Frist verstrichen: Jetzt steht die Räumung an

Breckerfeld..  Die Frist ist abgelaufen: Ursula Glomke hätte eigentlich schon am Samstag ihr Haus an der Neue Straße räumen müssen, weil es nach Behördenansicht einsturzgefährdet ist (unsere Zeitung berichtete). Doch noch ist nichts passiert. Die 80-Jährige rechnet aber jederzeit damit, dass ein Gerichtsvollzieher bei ihr anklopft. „Ich kann schon nicht mehr schlafen“, sagte sie gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. Aber genauso zeigt sie sich kämpferisch. Sie will ihr Haus nicht verlassen: „Wo soll ich denn hin mit alle meinen Sachen.“ Und sie schlägt auch eine neuerliches Wohnungsangebot der Stadtverwaltung aus. Die Miete von 450 Euro sei ihr zu hoch.

Auch für die Stadtverwaltung und den EN-Kreis ist der Fall nicht einfach. Doch sie sind per Gesetz dazu verpflichtet, einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Münster Gültigkeit zu verschaffen. Der für die Hansestadt zuständige Mitarbeiter der Unteren Bauaufsicht der Kreisverwaltung in Schwelm hat in diesen Tagen die Aufgabe, das OVG-Urteil umzusetzen, das die Räumungsverfügung für die Mietwohnung für rechtsgültig erklärt.

Gutachter: „Nicht bewohnbar“

So kam es zu dieser Situation: Nach dem Tod der früheren Besitzerin gelangte der heutige Eigentümer nach einer Erbauseinandersetzung in den Besitz des denkmalgeschützten Hauses. Er stellte fest: Das alte Haus hat große Mängel. Von Fachingenieuren ließ er das Haus untersuchen. Das Ergebnis des zweiten Gutachters, das dem OVG als Grundlage für seine Entscheidung diente, das Haus für unbewohnbar zu erklären, enthält am Ende folgende Zusammenfassung: „Das Ergebnis aller Feststellungen hat ergeben: Das Gebäude ist weder bewohnbar noch nutzbar, noch ist eine Reparatur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten überhaupt möglich.“ Der Gutachter schloss auch den Denkmalschutz in seine Aussagen ein: „Ohne Berücksichtigung von Anforderungen des Denkmalschutzes wäre der sofortige Abriss angezeigt. Die Erstellung eines Sanierungsplanes mit Kostenermittlung stellt einen wirtschaftlich nicht vertretbaren Aufwand dar.“ Unsere Zeitung konnte das Gutachten einsehen.

Bürgermeister Klaus Baumann: „Wir haben der Mieterin sowohl einen Platz in einer seniorengerechten Wohnung neben dem Breckerfelder Altenzentrum als auch andere Wohnungen angeboten. Sie hat alle Angebote ausgeschlagen.“ Aktuell habe man der Bauaufsicht des Kreises weitere Wohnungen benannt. Baumann: „Wenn die Mieterin auch diese Angebote ablehnt, bleibt nur noch die Unterbringung in der städtischen Notunterkunft als Ausweg.“

Der Mitarbeiter der Kreisverwaltung sagt: „Falls der Mieterin im Haus etwas zustößt, wenn ich die Räumung nicht durchsetze, steht der Staatsanwalt an meinem Schreibtisch.“