Führerschein-Pflicht für den Paternoster

Dortmund..  Er ist immer da, wenn man ihn braucht. Hat in 62 Jahren jedes Auf und Ab mitgemacht. Er ist bei allen Mitarbeitern der Volkswohl Bund Versicherungen am Dortmunder Südwall extrem beliebt. Doch nun hat Arbeitsministerin Andrea Nahles ihn ausgebremst: Der Paternoster darf seit dem Monatsanfang nach einer neuen Betriebsstättenverordnung nur noch mit besonderer Einweisung benutzt werden. Es besteht quasi Führerscheinpflicht. Aber es gibt neue Hoffnung auf bessere Einsicht.

Hoffnung auf Einsicht

Neben zwei Personal-Paternostern in der Galeria Kaufhof ist der Personen-Umlaufaufzug bei den Volkswohl Bund Versicherungen, der letzte, der in Dortmund noch in Betrieb ist. Bereits im Oktober 2006 wurde der Paternoster im Stadthaus, auch Beamten-Bagger genannt, stillgelegt. Der Paternoster beim Volkswohl Bund ist nur noch für Beschäftigte zugänglich. Im Moment steht er ohnehin häufiger still – wegen der Kinderbetreuung, die während des Kita-Streiks im Haus organisiert wird. Sonst laufen die zwölf Holzkabinen von 6 bis 19 Uhr über sieben Etagen. Mit einer Geschwindigkeit von 30 Zentimetern in der Sekunde.

Generationen von Mitarbeitern haben die abenteuerliche Fahrt in dem vertikalen Karussell über Jahrzehnte überstanden. Jetzt dürfen sie nur noch mitfahren, wenn sie zuvor vom Arbeitgeber mit einer „Betriebsanweisung“ in den ordnungsgemäßen Gebrauch der Anlagen eingewiesen worden sind. Ein Paternoster-Führerschein sozusagen. Wer dagegen verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss – wenn er erwischt wird – mit einem Bußgeld rechnen.

„Uns bleibt nur die Möglichkeit, alle Mitarbeiter persönlich einzuweisen oder den Paternoster stillzulegen“, erläutert Simone Szydlak, Pressesprecherin der Volkswohl Bund Versicherungen. Die Entscheidung, ob Einweisung oder Stilllegung, falle in den nächsten Tagen, sagt die Pressesprecherin: „Wir bedauern das sehr. Wir halten das für eine Überregulierung und haben dafür überhaupt kein Verständnis.“

Wie würde so eine Einweisung für alte Paternoster-Hasen aussehen? „Ich würde den Mitarbeitern raten, den Paternoster mit Respekt zu behandeln; denn der Paternoster hat keine Lichtschranken und keine Sicherheitsschienen“, erklärt Ulrich Drupp, technischer Angestellter und beim Volkswohl Bund für die Aufzugsanlagen verantwortlich. „Beim Einsteigen nah genug an den Aufzug herantreten und, sobald die Kabine bündig mit dem Boden ist, einsteigen. Beim Aussteigen muss man rechtzeitig den Sockel in den Blick nehmen.“

Möglicherweise ist aber der „Paternoster-Führerschein“ auch bald wieder Geschichte. Nach Protesten will Nahles nun die Novelle überarbeiten und den Ländern die Zuständigkeit für die historischen Aufzüge übertragen.