Fast jeder kennt ein Einbruchsopfer

Breckerfeld..  Als sie nach Hause kamen, war es kalt im Haus. Die Tür zur Gästetoilette stand offen, das große Fenster zur Terrasse auch, obwohl Angelika und Wilfried Marsch doch so sicher waren, dass sie es verschlossen hatten.

Aus einer Vorahnung wurde an diesem Abend vor fünf Jahren schnell Gewissheit: Auch sämtliche Schranktüren im Wohnzimmer waren geöffnet. „Bargeld, Schmuck und ein Laptop haben die Einbrecher mitgenommen“, sagt Angelika Marsch, „aber schlimmer als der Verlust war dieses Gefühl, das mich bis heute begleitet.“

Mobile Wache der Kreispolizei, Marktplatz Breckerfeld. Es geht der Polizei um den Kontakt zu den Bürgern, um Tipps bei Verkehrsunfällen oder Diebstählen, darum, das vielfältige Informationsmaterial an die Menschen zu verteilen. Deshalb macht sich Katharina Emde seit September 2014 immer wieder auf den Weg – zu Plätzen, zu Märkten, zu Festen. Dorthin, wo die Menschen sind. Und obwohl die Palette der Themen so vielfältig ist, gibt es ein Thema, das die Beratung zuletzt dominiert: Einbruch.

Fast jeder kennt einen Betroffenen

Auch und gerade, wenn die Polizei-Oberkommissarin in Breckerfeld mit ihrem Beratungs-Bulli vorfährt: Zu sehr haben Einbrüche die Polizeimeldungen auch in unserer Zeitung dominiert. Wenn er nicht gar selbst betroffen ist, kennt nahezu jeder jemanden, bei dem die ungebetenen Gäste schon im Haus oder in der Wohnung standen.

Privathäuser sind betroffen, Firmen gleich in Serie, Kindergärten, die Schule, das Vereinsheim trotz immer aufwändigerer Sicherungsmaßnahmen gleich dreimal.

Ein trauriger Umstand, der das Thema Einbruch auch zu einem politischen gemacht hat. Die CDU-Fraktion hat es in der jüngsten Ratssitzung auf die Tagesordnung gebracht. Die Verwaltung wiederum hat den Landrat eingeschaltet: „Seit Ende letzten Jahres ist hier zu beob­­achten, dass die Einbruchsdelikte stark zugenommen haben“, schreibt Bürgermeister Klaus Baumann, „das bereitet nicht nur mir Sorge, sondern auch den Mitgliedern der Stadtvertretung Breckerfeld.“

Gründung einer Bürgerwehr?

Den Politikern und nicht zuletzt den Bürgern. Letzteren sogar so sehr, dass einige für die Gründung einer Bürgerwehr plädieren, um den zunehmenden Einbrüchen Einhalt zu gebieten. Ein Unterfangen, das die Polizei naturgemäß äußerst skeptisch betrachtet. Tenor: Verbrechensbekämpfung sei Sache der Polizei. Privatpersonen fehle eine entsprechende Ausbildung. Wenn überhaupt, so sollten Patrouillengänge durch geschulte Wachdienste durchgeführt werden.

Dabei stellt auch die Polizei die zunehmenden Fallzahlen (13 Haus- und Wohnungseinbrüche in den ersten 15 Wochen – 7 im gleichen Zeitraum des Vorjahres) nicht in Abrede. Der Schwerpunkt der Behörde liegt allerdings darauf, den Bürgern zu erklären, wie sie gezielt den Schutz ihrer Wohnungen und Häuser erhöhen können.

Je mehr Zeit Einbrecher darauf verwenden müssen, sich Zugang zu einem Gebäude zu verschaffen, desto unattraktiver werden diese Objekte.

Immerhin: Die Polizei hat auf den Anstieg der Fallzahlen reagiert. „Durch vermehrte Aufklärung zum Einbruchschutz aber auch durch verstärkte Streifen in Breckerfeld“, wie Falko Elbers, Leiter der auch für die Hansestadt zuständigen Wache in Ennepetal erklärt.

Einen Umstand allerdings kann auch der Erste Polizei-Hauptkommissar nicht leugnen: die langen Anfahrtszeiten der Streifenwagen nach Breckerfeld. „Wenn bei einem Notruf gerade ein Fahrzeug in Voerde verfügbar ist, dauert es im günstigsten Fall 10 bis 15 Minuten, bis wir vor Ort sind“, sagt Falko Elbers, „je nachdem, wo und unter welchen Umständen wir gerade eingebunden sind, kann es aber auch länger dauern. Wir sind auch aufgrund der Personaldecke gezwungen, Prioritäten zu setzen.“

Aber nicht nur die unmittelbare Fahndung nach den Tätern bereitet Probleme. Auch eine spätere Aufklärung der Verbrechen ist bei oft international agierenden Banden eher selten.

Auch im Fall von Angelika und Wilfried Marsch war das nicht anders: „Geschnappt hat man die Täter nie. Irgendwann haben wir Post bekommen. In dem Brief stand, dass das Verfahren eingestellt worden ist.“