Freiheit des Administrators

Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist ja ein großes Thema. Auch auf einer Veranstaltung der Bundestagsabgeordneten und zweiten Vorsitzenden der CDU-Hagen. Da hatte Cemile Giousouf, obendrein Integrationsbeauftragte der Unions-Fraktion, zu einer Podiumsdiskussion zur Lage der Flüchtlinge in Hagen eingeladen. Eine äußerst gelungene Veranstaltung, an der neben dem Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck Vertreter der unterschiedlichsten Organisationen teilnahmen.


„Nous sommes Charlie Hebdo“ stand auf einem Plakat, das die stellvertretende Vorsitzende und CDU-Chef Christoph Purps in die Kamera hielten. Um mit allen Anwesenden in einer Gedenkminute ihre Solidarität mit den Opfern der Terroranschläge zu bekunden und um für Presse- und Meinungsfreiheit einzutreten. Das Foto fand schnell den Weg in das soziale Netzwerk „Facebook“, wo die Kreispartei eine eigene Seite betreibt.


Auf solchen Seiten allerdings (und das ist kein Alleinstellungsmerkmal der CDU) nehmen es die Parteien mit der Meinungsfreiheit nicht so genau. Da wachen strenge Administratoren (auch parteiinterne SPD-Kritiker können ein Lied davon singen) mit Argusaugen darüber, dass nur solche Kommentare öffentlich bleiben, die das eigene Nest nicht beschmutzen. Just nach dem „Charlie-Hebdo-Foto“ stellte die Union eine Presseerklärung ins Soziale Netzwerk, in der die Partei Stellung bezieht zur Kritik des SPD-Vorsitzenden Timo Schisanowski an Cemile Giousouf. Das veranlasste das ausgetreten Parteimitglied Martin Reinhardt, wahrlich kein Giousouf-Fan, zu kritischen Anmerkungen. Verschwunden waren die schnell.


Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Und auch wir löschen von Zeit zu Zeit Kommentare von unserer Facebook-Seite. Kritik halten wir gerne aus. Beleidigungen übrigens nicht.