Enervie-Krise macht aus Rekordzahlen ein Millionen-Minus

Hagen..  Fast alle Fakten und Zahlen, die Christoph Köther, Geschäftsführer der Hagener Verkehrs- und Versorgungsgesellschaft (HVG) vorlegte, konnten sich sehen lassen. „Die zentrale Botschaft ist: Das operative Ergebnis ist das beste der Unternehmensgeschichte.“

Das Defizit der Stadttochter liegt eigentlich nur noch bei 8,5 Millionen Euro – und damit noch einmal um 100 000 Euro niedriger als im Vorjahr. Die Busflotte der Hagener Straßenbahn zählt zu den modernsten, das Westfalenbad scheint angesichts hoher Besucherzahlen eine einzige Erfolgsgeschichte zu werden. Die Restrukturierung im Konzern wirkt nachhaltig.

Spagat für Geschäftsführer Köther

Und trotzdem steht unter dem Strich faktisch ein Ergebnis von Minus 39,5 Millionen nach Steuern. Und dieses schlechte Resultat hat eine einzige Ursache, die die HVG nicht zu Verantworten hat: die Krise der Enervie.

Deren Interims-Vorstandssprecher heißt nach dem Abgang von Ivo Grünhagen ebenfalls Christoph Köther. Und das macht für den Mann, der bei der Bilanz-Pressekonferenz die HVG-Brille aufsetzte, den ein oder anderen Spagat erforderlich.

Tatsache ist: Die HVG hält für die Stadt Hagen die Enervie-Anteile. In den Jahren, in denen die Geschäfte beim Energieversorger liefen, reichte die Dividende wie nach dem Verkauf der Stadtwerke vorgesehen, um das Bus- und Bäderdefizit zumindest in Teilen zu kompensieren.

Jetzt aber geht es für die Enervie um die Existenz. Ein Altschuldenberg von 600 Millionen Euro belastet die Aktiengesellschaft und an eine Dividende ist nicht zu denken. 7,3 Millionen Euro liquide Mittel fehlen der HVG damit. Und weil auch die Enervie-Anteile neu bewertet wurden, schlägt zumindest in der Bilanz noch einmal ein Minus von 23,7 Millionen Euro auf.

Substanz wird noch nicht angetastet

Zumindest in 2014 ist es der HVG gelungen, das Defizit zu kompensieren, ohne dass es an die Substanz des Unternehmens geht. Schon 2015 und in den Folgejahren ist das nicht mehr möglich. „Auch 2016“, so Köther, „ist eine Dividende illusorisch.“ Dann droht der Verkauf von Fondsanteilen, die im Schnitt der letzten Jahre 4,5 Prozent Rendite gebracht haben. „Das kann ich als Geschäftsführer nicht mal ansatzweise befürworten“, so Köther.

Die Anteile müssten auch versilbert werden, wenn die HVG gar Enervie mit einem kurzfristigen Millionenkredit Liquidität verschaffen muss. Das zumindest ist eine der Ideen, die die Stadt als Gesellschafter der Enervie ins Spiel gebracht hat. „Für mich ist das nur denkbar, wenn der HVG daraus keine Nachteile entstehen“, so Köther, „das Darlehen muss zu 100 Prozent abgesichert sein. Und die Erträge, die es bringt, dürfen nicht unterhalb der Fondsrendite liegen.“

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