Eine starke Stimme nicht nur im Gebet

Hagen..  Roman Kanarek ist tot. Der langjährige Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Hagen verstarb im Alter von 94 Jahren. Kanarek wurde am 18. August 1920 im polnischen Tarnow in eine Familie hineingeboren, die untereinander enge, lebenslange Bindungen entwickelte. Seine Mutter wurde in Auschwitz ermordet, sein Vater wie seine Geschwister überlebten unter schwierigsten Umständen. Doch der Vater konnte den Tod seiner Frau nicht verwinden und starb im Jahr nach der Nazi-Befreiung.

Kanarek machte zunächst als Kaufmann Karriere. 1969 wanderte er nach Deutschland ein und nahm in Hagen von Anfang an aktiv am Gemeindeleben teil. Lange Jahre übernahm er Verantwortung als Repräsentant der jüdischen Gemeinde und leitete sie. Den vielen aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion zugewanderten Menschen bot er an „Romans Tisch“ die Möglichkeit, jüdische Wurzeln wieder zu entdecken. Die Hagener Juden erinnern sich mit Wehmut an seine ausdrucksstarke Stimme, mit der er vorbetete. Sein Engagement über Religionsgrenzen hinweg wurde mit dem großen Bundesverdienstkreuz belohnt.