall- und Elektroindustrie: „Für die Porsches dieser Welt mag das in Ordnung sein.“

Hagen.. Als zu hoch bewertet die südwestfälische Wirtschaft den in der Nacht zu Dienstag gefundenen Pilotabschluss in der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie, der am Dienstag im Kern auch in NRW übernommen wurde. „Für die Porsches dieser Welt mag das in Ordnung sein, für den südwestfälischen Mittelstand sind die 3,4 Prozent Lohnplus etwas hoch“, sagte Jörg Lohölter, Geschäftsführer beim Iserlohner Kaltband-Spezialisten Risse+Wilke. Seinem Worten zufolge könnte diese Prozentzahl durch Kompromisse in den Bereichen Alters- und Bildungsteilzeit erkauft worden sein.

Die in NRW gefundene und jetzt als Grundlage für alle anderen Tarifbezirke in Deutschland geltende Regelung zur Bildungsteilzeit lehnt der Unternehmer ab: „Wir bilden hier gut aus und haben eine hervorragende Weiterbildung.“ Gesamtmetall und der IG-Metall-Vorstand hatten den in Böblingen gefundenen Abschluss bei der Weiterbildung nicht zur Übernahme in anderen Tarifbezirken empfohlen – Grundlage für einen Kompromiss sollte der Verhandlungsstand in NRW sein.

Nicht einfach übernehmen

Diese Meinung hatte auch der Iserlohner Unternehmer (Büroartikelbedarf Durable) Horst-Werner Maier-Hunke vertreten, gleichzeitig Landesarbeitgeberchef: „Man kann den Abschluss zur Weiterbildung nicht aus Baden-Württemberg übernehmen, sondern muss ihn an die die Struktur der Firmen in NRW anpassen.“

Auch Carl-Michael Schulte, Mitinhaber der Firma Bandstahl Schulte aus Hagen, findet den Tarifabschlusss, der ja jetzt Richtschnur für andere sei, „etwas hoch“. Einigen Firmen in der Branche, auch in Hagen, gehe es gar nicht gut, dehalb könne man auch nicht durch die Bank von einer guten Branchenkonjunktur reden. Vor allem die kurze Laufzeit des Tarifvertrages wundere ihn.

„Vor dem Hintergrund der steigenden Kostenbelastung der Betriebe vor allem für Energie halte ich die Einigung auf 3,4 Prozent für zu hoch. Ich hätte mir einen Abschluss unter drei Prozent gewünscht“, unterstützt ihn Thomas Jörg Hüttenhein, Geschäftsführer der Hagener Gesenkschmiede Schöttler. Aber das sei wohl nicht anders zu lösen gewesen - die allgemein gute Lage in der Branche fordere ihren Tribut. Sowohl Bandstahl Schulte als auch Schöttler sind nicht tarifgebunden.

„Dickes Lohnplus“

Auch Josef Wiesmann vom Verband der Siegerländer Metallindustriellen findet 3,4 Prozent zu viel und betont, wegen der niedrigen Inflationsrate bleibe den Beschäftigten nun ein „dickes Lohnplus.“ Den südwestfälischen Betrieben mit hohem Personalkostenanteil tue das weh, erklärte Wiesmann. Zum Jahresgehalt von durchschnittlich 57 000 Euro in der Branche kämen jetzt noch rund 2000 Euro dazu - eine schwere Belastung für Unternehmen im Konjunkturschatten. Jens Mütze, erster Bevollmächtigter der IG Metall in Hagen, sieht die Einigung als Schritt in die richtige Richtung. Aber: „Bei der Bildungsteilzeit müssen wir sehen, ob das Ergebnis unseren Forderungen entspricht.“