Frühe Bahnhofspläne im Stadtarchiv aufgetaucht

Im Stadtarchiv lagert so manches historische Foto des Hagener Hauptbahnhofs.
Im Stadtarchiv lagert so manches historische Foto des Hagener Hauptbahnhofs.
Foto: WP

Hagen-Mitte.. Es ist wieder hell. Weil reichlich Licht durch die Fenster in die Halle fällt. An den Wänden ist er wieder zu erahnen, der Glanz der Vergangenheit. Die Korbbögen, die das Innere des Hauptbahnhofs schon vor mehr als 100 Jahren prägten, sind wieder freigelegt. Und auch die prächtige Außenfassade des Gebäudes, das am 14. September 1910 eingeweiht wurde, zeigt sich wie vor 114 Jahren. Die Empfangshalle, aus Ziegelsteinen gebaut, wurde mit Sandstein verkleidet. Die Flächen dazwischen waren mit hellem roten Putz gefüllt.

Dieses Eingangstor, dieses Schmuckstück, beruht auf einem Plan. Der lag jahrzehntelang verborgen im Archiv der Stadt Hagen. Oberbürgermeister Erik O. Schulz und Dr. Birgit Schulte, stellvertretende Leiterin des Fachdienstes Museen, Wissenschaft und Archive, haben die Bahnhofspläne aus dem Jahr 1907 an Bahnhofsmanagerin Dorothee Wasel übergeben.

Stadium früherer Planung

„Diese Pläne, die wir jetzt gefunden haben, scheinen eine frühe Planung des neuen Empfangsgebäudes zu dokumentieren“, erklärt Dr. Birgit Schulte über die Bögen, die eine Länge von bis zu 1,30 Metern haben, „am Turm, im vorderen Bereich des Hauptgebäudes und an den seitlichen Nebengebäuden sind durchaus Unterschiede in der Ausführung festzustellen.“

Dabei ist der Hagener Verkehrsknotenpunkt, der zunächst noch außerhalb der Kernstadt lag, schon immer Zeichen für die rasante Entwicklung von Hagen gewesen. Mitte des 19. Jahrhunderts, 1847, wurde die Stadt an die Bahnlinie von Elberfeld nach Dortmund angeschlossen. 1848 rollte der erste Güterzug durch Hagen. Am 9. März 1849 hielt der erste Personenzug in der Stadt. Also musste ein Bahnhofsgebäude her.

Gebäude Nummer zwei 1875 erbaut

Allerdings genügte dieser erste Bau schon wenige Jahre später nicht mehr dem steigenden Verkehrsaufkommen. Folge: Bahnhofsgebäude Nummer zwei wurde 1875 eingeweiht. Doch auch dieses Gebäude samt der ausgebauten Gleisanlagen war den Erfordernissen schon bald nicht mehr gewachsen.

Und so beschäftigte sich die königliche Eisenbahndirektion Elberfeld bald mit Neubauplänen. Das war die Geburtsstunde des Bahnhofsgebäudes, wie es noch heute an Ort und Stelle steht.

Regierungsbaumeister Walter Morin sprach sich für eine neobarocke Form des Bauwerks aus. Die Kosten beliefen sich auf rund 650.000 Reichsmark. 50 Meter war die rechteckige Empfangshalle lang, 15 Meter breit und zwölf Meter hoch. Zwölf Fahrkartenschalter befanden sich an der rechten Seite sowie zwei Diensträume und der Stand eines Buchhändlers. Links lagen die Gepäckschalter.

Ein prunkvoller Wartesaal für Kunden der ersten und zweiten Klasse lag rechts am Ende der Halle, eine schlichte Halle für diejenigen, die in Klasse drei und vier reisten, links. Auf Anregung von Karl-Ernst Osthaus wurde das Hauptfenster im Frühsommer 1911 gegen ein Glasgemälde von Jan Thorn Prikker getauscht („Die Huldigung der Gewerbe vor dem Künstler“).

Ursprünglicher Farbton aufgetragen

Während das Äußere des Gebäudes die Jahre nahezu unverändert überstanden hat, wurde insbesondere die Halle neuen Erfordernissen immer wieder angepasst. Erst jüngst wurde die Fassade farblich mit einem neuen Anstrich in ihre Ursprungsfarbe zurückversetzt, womit der Bahnhof mehr denn je wie bei seiner Einweihung aussieht.