Eine Minute lang ist Hagen ganz still
21.02.2012 | 17:30 Uhr 2012-02-21T17:30:00+0100
Hagen.Den neun Opfern der Neonazi-Mordserie soll morgen bundesweit um 12 Uhr mit einer Schweigeminute gedacht werden. Auch Oberbürgermeister Jörg Dehm hat für seine Stadt alle Bürger dazu aufgerufen. Ob in der Schule, im Büro oder an der Werkbank – je nach Gegebenheit haben sich Firmen und Institutionen bereits vorbereitet.
„Selbstverständlich beteiligt sich unsere Schule an der Schweigeminute. Leider haben wir keine Möglichkeit, das mit einer Durchsage anzukündigen. Aber es geht auch anders“, hat sich Johannes Krüsemann, Schulleiter des Ricarda-Huch-Gymnasiums bereits mit der Thematik vertraut gemacht. So ist jeder Lehrer heute in der fünften Stunde aufgefordert, den regulären Unterricht für einige Minuten zu unterbrechen, um mit den Schülern vor 12 Uhr über das Thema zu sprechen.
Aktion an Schulen von besonderer Bedeutung
„Die Schüler sehen ja auch an der Schule die Trauerbeflaggung und wollen natürlich wissen, was es damit auf sich hat. Altersgemäß wird das Thema angesprochen. Und ich glaube auch, dass die Jüngeren verstehen, warum wir die Schweigeminute abhalten. Es handelt sich ja um rechte Gewalt und um Mord.“ Der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund an seiner Schule sei hoch, so Krüsemann. Daher sei solch eine Aktion von besonderer Bedeutung. Schwieriger gestaltet sich die Umsetzung an den Grundschulen. „Unsere Schüler kennen diese Thematik überhaupt nicht. Dies zu erklären, ist nicht leistbar“, sagt Karl-Heinz Langer, Schulleiter der Gemeinschaftsgrundschule Geweke. „Wir haben das mal beim Tsunami gemacht. Den haben die Schüler alle mitbekommen.“
Geschwiegen wird am Donnerstag um 12 Uhr auch auf der Bühne des Theaters. Zwar findet dort um diese Zeit noch keine Vorstellung statt, aber es wird geprobt: „Bei uns herrscht am Mittag nicht nur in den Büros der Verwaltung schon Betriebsamkeit. Daher wurden alle Kollegen per Rundmail informiert und ich gehe davon aus, dass es morgen um 12 Uhr im Haus ganz still ist“, so Theatersprecherin Monika Martincevic.
Per Rundmail hat Oberbürgermeister Jörg Dehm übrigens jeden Mitarbeiter aufgefordert, während der Schweigeminute inne zu halten. „Das gilt natürlich auch für die Ämter mit Publikumsverkehr. Jeder Mitarbeiter ist dann um 12 Uhr berechtigt, eine Minute lang die Arbeit zu unterbrechen. Wer einen Kunden hat, sollte ihn dann auch zum Mitmachen auffordern. Natürlich ist das aber für jeden freiwillig“, erläuterte Stadtpressesprecher Raab.
Industrie und Handel unterstützen Aufruf
Kunden der Sparkasse werden sich ebenfalls um 12 Uhr auf Mitarbeiter einstellen müssen, die dann für einen Moment kein Geld auszahlen. „Wir nahmen nicht explizit darauf hingewiesen, aber natürlich ist es aus diesem Anlass jedem Mitarbeiter freigestellt, sich zu beteiligen. Das gilt für diejenigen, die allein im Büro sitzen aber auch für die Mitarbeiter im Kundenbereich“, so Sparkassensprecher Thorsten Irmer.
Einen Augenblick ruhen wird die Arbeit auch in den Industriebetrieben wie etwa den Deutschen Edelstahlwerken in Wehringhausen. „Bei uns gehört Migration zum Arbeitsalltag – und zwar von der Ausbildung bis zur Rente“, begründet Betriebsratsvorsitzender Jens Mütze die Teilnahme. Auch die Douglas-Gruppe unterstützt diesen Aufruf grundsätzlich und stellt allen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern frei, sich an dieser Schweigeminute zu beteiligen und so den Opfern rechtsextremer Gewalt zu gedenken. Unterstützung findet die Aktion auch bei Mark E. Uwe Reuter: „Jeder kann sich beteiligen. Es sollte aber der Arbeitssituation angepasst sein.“
Die bundesweite Mordserie an Kleinunternehmern mit Migrationshintergrund wurde in den Jahren 2000 bis 2006 in verschiedenen Großstädten Deutschlands verübt, darunter auch in Dortmund. Seit November des vergangenen Jahres stehen die der Neonazi-Szene zuzuordnenden mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, die am 4. November Selbstmord begingen, und die ebenfalls des Terrorismus beschuldigte Beate Zschäpe, die sich Ende des vergangenen Jahres der Polizei stellte, unter Mordverdacht.
15:20
Das ganze geht einem schön auf den Sack. Jetzt wird gesülzt und der Verfassungsschutz , nicht ganz unbeteiligt , hält sich geschlossen. Zu Menschenrechtsverletzungen in der Türkei schweigt des Sängers Höflichkeit , oder ?
13:37
#2 Auch wenn der Staatsschutz immer behauptet, dass die "rechte Szene" in Hagen kein Problem sei, muss man bei genauer Betrachtung feststellen, dass Hagen durchaus ein "rechtes Problem" hat. Das ist zwar nicht so schlimm wie in Dortmund, aber dennoch größer als es der Hagener Staatsschutz reklamiert. Dass der Staatsschutz die Lage falsch einschätzt, hat seine Gründe. Die bemerkt jeder sofort, wenn er sich mit den Verantwortlichen einmal tiefschürfend unterhalten will.
13:34
Mit religiös motivierter Gewalt meine ich nicht nur körperliche Gewalt, sondern auch verbale Attacken und demokratiefeindliche Aggitationen, wie sie von den "Salafisten" gerade auch in unserem Land verbreitet werden. Vor allem Frauen werden dadurch diskriminiert und angegriffen. Auch das ist Gewalt! Die Taten der rechten Spießgesellen soll das nicht verharmlosen, aber man sollte beide Seiten betrachten und alle Formen der Gewalt aus relifiöser und politischer Ecke verurteilen.
13:29
@ gievelsbiaerger Sie sollten mit Ihrer kommunistisch angehauchten rosa Brillen endlich zur Kenntnis nehmen, dass es unter den hier lebenden "Ausländern" auch schwarze Schafe und Kriminelle gibt. Vor allem religiös motivierte Gewalt ist in bestimmten Kreisen weit verbreitet. Erst wenn Sie das zur Kenntnis und verurteilt haben, sollten Sie am Donnerstag für eine Minute schweigen! Vor allem sollten Sie damit aufhören, Andersdenkende gleich als Nazis zu beleidigen, nur weil Sie eine andere Meinung, und zwar eine demokratische Meinung, vertreten. Ihr Schwarz-Weiß-Denken haben Sie schon in verschiedenen Kommentaren zum besten gegeben, oftmals führte das für Sie zu peinlichen Rückschlüssen.
11:36
#3 Können Sie gerne tun, ich nehme incht teil solange nicht Deutschenhass genauso hart geächtet wird wie Fremdenhass. Beides tötet Unschuldige und ich messe da nicht mit 2erlei Maß wie SPD, Grüne und Co. Denn das macht auch die NPD bereits. Das mache ich nicht mit, jedes Leben ist gleich viel wert und deshalb muss es wenn auch für Deutschenhass-Opfer eine Schweigeminute geben.
Leider muss ich sagen, dass #2 nicht Unrecht hat, wenn man sich traut, abends durch bestimmte Straßen zu gehen in Hagen. Also ein großer Hund ist in jedem Fall von Vorteil, davor haben die nämlich richtig Schiss, weil es dreckige Tiere seien....
Aber ich kann auch beruhigen, wer mal abends in Essen unterwegs war, empfindet Hagen als liebevoll und harmlos.....
11:22
Die braunen Kameraden finden sich hier in den Kommentaren 1+2 wieder !
Auch gegen solche Relativierer und "die andern sind die Bösen" Mentalität sollte sich diese Schweigeminute richten !!
10:09
Interessiert mich nicht ! Wenn es danach geht, wie viele Menschen mittlerweile durch Gewalt tagtäglich ihr leben lassen dann sollte man mal nen ganzen Tag schweigen und nachdenken. Außerdem erinnere ich mich gern daran das lt. Statistik in NRW über 70% aller Morddelikte auf das Konto von Migranten gehen. Außerdem hat Hagen MEINER MEINUNG nach kein Problem mit der " rechten Szene " sondern mit massiv vielen aggressiven Türken, Albanern e.t.c
08:49
Prima, da machen wir doch natürlich alle mit! Wann finden noch gleich die Schweigeminuten für die U-Bahnschläger Opfer statt? Da wäre ich auch gerne dabei!