Flächenreserven sind am Ende

Diskutierten über die Gewerbeflächen-Knappheit in Hagen (von links): Torsten Fels (Habighorst-Geschäftsführer), Achim Lüling (Burg-Geschäftsführer), Thomas Grothe (Technischer Beigeordneter der Stadt Hagen), Christoph Brünger (SIHK-Geschäftsbereichsleiter Standortpolitik), Rasmus C. Beck (Wirtschaftsförderung Metropoleruhr GmbH) und Hans-Peter Rapp-Frick (SIHK-Hauptgeschäftsführer).
Diskutierten über die Gewerbeflächen-Knappheit in Hagen (von links): Torsten Fels (Habighorst-Geschäftsführer), Achim Lüling (Burg-Geschäftsführer), Thomas Grothe (Technischer Beigeordneter der Stadt Hagen), Christoph Brünger (SIHK-Geschäftsbereichsleiter Standortpolitik), Rasmus C. Beck (Wirtschaftsförderung Metropoleruhr GmbH) und Hans-Peter Rapp-Frick (SIHK-Hauptgeschäftsführer).
Foto: Thomas Marotzke
Was wir bereits wissen
Gewerbeflächen ohne Auflagen und Einschränkungen gibt es in Hagen kaum noch. Um so mehr richten Stadt und Wirtschaft ihren Blick auf das Böhfeld.

Hagen-Herbeck.. In puncto Gewerbeflächen wird es in Hagen eng. Verdammt eng, um genau zu sein. „Wir stehen am Ende“, musste gestern auch Baudezernent Thomas Grothe bei einer Diskussionsveranstaltung der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK) in den Räumen der Federnfabrik Habighorst im Gewerbegebiet Herbeck-West, eines der letzten Entwicklungsgebiete der Stadt, einräumen. Für SIHK-Hauptgeschäftsführer Hans-Peter Rapp-Frick allerhöchste Zeit, durch aktive Flächenpolitik entschlossen das Steuer herumzureißen.

Zukunftsfrage der Stadt

„Eine Stadt ohne Gewerbe- und Industrieflächenangebot glaubt nicht mehr an ihre Zukunft“, bilanzierte er vor Vertretern aus Wirtschaft und Politik. „Wer nicht über Industrieflächen spricht und entscheidet, kann sich die Diskussionen um Wohnen, Kultur und Lebensqualität gleich ganz sparen“, betonte er, dass es der Kammer nicht darum gehe, die Landschaft zuzubetonieren, sondern durch die Schaffung von Arbeitsplätzen die Grundlagen für eine Stadtgesellschaft zu erhalten. Ausdrücklich sprach er sich dafür aus, das Böhfeld am Rande des Hengsteysees (16,5 Hektar) für eine Gewerbenutzung zu entwickeln. Rapp-Frick ging in der Diskussion unter dem Motto „Wirtschaft braucht Raum“ sogar noch einen Schritt weiter: „Eine Stadt mit großen Waldflächen muss sich auch die Frage stellen, ob sie sich nicht von Wald trennt.“

Politische Forderungen des SIHK-Chefs, die Rasmus C. Beck, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Metropoleruhr GmbH, mit Fakten aus seinem Haus unterfütterte. Hagen verfüge lediglich noch über 6,8 Hektar restriktionsfreie Gewerbeflächen, also Grundstücke, die beispielsweise ohne Erschließungsprobleme oder Umweltbelastungen sofort genutzt werden könnten. Angesichts eines jährlichen Verbrauchs von etwa 4 Hektar pro Jahr würde diese Reserve spätestens 2017 auslaufen. „Das schreckt schon heute die Unternehmen ab, weil sie keine Wachstumspotenziale in der Stadt mehr erkennen“, schrieb der Metropoleruhr-Manager den kommunalen Verantwortlichen ins Stammbuch. Ansiedlungen von Großunternehmen hätten zuletzt in anderen Ruhrgebietsstädten durchaus noch funktioniert, weil es dort Areale jenseits der zehn Hektar gebe.

Gewerbeflächenstudie angekündigt

Grothe kündigte an, dass die Stadt neben dem Bestandsschutz auch die Entwicklung des Böhfeldes vorantreibe. Parallel werde eine Gewerbeflächenstudie aufgelegt, um die Nachfrage zu analysieren und Brachflächenpotenziale zu identifizieren. Zudem dürfe es kein Tabu mehr sein, in Mischgebieten – beispielsweise entlang der B7 – Wohnkomplexe zu entfernen, um Gewerbebetrieben Entfaltungsmöglichkeiten ohne komplizierte Restriktionen zu ermöglichen.