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Fachgeschäft "Gewürze & Kochen" in Hagen-Mitte schließt nach 30 Jahren

09.10.2012 | 17:40 Uhr
Fachgeschäft "Gewürze & Kochen" in Hagen-Mitte schließt nach 30 Jahren
Christa Buschmann schließt ihre Geschäft „Gewürze & Kochen" in der Kampstraße.

Hagen-Mitte.   Die zahlreichen Stammkunden sind entsetzt: Das Fachgeschäft „Gewürze & Kochen“ schließt Ende Dezember. Nach 30 Jahren. Ein Grund dafür sei, sagt Inhaberin Christa Buschmann, dass die Leute "Porsche fahren, aber nur Trabi bezahlen" wollen.

„30 Jahre . . . nun ist Schluss!“ Christa Buschmann hat es auf den Punkt gebracht. In einem Anschreiben, dass jetzt bei zahlreichen ihrer Stammkunden im Briefkasten landete. „Seit zwei Tagen steht das Telefon kaum still. Und jeder Anrufer sagt beinahe das Gleiche, nämlich ,Das darf doch wohl nicht wahr sein’.“ Ist es aber.

Christa Buschmann, Inhaberin von „Gewürze und Kochen“ in der Kampstraße 19, ist eine Institution unter Hagens Einzelhändlern. Seit drei Jahrzehnten ist die patente Geschäftsfrau in Hagen tätig - stets im gehobenen Fachhandel, stets im Bereich qualitativ hochwertiges für die Küche. Seit zwei Jahren beschäftigt sich Christa Buschmann mit ihrem Aufhören. „Der richtige Zeitpunkt ist Ende Dezember“, ist sie sich ­sicher. Wenn ihr der Entschluss auch mehr als schwer fällt.

„Porsche fahren, aber nur Trabi bezahlen“

Feinkost, Gewürze, funktionale und edle Arbeitsgeräte für die Küche - Christa Buschmanns Welt. Doch das Geschäft sei in der letzten Zeit immer härter geworden. „Porsche fahren, aber nur Trabi bezahlen“, fasst sie die Mentalität vieler Zeitgenossen zusammen. Zahlreiche Kunden würden nun zu ihr in den Laden kommen und traurig sagen „Ach je, alle schönen Läden schließen“. „Doch wen wundert’s, wenn kaum noch jemand in den schönen Fachgeschäften kauft?“, schüttelt Christa Buschmann den Kopf. Doch sie wolle keine Endabrechnung machen, betont die lebensfrohe Frau, „ich war 30 Jahre lang für meine Kunden da, und das immer gerne. Aber jetzt bin ich mal für mich da, werde mich ausruhen.“

Die Gewürzmischung Chimichurri hat sie – zumindest auf lokaler Ebene – bekannt gemacht. Die kleinen Tütchen, gefüllt mit einer Mischung aus u.a. Petersilie, Knoblauch, Oregano und Paprika, sind ihr Steckenpferd. „Wobei es doch noch so viel anderes gibt“, lacht Frau Buschmann. „Herrliche ­Pfeffersorten zum Beispiel. Und ­raffinierte orientalisch-arabische Mischungen.“

Beständigkeit und Treue

Die meisten Mischungen bekommt sie von einem Importeur geliefert, mit dem sie seit 30 Jahren zusammenarbeitet. Und auch ihre Mitarbeiterinnen stehen ihr im Laden seit langem zur Seite. Beständigkeit und Treue schreibt Christa Buschmann groß. So gehört Gitta Vogelgesang seit 24 Jahren zum Team, Ilona Kampmann seit zehn, Brigitta Warga seit neun Jahren.

„Ich bin ein guter Analytiker. Die neue Rathaus-Galerie, die im September 2014 eröffnet, wird vielen Einzelhändlern in der Innenstadt weh tun“, blickt die Geschäftsfrau desillusioniert in die Zukunft. „Kleine, inhabergeführte Fachgeschäfte werden gegen eine zweite Passage keine Chance haben.“

„Nicht salzen - würzen!“

1983 eröffnete Buschmann die „Eilper Gewürzstube“, von 1986 bis ‘98 war sie in der Markthalle zu finden („Eine anstrengende, aber spannende Zeit“), ab ‘99 in der Kamp­straße. Einen Nachfolger für „Gewürze und Kochen“ zu finden, wäre schön („Ich würde ihn auch intensiv einarbeiten“), doch wenn sich niemand findet . . . – „für mich ist Schluss“, betont die Geschäftsfrau resolut. Doch ein paar Tipps für ihre Kunden, die bestimmt das Angebot an handgemachter Pasta, an feinen Essigen und Ölen und an hochwertigen Töpfen, Sieben und Messern vermissen werden, hat sie dennoch: „Niemand braucht schwere Sahnesoßen. Glutamat gibt’s bei mir nicht. Leichte, gesunde Küche ist ganz einfach. Meine Botschaft: ,Nicht salzen - würzen!’“

Yvonne Hinz


Kommentare
12.10.2012
22:11
Fachgeschäft
von Vermentina | #4

Ich finde es sehr schade, daß Frau Buschmann ihren schönen Laden schließt, in dem ich auch schon eingekauft habe. Die Stadtentwicklung in Hagen hat m.E. nicht soviel damit zu tun.
Eher die Zeiten der Tütensuppenköche und Dosenaufwärm-Gourmets, sediert vom Werbefernsehen. Und das online-Bestellen per net.

10.10.2012
23:29
Gerade die medienunerfahrenen . . .
von KPDHagen2 | #3

. . . Interviewpartner sind oftmals erfrischend ehrlich - ihre Aussagen manchmal richtungweisend! Medienprofis schwafeln und sagen mit vielen Worten nichts. Und unfundiertes Stammtischzeug sehe ich hier überhaupt nicht. Aber vielleicht sieht Heinz-Friedhelm das anders, weil er irgendwie eingebunden ist . . .

1 Antwort
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Name von Moderation entfernt | #3-1

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10.10.2012
22:27
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Name von Moderation entfernt | #2

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Name von Moderation entfernt | #2-1

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09.10.2012
20:50
Hagen hat kein Konzept . . .
von KPDHagen2 | #1

. . . für die Stadtentwicklung! Die "Spitzen unserer Stadt" warten immer auf irgendwelche Investoren. So wird die zweite Galerie gebaut - und vieles andere geht kaputt! Gewachsene Strukturen gehen einfach den Bach runter. Ich erinnere an das sogenannte "Remberg-Center" - Gelände der Bettermann-Brauerei. Diverse Investoren" kamen und gingen, Straßen wurden verlegt für Millionen - natürlich auf unsere Kosten. Am Schluß wollte dann noch eine Hagener Investorengruppe den großen Reibach machen: Wir bauen und die Stadt mietet für X Jahre X Etagen fest an. So hätten wieder wir das Ganze finanziert. Dann wurde jemand wach - und das Gelände ist bis heute ein Parkplatz - der teuerste Parkplatz der Stadt! Es muß endlich ein Gesamtkonzept her - und dann müssen die passenden(!) Investoren gesucht werden! Eigentlich Lektion 1 für alle Stadtplaner! Aber sowas findet man wahrscheinlich gar nicht in unserer mehrtausendköpfigen Verwaltung!

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