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Enervie schreibt Windkraftanlagen im Hunsrück ab

05.01.2016 | 05:35 Uhr
Enervie schreibt Windkraftanlagen im Hunsrück ab
Blick auf die neue Enervie-Hauptverwaltung in Hagen in direkter Nähe zur A45-Anschlussstelle Hagen-Süd. Links am Bildrand: die Sauerlandlinie.Foto: Hans Blossey

Hagen/Lüdenscheid.   Die beiden Windkraftanlagen Rayerschied und Klosterkumbd haben ihre Erwartungen offenbar nie erfüllt. Der regionale Energieversorger aus Hagen schreibt die Projekte daher ab.

Der regionale Energieversorger Enervie möchte sein Katastrophenjahr 2015 möglichst schnell abhaken, die schlechten Nachrichten reißen aber auch im neuen Jahr noch nicht ab: Das Unternehmen will oder besser muss nach Informationen der WESTFALENPOST zwei seiner Windparks verkaufen – allerdings nicht gewinnbringend, sondern wohl mit Verlusten.

Rückblick 2015
Wirtschaftsjahr 2015: Enervie-Krise und Honsel-Hoffnungen

Wie lief 2015 für südwestfälische Betriebe? Es gab gute und schlechte Zeiten. Enervie, Coca-Cola und Kettler stecken in Krise. Honsel hat Hoffnung.

Bis zum Jahr 2020 wollte Enervie 240 Megawatt Energie aus Windkraft erzeugen. „Mit dem Erwerb des Windparks Rayerschied hat die Unternehmensgruppe einen weiteren Meilenstein auf dem Weg dorthin erreicht“, vermeldete Enervie im Februar 2012, also vor knapp vier Jahren, erst den Kauf des „schlüsselfertig errichteten Windparks“ im Hunsrück (Rheinland-Pfalz). Die Investitionssumme: ein zweistelliger Millionenbetrag. Der Umfang: fünf Windkraftanlagen mit einer Höhe von 128 Metern. Die Gesamtleistung: 16,85 Megawatt. Die damit verbundenen Erwartungen soll der Windpark nie erfüllt haben.

Im März Aufarbeitung des Wegs,der in die Krise führte

Rayerschied war dabei das zweite Windparkprojekt, das Enervie mit einem Wiesbadener Projektentwickler in Rheinland-Pfalz verwirklichte. Ebenfalls am Hunsrück, links des Mittelrheins, liegt der Windpark Klosterkumbd, der seinerzeit „größte Windpark“ von Enervie mit sechs Anlagen und zusammen 20,22 Megawatt Leistung.

Beide Windparks will das Unternehmen loswerden. Im Aufsichtsrat soll der Verkauf bereits beschlossene Sache sein; Enervie will nicht einmal einen Anteil an den beiden Parks behalten. Die Begründung: Die Ertragslage sei völlig anders als bei der Prognose; beide Investitionen haben demnach nie ihre betriebswirtschaftlichen Erwartungen erfüllt. Der Verkauf soll bereits mit „deutlichem Verlust“ im Finanzplan vorgesehen sein; dementsprechend auch die Abschreibungen.

Enervie
Lüdenscheid setzt auf Enervie-Spitze
Lüdenscheid setzt auf Enervie-Spitze
  • Rückendeckung für den Enervie-Kurs aus Lüdenscheid
  • Der Verwaltungsrat der dortigen Stadtwerke trägt die Restrukturierung mit
  • Vertrauensbekundung für den aktuellen Vorstand

Nach dem Enervie-Aufsichtsrat (neun Ja-, sieben Nein-Stimmen, drei Enthaltungen) hat jetzt auch der Verwaltungsrat der Stadtwerke Lüdenscheid sich für den Abschluss eines so genannten Restrukturierungsrahmenvertrages gestimmt. Lediglich die Arbeitnehmervertreter enthielten sich der Stimme. Dieses von den Unternehmensberatern aus dem Hause Roland Berger eingefädelte Papier soll in enger Abstimmung mit den Banken in den nächsten fünf Jahren die Neuausrichtung des wirtschaftlich strauchelnden Energieversorgers regeln.

Vertrauensbekenntnis

Gleichzeitig sprach das Gremium dem Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfgang Struwe, gemeinsam mit Erik Höhne zugleich amtierender Enervie-Vorstand, das Vertrauen aus. Hier hatten zuletzt die Arbeitnehmervertreter deutlich gemacht, dass sie mit der bestehenden Enervie-Unternehmensführung künftig keine gedeihliche Zusammenarbeit mehr vorstellen könnten und sich für eine extern zu besetzende, neue Solo-Spitze ausgesprochen.

Widerspruch zu Bontrup

Der Lüdenscheider Stadtwerke-Verwaltungsratsvorsitzende Harald Metzger plädierte im Gegensatz zum Enervie-Gesamtbetriebsrat und dessen Berater Prof. Heinz-Josef Bontrup dafür, die bestehende Doppelspitze auf der Enervie-Vorstandsetage zu erhalten. Gleichzeitig erinnerte Metzger daran, dass der Enervie-Betriebsrat in der Vergangenheit sämtliche unternehmerische Entscheidungen mitgetragen und den Kurs von Ex-Vorstand Ivo Grünhagen positiv begleitet habe.

„Rayerschied“ und „Klosterkumbd“ stehen in der Bewertung wohl für unternehmerische Fehlentscheidungen – und dürften damit in einer Aufsichtsratssitzung im März 2016 noch einmal Thema werden: Bei dem Treffen soll eine schonungslose Analyse im Mittelpunkt stehen. Die Frage: Wie konnte Enervie derart in wirtschaftliche Bedrängnis und die damit verbundene finanzielle Schieflage kommen? Eine Aufarbeitung der letzten, wenig glücklichen Geschäftsjahre also.

Es gibt aber auch den Blick nach vorne. Mit dem auf zwei Personen verkleinerten Vorstand – nach dem Ausscheiden von Interims-Vorstandssprecher Christoph Köther am Jahresende verbleiben Erik Höhne (Technik, Finanzen und künftig Vorstandssprecher) und Wolfgang Struwe (Vertrieb, Personal, Recht) an der Unternehmensspitze – soll Enervie wieder auf Kurs gebracht werden. Trotz des Verkaufs der beiden Windparks auf den Hunsrücker Höhen soll die Windenergie dabei „ein Ausbaupfad“ bleiben; neue Projekte sollen gemeinsam mit Stadtwerken aus der Region als Kooperationsmodelle verwirklicht werden.

Banken beruhigt und damitSpielräume gewonnen

Als nächstes ganz konkretes Projekt steht offenbar die Übernahme des Gasnetzes der Gemeinde Herscheid (Märkischer Kreis) an; bislang gehört das Netz dort dem – ebenfalls angeschlagenen – Essener Energieriesen RWE.

Für alle Projekte, die Enervie zur Restrukturierung angehen will, gilt allerdings: Das Unternehmen muss sie weitgehend ohne Eigenkapital verwirklichen. Die Banken hat Enervie beruhigen können; jetzt muss das Unternehmen den gewonnen Spielraum nutzen.

Carsten Menzel

Kommentare
05.01.2016
22:02
Nicht länger mein Geld für kommunale Misswirtschaft!
von Bushaltestelle | #4

Der Anbieterwechsel für Gas und Strom steht fest und wird in den nächsten Tagen umgesetzt. Ich finanziere doch nicht länger dieses unwirtschaftliche,...
Weiterlesen

1 Antwort
Enervie schreibt Windkraftanlagen im Hunsrück ab
von perfectstranger | #4-1

Bei allem Ärger gebe ich zu bedenken, dass die Stadtwerke regionaler Arbeitgeber sind (Tausende Menschen in der Region leben von dem Arbeitgeber) und regionaler Auftraggeber der Industrie und des Handwerks - auch hier leben Tausende Menschen von der Enervie!

Bedenken Sie also, dass "der kleine Mann" die Zeche zahlt, wenn Sie und viele weitere Kunden "Ihrem" Stadtwerk den Rücken zuwenden. Die Verantwortlichen wird ihre Entscheidung kaum interessieren!


Achja....NEIN...ich arbeite nicht für die Enervie und wohne auch nicht in Hagen!

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2016-01-05 05:35
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