Erlösung vom Schatten der Nazis

Franz-Josef Ostrup lebt wieder in seinem Elternhaus.
Franz-Josef Ostrup lebt wieder in seinem Elternhaus.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Ein seltenes Jubiläum: Vor 65 Jahren wurde der Hasper Franz-Josef Ostrup, ehemals Dechant in Hagen, in Paderborn zum Priester geweiht.

Hagen.. Ja, natürlich könne er sich noch an den Tag seiner Priesterweihe im Hohen Dom zu Paderborn erinnern, sagt Franz-Josef Ostrup. Trotz seines hohen Alters von 92 Jahren zeigt der ehemalige Hagener Dechant keine Symptome von Vergesslichkeit und erfreut sich überhaupt bester Gesundheit, der liebe Gott meint es offensichtlich gut mit ihm. Die Priesterweihe also, wie war das vor 65 Jahren? „Diesen Tag habe ich als Erlösung vom Schatten der Nazis wahrgenommen“, sagt Ostrup.

Das war 1950. Da waren die Nazis zwar schon seit fünf Jahren nicht mehr an der Macht, doch in den Köpfen der Menschen wirkte die zwölf Jahre währende Diktatur nach. Franz-Josef Ostrup hatte sich in einem vom Regime verbotenen, kirchlichen Jugendclub engagiert („Wir haben uns heimlich getroffen“), war zur Wehrmacht eingezogen worden und hatte sich wie viele seiner Zeitgenossen innerlich zerrissen gefühlt: „Das war schrecklich. Wenn man nicht hingerichtet werden wollte, musste man kämpfen, obwohl man sich die ganze Zeit über wünschte, die Nazi-Herrschaft würde endlich beseitigt.“ 1945 war es so weit, Ostrup durfte endlich Theologie studieren und als Priester an den moralischen Wiederaufbau gehen: „Ich gehörte zu den vielen jungen Leuten, die das Ende des Krieges als Aufbruch ins Geistige empfanden und die Kirche und darüber hinaus die Gesellschaft erneuern wollten.“

Wie Papst Benedikt XVI. für neue Strukturen

Der gebürtige Hasper war schon Geistlicher, als die Priester den Gläubigen während der lateinisch gelesenen Messe noch den Rücken zukehrten. Er gehört, wie Papst Benedikt XVI., jener Generation an, die für ein Aufbrechen verkrusteter Strukturen kämpfte und ihre Vorstellungen auf dem 1965 beendeten Zweiten Vatikanischen Konzil schließlich durchsetzen konnte.

Als Priester an der Basis zählte Ostrup zu jenen Dienern der Kirche, die in der Wirklichkeit vorlebten, was in Rom beschlossen worden war: „So wurde lebendig, was ich in Gedanken herbeigesehnt hatte.“

Dialog mit der evangelischen Kirche

Dazu gehörte vor allem der verstärkte Dialog mit der evangelischen Kirche, den Ostrup, nachdem er 1966 Pfarrer an der Marienkirche und zwei Jahre später Dechant in Hagen wurde, entscheidend vorantrieb: „Wenn ich etwas Neues auf den Weg gebracht habe, dann stets gemeinsam mit dem evangelischen Pfarrer Asselmeyer“, betont Ostrup und führt beispielhaft die Telefonseelsorge und die Erziehungsberatung ins Feld.

1995 trat er in den Ruhestand und lebt seitdem wieder in seinem Hasper Elternhaus. In der benachbarten Brennerei hat sein Vater einst Schnaps destilliert, den nach einem alten Flurnamen titulierten Romacher. Bis des Dechanten Geschwister das Brennrecht in den 80-er Jahren verkauften, konnte das geistige Getränk als Doppelkorn, Klarer oder Likör genossen werden. Bei Franz-Josef Ostrup steht noch eine Flasche in der Vitrine – für den Fall, dass gute Freunde vorbeischauen. . .

Ansonsten hat es Ostrup in seinen 65 Jahren als Priester mit dem Kirchenlehrer Augustinus (354 bis 430) gehalten: „Ich lebe aus Gott für die Menschen“, hat der geschrieben. Natürlich habe Gott die entscheidende Rolle in seinem Leben gespielt, berichtet Ostrup. Aber auf diesem Leitsatz habe er sich nie ausruhen können. Jeden Tag habe er Gott suchen müssen. Und nie von sich sagen können, dass er ihn habe.