Erstes Fazit in Hagen nach Kennzeichnungspflicht für Speisen

Matthias Hummer, Betreiber des Restaurants  „Zum Würzburger", hat sich mit uns über das Thema „Kennzeichnungspflicht für Gaststätten und Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung" für Zusatzstoffe in Lebensmitteln unterhalten.
Matthias Hummer, Betreiber des Restaurants „Zum Würzburger", hat sich mit uns über das Thema „Kennzeichnungspflicht für Gaststätten und Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung" für Zusatzstoffe in Lebensmitteln unterhalten.
Foto: Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Einen Monat ist sie alt– die Kennzeichnungspflicht für Zutaten und Stoffe, die häufig Allergien auslösen. Nun ziehen Hagener Gastronomen ein Fazit.

Hagen.. Genau einen Monat ist sie alt– die Kennzeichnungspflicht für jene 14 Zutaten und Stoffe, die häufig bei Menschen Allergien auslösen. Die Pflicht-Liste ist die Folge einer EU-Verordnung und muss seit Mitte Dezember 2014 in sämtlichen europäischen Restaurants, Imbissbetrieben und Kantinen vorliegen. Demzufolge müssen auch Hagens Gastro-Betriebe besagte Zusatz­stoffe wie Mehl, Eier, Milch und Schalenfrüchte in ihren Gerichten speziell ausflaggen.

Das Fazit nach vier Wochen? Die meisten Wirte haben eine Allergiker-Karte erstellt, die ein Einlegeblatt mit jenen Gerichten, in denen die Hauptallergene vorkommen, enthält. Oder einen entsprechenden Ordner eingerichtet. „Komplett neue Speisekarten anzufertigen, wäre ein Irrsinn“, urteilt Thomas Bielefeld (Museumsgastronomie Novy’s). „Wir haben im Laden eine Tafel angebracht – ähnlich wie jene mit Infos zum Jugendschutzgesetz – die darüber Auskunft gibt, dass wir eine Spezialkarte, die wir auf Wunsch ausgeben, parat halten. Und wir haben unsere Mitarbeiter zum Thema Allergien geschult.“

Karte soll übersichtlich bleiben

Aufwändiger sei nun aber beispielsweise der Einkauf von frischer Curry-Pasta im Asia-Laden, „auch da müssen wir jetzt genau darauf achten, dass alles im Rahmen der EU-Richtlinien ausgewiesen ist“.

Gegen einen Ziffern-Wahnsinn auf der Speisekarte spricht sich auch Matthias Hummer, Betreiber des Restaurants „Zum Würzburger“ und Vorsitzender des Hagener Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) aus: „Die Karte würde zu unübersichtlich, der Gast verunsichert. Schließlich werden Ziffern samt Fußnoten meist mit künstlichen Zusatzstoffen assoziiert. Das ist aber bei diesen 14 Zutaten nicht der Fall. Milch, Eier und Fisch sind natürliche Produkte, obgleich sie bei Allergikern Reaktionen auslösen können.“

Fünf von 100 Gästen sind Allergiker

Nach vier Wochen spürt Hummer, der genau wie Kollege Bielefeld in seinem Restaurant eine druckfrische Allergikerkarte auf Wunsch an den Gast ausgibt, dass die EU-Verordnung mehr Schreibtischarbeit bringt, „allerdings ist es gut, dass sich jeder Betreiber nun intensiv mit seinem Betrieb und seiner Karte auseinandersetzen muss“. Der Dehoga-Vorsitzende räumt ein, jetzt auf „versteckte Stoffe“ mehr achten zu müssen, „was man nicht sieht, ist oftmals das Gefährliche. Nun sind wir gefordert, das Kleingedruckte noch aufmerksamer zu lesen“.

Andererseits wüssten die meisten Allergiker heutzutage, auf welche Stoffe sie reagieren und würden dies vor der Bestellung dem Service-Personal mitteilen. „Im Schnitt befinden sich heute unter 100 Gästen vier Vegetarier und fünf Allergiker“, erläutert Hummer.

Auch in „Luthers Waschsalon“, wo montags und donnerstags ein Frühstück für Bedürftige gereicht wird, gab es für die Mitarbeiter eine Schulung und es wurde für Allergiker ein Ordner erstellt. Bei „offenen Spenden“ (z.B. Reste vom Buffet oder selbst gemachte Marmelade) müsste nun nachgeforscht werden, bei Einmal-Veranstaltungen wie Waffelbacken oder Grillabende müssten die Inhaltsstoffe auch künftig zum Glück nicht speziell gekennzeichnet werden, erklärt Leiterin Ilona Ladwig-Henning.