Feuerwehr nutzt abhörsicheren Digitalfunk

Martin Gust ist Leiter der Leitstelle.
Martin Gust ist Leiter der Leitstelle.
Foto: Alex Talash
Was wir bereits wissen
Die Hagener Berufsfeuerwehr hat in dieser Woche ein neues Einsatzleitsystem namens „Command“ in Betrieb genommen.

Hagen.. Die Hagener Berufsfeuerwehr hat am Dienstag ein neues Einsatzleitsystem namens „Command“ in Betrieb genommen. Es versetzt die Feuerwehr in die Lage, am Digitalfunk teilzunehmen, das automatische Kfz-Notrufsystem zu bearbeiten und bei Großschadenslagen, etwa Unwettern oder Massenkarambolagen, bis zu 30 Notrufe auf einmal entgegenzunehmen.

Hagens stellvertretender Feuerwehrchef Veit Lenke stellte die umgerüstete Leitstelle, die sich in der Feuer- und Rettungswache Ost in Hohenlimburg befindet, gestern der Öffentlichkeit vor. Der Systemwechsel sei „eine Operation am offenen Herzen“ gewesen, da die neue Einsatzleittechnik die veraltete, auf Sprachkanälen und Funkmeldeempfängern beruhende Alarmierung, während des laufen Betriebs ablöste. Im Prinzip funktioniert der Digitalfunk wie ein Mobilfunknetz, er soll bald deutschlandweit Standard für alle Behörden mit Sicherheitsaufgaben sein. Unbefugte können zukünftig nicht mehr mithören.

Disponenten tragen Verantwortung

Fünf Feuerwehrmänner, jeder vor fünf Bildschirmen, nehmen als sogenannte Disponenten im 24-Stunden-Schichtdienst Notrufe entgegen und ordnen anschließend an, welche Trupps und Rettungsmittel ausrücken müssen. „Jeder von ihnen ist ausgebildeter Rettungsassistent“, erläutert Lenke. Diesem Umstand kann entscheidende Bedeutung zukommen. Als vor einigen Tagen eine verzweifelte Mutter anrief, deren Tochter an lebensgefährlichen Krampfattacken litt, wies der Disponent sie an, welche Sofortmaßnahmen sie ergreifen konnte, um ihrem Kind bis zum Eintreffen der Rettungssanitäter, die er nebenher schon alarmiert hatte, zu helfen.

Dank „Command“ kann jetzt auch ein E-Call, der bei einem Verkehrsunfalles automatisch einen Notruf absetzt und die Positionsdaten des Autos übermittelt, entgegen genommen werden. Immer mehr Wagen besitzen dieses System bereits, ab 2018 muss es verpflichtend in alle neuen Modelle eingebaut werden. Vor allem aber ist die Feuerwehr jetzt sozusagen unabhängig von sich selbst.

Zum einen kann in der Leitstelle dank eines autarken Stromgenerators fünf Tage lang weiter gearbeitet werden, wenn das öffentliche Stromnetz ausfällt. Zudem ermöglicht es die Netzwerkfähigkeit des Systems, dass der Betrieb bei einem Totalausfall der Leitstelle – etwa infolge eines terroristischen Anschlags – in vollem Umfang von der Leitstelle der Berufsfeuerwehr in Herne fortgesetzt werden kann (und umgekehrt). Über einen Gittermasten auf dem Goldberg sind beide Einheiten per Richtfunkstrecke miteinander verbunden.

35. 000 Euro Monatsmiete

Die Feuerwehr hat „Command“ von der Firma Siemens angemietet und einen Wartungs- und Servicevertrag mit dem Unternehmen abgeschlossen, der sicherstellen soll, dass etwaig auftretende Fehler im System umgehend behoben werden. Dafür zahlt die Stadt Hagen in den nächsten zehn Jahren 35. 000 Euro an Monatsmiete.