Enervie kauft Nuon
19.03.2010 | 17:14 Uhr 2010-03-19T17:14:00+0100
Hagen/Berlin. Die Bundeshauptstadt war in den vergangenen Monaten oft das Ziel von Hagener Enervie-Mitarbeitern. Unter dem Arbeitstitel „Tiergarten” wurde dort intensiv verhandelt.
„Wir hatten dabei das Synonym Tulpe”, verriet jetzt Vorstandschef Ivo Grünhagen und hofft nun auf blühende Geschäfte in deutschen Metropolen.
Denn der Verhandlungsmarathon, so teilte der Chef der Südwestfalen Energie und Wasser AG auch seinen Mitarbeitern am Donnerstag in einer Betriebsversammlung mit, habe sich gelohnt. Abschließend wurde jetzt der Kaufvertrag unterzeichnet, mit dem das Hagener Versorgungsunternehmen auf einen Schlag 300 000 Strom- und Gaskunden hinzugewinnt. Enervie erwarb für einen Kaufpreis, über den wohl aus gutem Grund Stillschweigen vereinbart wurde, die ehemalige Vattenfall-Tochter Nuon. „Wir sprechen hier von einem Glücksfall für unser Unternehmen”, formulierte Grünhagen. Denn zum einen musste Vattenfall aus Wettbewerbsgründen Nuon Deutschland abstoßen, um die holländische Nuon Energy erwerben zu können. Zum anderen sollten nicht nur die Kunden, sondern das gesamte Unternehmen verkauft werden. „Zu diesem Zeitpunkt gab es aber nicht mehr sehr viele Energieversorger in Deutschland, die entweder aus Wettbewerbsgründen oder aber auch aus innerbetrieblichen Gründen auf der Bieterliste standen.
Nuon ist sehr gut aufgestellt
Zu uns und unserem Unternehmen passt Nuon aber ganz hervorragend, weil es gut aufgestellt ist und es sich nicht um einen Discounter, sondern einen seriösen und im Markt etablierten Dienstleister handelt”, so Grünhagen. Denn für Enervie, das die Kunden in der Region seit Jahren unter den Vertriebsmarken Mark-E oder Stadtwerke Lüdenscheid kennen, sei ein möglichst risikoarmes Wachstum oberste Prämisse gewesen. Ein Zukauf um jeden Preis war daher ausgeschlossen. „Der Markt ist in Bewegung. Es gibt immer mehr Kunden, die ihren Anbieter wechseln. In unserem Bereich liegen wir mit einer Wechselbereitschaft von sechs Prozent noch im unteren Bereich. Wir haben treue Kunden, weil wir Kompetenz und Service bieten.” Dennoch, so Grünhagen, müsse man sich für die Zukunft richtig aufstellen, um ein Schrumpfen und einen damit verbundenen Verlust von Arbeitsplätzen innerhalb der Gesellschaft zu vermeiden. „Wir setzen daher mit dem Zukauf und den sich daraus ergebenen Effekten auf ein sicheres Wachstum.”
Mit insgesamt rund 600 000 Haushaltskunden entstehe ein starker Energieverbund, der den Wettbewerb weiter beleben soll. Mit seinen schlanken Strukturen und innovativen Produkten passe Nuon hervorragend zu den bereits etablierten Vertriebsmarken.
Wettbewerb auch beim Trinkwasser
In den kommenden Wochen werde die zukünftige Strategie festgesetzt. Fest stehe aber bereits jetzt, dass Nuon mit so griffigen Verkaufs-Slogans wie „lekker Strom” oder „wakker Gas” mit seinen 240 Mitarbeitern als eigenständiges Unternehmen weitergeführt wird. Enervie selbst hat zurzeit 1550 Mitarbeiter.
„Wir haben aus den eigenen Reihen bisher eine positive Resonanz erhalten. Auch das zeigt uns, das wir mit unserer Geschäftsstrategie auf dem richtigen Weg sind,” so der Vorstandschef. Grünhagen rechnet auch damit, dass in Zukunft nicht nur Gas- und Stromanbieter um Kunden werben, sondern auch die Wasserversorger.
0mitdiskutieren