Fazit des Abends: Von einem anderen Stern

Hagen-Mitte..  Am Freitagabend hatte die Johanniskirche ungewöhnlichen Besuch: Die New York Gospel Stars hatten auf ihrer Tour quer durch die Republik in Hagen Station gemacht. Alles war anders: Die lange Wartezeit von einer Stunde vor Konzertbeginn, die Mischung der Fans von Jung und Alt, der pastellfarbig beleuchtete Altarraum. Eine junge irische Sängerin bereitete, sich selbst an Keyboard oder Gitarre begleitend, das große Ereignis vor und heizte die Stimmung auf.

Das Riesenpublikum brüllte begeistert „Ja“ auf die Frage des Musikalischen Leiters Craig Wiggins: „Are you ready for the New York Gospel Stars?“ Wiggins, Matia Washington, Tyrone Flowers, Ahmed Wallace, Alison Hill Mitchell, Angela Wilson, Priscilla Diana Williams, Eugene Reid am Keyboard und Isahah Johnson, Schlagzeug, (diese beiden verantwortlich für den dezenten musikalischen Hintergrund) präsentierten ein Event wie von einem anderen Stern.

Hervorragend ausgebildete Stimmen

Anfangs in schwarzen, silberbesetzten Roben, die an kostbare Mönchskutten erinnerten, gingen sie mit hervorragend ausgebildeten Stimmen und mit swingender Körpersprache in ihren Songs auf. Soli und Chorpassagen wechselten; rhythmisches Klatschen und gen Himmel züngelnde Fingerspitzen, leises Raunen und ekstatische Steigerung der Lautstärke über die Schmerzgrenze hinaus (der Fußboden bebte) versetzte auch die Zuhörer in einen Rauschzustand. Sie klatschten mit, fielen lautstark in die Refrains ein, schwangen im Takt: Ausführende und Publikum bildeten eine Einheit. Die Lichtreflexe im Altarraum setzten die beschwörenden Handbewegungen in Farbe um. Songs wie „Walk in Jerusalem just like John“ und „Joshua fit the battle of Jericho”, im freien Improvisations-Stil mit Melismen ausgeschmückt, führten ein Eigenleben, nur durch die Choreinsätze mit Text- und Melodie-Einwürfen erkennbar. Unter den Solisten brachten vor allem Matia Washington mit ihrer Stimme vom tiefsten Alt bis zum himmelhohen Sopran und Achmed Wallace, Tenor, das Publikum zum Rasen. Man ließ sich auch gerne von Wiggins „verschaukeln.

Ein solistisch vorgetragenes sehr langsames „Oh when the Saints“ machte die Zuhörer ratlos: Musste schon applaudiert werden? Der Leiter: „War zu langweilig?“ Daraufhin nahm der Song „Fahrt auf“, bei jeder Wiederholung rasanter. Auch Weihnachtslieder waren im Programm: „Jingle Bells“ mit stramm militärischem Rhythmus vereinte die Stars und das Publikum zu einem Riesenchor.

„Silent Night“ in Gospel-Star-Version

Der Tenor stimmte eine zarte Melodie an. Rätseln unter den Zuhörern: „Was ist das denn?“ „Silent Night“ entpuppte sich als die leicht verfremdete Gospel-Star-Version von „Stille Nacht, heilige Nacht.“ „Joy to the World“ (Händel) entwickelte sich aus einem stimmungsvollen Choral zu einem plötzlichen aufwärts steigenden Schrei, der glissandoartig in die Tiefe sank und mit noch mehr Lautstärke himmlische Höhen erreichte. Rasender Beifall wurde mit diversen Zugaben belohnt und mit dem Versprechen auf ein Treffen mit den Stars beim CD-Stand.