Februar-Sonne verwöhnt die Boeler Narren

So schön kann Straßenkarneval sein - heute geht es in die nächste Runde.
So schön kann Straßenkarneval sein - heute geht es in die nächste Runde.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Mehr als 40.000 Menschen feierten am Sonntag an den Boeler Straßen den Auftakt des Straßenkarnevals. Um 14 Uhr beginnt heute in den Innenstadt der Rosenmontagszug.

Boele.. Müßig zu philosophieren, ob der Herrgott es bevorzugt mit den Christen, Muslimen, Juden oder Hindus hält – am Karnevalssonntag war er definitiv ein leidenschaftlicher Boeler. Wolkenloser Himmel, praller Sonnenschein – Narrenherz, was willst du mehr. Das hätten selbst die Hasper Wolkenschieber nicht besser hinbekommen, waren sich die mehr als 40.000 Jecken, meist originell gewandet, einig. Und angesichts der zweistelligen Temperaturen waren die Röcke der ­Damen noch ein bisschen kürzer, die Dekolletés ein wenig tiefer, die Netzmuster der Strumpfhosen luftiger und die Sonnenbrillen der deutlich weniger sexy daher kommenden Männerwelt noch viel cooler.

Kostümierungen mit Pfiff

Dabei hatten Oberloßrock Marcel I. und seine Herzdame Lorena I. bei der Verlesung der närrischen Gesetze noch gedroht: „11,11 Euro Bußgeld muss jeder zahlen, der am Rosensonntag kein Kostüm trägt.“ Die Einnahme dürfte überschaubar geblieben sein. Zumindest für eine schräge Kappe oder eine entstellende Perücke reichte es bei fast jedem: Während der Grüne Ratsherr Hans-Georg Panzer es abseits aller politischen Vernunft-Allianzen mit knatsch­roter Mireille-Mathieu-Haarpracht optisch attackierte, setzte der parteilose OB Erik O. Schulz, sekundiert von seiner kermit-grünen First Lady, mit dem gleichen, schaurig-schönen Modell in Türkis einen etwas uneleganten Kontrapunkt. Lediglich die schwächelnde Stimme des Hagener Prinzen Thorsten I. trübte ein wenig den perfekten Jecken-Tag. Doch die oberste Symbolfigur versprach seinem Narrenvolk: „Bis Rosenmontag ist alles wieder bestens.“

Kaum Steigerungspotenzial ließ derweil der von Originalität, Farbintensität und vor allem herzlicher Fröhlichkeit geprägte Karnevalszug zu. Märchenhafte Motivwagen aus dem Land der Schlümpfe oder der Hotzenplotz-Welt wechselten sich mit prachtvollen Prunkwagen aus Zeiten des Wilden Westens ab. Doch die dicht gedrängten Zuschauerreihen feierten nicht bloß die gewaltig-spektakulären Inszenierungen, sondern zollten auch den Fußgruppen in ihren zum Teil atemberaubenden Kostümen allergrößten Respekt. Allen voran die „Eiskalten aus dem Norden“, eine Loßrock-Damenriege, die als Kristall-Feen verzauberten. Ähnlich begeisternd fesselten die Crazy Clowns, die duften Bienen der Volmestädter, der Würfelwahnsinn der Heidefreunde oder auch die Vorhaller Mauerblümchen das Publikum.

Lokalpolitische Seitenhiebe

Gewohnt pfiffig wieder die lokalpolitischen Seitenhiebe: Eine Hunde-Truppe outete sich als Hagens beste Steuerzahler, Hagener Vogel-Strauß-Politik nach dem Drei-­Affen-Prinzip wurde gebrandmarkt, der Kampf der Galerie-Giganten aufs Korn genommen und das Gezerre ums rosafarbene Haus verhöhnt: „Erika O. Schulz“ ließ nach dem Motto „Mietfrei wohnen – komm nach Hagen!“ die Abriss­bagger um die Immobilie tanzen.

Ein ganz besonderes Schmankerl: Der Elferrat des Gemeindekarnevals St. Elisabeth feierte sein ­50-Jähriges. Mannsbilder in Röckchen und Rüschenhöschen und mittendrin unser stelzender Zwei-Meter-Kämmerer Christoph Gerbersmann. Die köstlich ungeschmeidigen Tanzeinlagen dieser Truppe wurden regelmäßig von Zugabe-Rufen begleitet. Herrlich schräg, Boele pur und beim heutigen Rosenmontagszug leider nicht mehr zu bewundern. Ebenso die Rosa-Haus-Inszenierung der Loßröcke: Beim Festkomitee sah man sich nicht in der Lage, die augenzwinkernde Boeler Gruppe kurzfristig noch in den Zug einzuflechten. Hagen verpasst da leider was . . .