Es war ihr einziges Kind

Hohenlimburger Heimatblätter..  Verbunden mit Hohenlimburg durch die Stolpersteinverlegung am 29. August 2014 in der Wesselbachstraße Nummer 4 bin ich aufmerksam auf das, was in Hohenlimburg passiert. Durch die Berichterstattung und den Leserbrief von Stefan Welzel in der Westfalenpost bin ich auf den Artikel „Der Soldat und Brigade-Führer Waffen-SS Fritz Witt aus Hohenlimburg“ aufmerksam geworden. Ich möchte aus einer ganz konkreten Betroffenheit heraus auf diesen Artikel reagieren.


Ich bin 1971 in das kleine Dorf Hardenberg bei Meinerzhagen gezogen. Dort lernte ich das alte Ehepaar Schulte kennen. Es lebte von einer kleinen Landwirtschaft. Gustav Schulte war das einzige Mitglieder der SPD und lange Jahre in der Gemeindevertretung in Valbert tätig. Als ich zum ersten Mal auf seinem Geburtstag war, sah ich eine alte schwarz gekleidete Frau unbeteiligt in einer Ecke sitzen. Sie sprach kein Wort und schaute nur unbeteiligt vor sich hin. Es war die Frau von Gustav Schulte. Den Grund für ihr Verhalten entdeckte ich dann auf dem Friedhof in Hardenberg. Auf einer kleinen Gedenktafel stand, dass der Panzergrenadier Werner Schulte am 27.1.1926 geboren und am 8.7.44 in der Normandie gefallen war. Er hatte sich als 17-jähriger gegen den Willen seiner Eltern von der NS-Propaganda verführt als Freiwilliger für die Front gemeldet. Er war ihr einziges Kind.


Der Artikel in den „Hohenlimburger Heimatblättern“ zeigt mir nun den Hintergrund dieser Tragödie und auch einen der Hauptschuldigen dafür: der in den Heimatblättern als großartig dargestellten Brigade-Führer Waffen-SS Fritz Witt. Werner Schulte starb mit Tausenden andern 18-jährigen Jugendlichen sinnlos in einem Krieg, der absehbar nicht mehr zu gewinnen war. Fritz Witt war es, der auf Befehl des „Führers“ diese Hitlerjugend-Division gebildet und ausgebildet hatte und für sie verantwortlich war. Aus Hardenberg, kamen noch zwei weitere 18-jährige im Kampfeinsatz in der Normandie um. Fritz Witt lächelt uns dazu als ein sympathischer Mann auf dem Titelblatt der „Hohenlimburger Heimatblätter“ an.
Herbert Langenohl, Meinerzhagen