Einblick ins Polizeigewahrsam am Tag der offenen Tür

Die Polizisten Verena Lüdtke (links) und Frank Thurn (rechts) in einer der 16 Gewahrsamzellen
Die Polizisten Verena Lüdtke (links) und Frank Thurn (rechts) in einer der 16 Gewahrsamzellen
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Am kommenden Samstag, 13. Juni, präsentiert sich die Hagener Polizei mit einem Tag der offenen Tür. Vorab haben wir einen Blick ins Polizeigewahrsam geworfen. Auch hier dürfen Besucher hin.

Hagen-Hoheleye.. Gerade noch hat sie so ansteckend gelächelt, dass man dachte: Mensch, irgendwie nett hier. Jetzt sind ihre Augen ein Scanner. Der Blick: kontrollierend. Die Miene: ernst. Der Gesichtsausdruck des kräftig gebauten jungen Mannes mit den kitschigen roten Lack-Turnschuhen, der vor ihr steht, ist irgendwo zwischen eisig kalt, teilnahmslos und schwer gereizt einzuordnen. Er könnte cool bleiben. Oder ausrasten.

Wir sind in dem Hotel der Stadt, in dem niemand freiwillig einchecken will. Im Polizeigewahrsam an der Hoheleye. 16 kühle Zellen mit wuchtigen Türen und einer eintönigen Zwei-Meter-Aussicht. Durch eine milchige Scheibe quält sich das Tageslicht. Ein Klo, eine Pritsche und das fürchterliche Gefühl, fremdbestimmt zu sein.

Personen, die in Gewahrsam kommen, werden in der Regel binnen weniger Stunden wieder freigelassen. Eben dann, wenn sie keine Gefährdung für die Allgemeinheit mehr darstellen. Festgenommene, die eine Straftat begangen haben, können bis zum Ende des darauffolgenden Tages festgehalten werden. Außerdem entscheidet ein Richter mit über den weiteren Verlauf.

Gedankenspiele hinter Gittern

Die Frau mit dem einnehmenden Lächeln grinst jetzt wieder. Der Passfälscher, der am Bahnhof jemanden um sein Handy bringen wollte, denkt eine Zelle weiter darüber nach, ob er doch noch mit seinem richtigen Namen rausrückt oder nicht. Er ist nicht ausgetickt. Im Gegenteil: Er hat sich wortlos alle Habseligkeiten abnehmen lassen und ist so locker in die Zelle gestiefelt, als wenn er mal eben den Müll rausbringt. Erschreckend routiniert.

Verena Lüdtke und Frank Thurn haben hier heute Dienst. An diesem Ort, wo eigentlich keiner hin will. Wobei es Unbelehrbare gibt, die dem Ort wohl Vorzüge abgewinnen können. „Es gibt einige, die grüßen freundlich, wenn sie reinkommen und fragen, wie es mir geht“, sagt Thurn. Die kennen das Spielchen. Sternhagelvoll reinstolpern, hinter verschlossener Tür ausnüchtern und morgens einigermaßen aufrecht wieder raus. Es gibt aber auch Debütanten, die spät nachts reinwackelnd sich in Grund und Boden schämen, wenn die Tür der Ausnüchterungszelle am nächsten Morgen wieder aufgeschlossen wird. Wenn der Nebel der Nacht verflogen ist, miaut der moralische Kater.

Dem dunkelhäutigen Gast mit den Lackschuhen hätten die Beamten vieles geglaubt, nur nicht, dass er Sascha Baumann heißt. Der Name war erfunden. In Wirklichkeit kommt der Passfälscher und Handypreller aus Westafrika. Das wissen die Beamten, weil der falsche Baumann hinter verschlossener Tür doch noch den Vernünftig-Knopf in seinem Kopf gefunden hat und jetzt Klartext redet.

Hagen ist keine Millionenstadt. Und deshalb treffen die Beamten im Privatleben auch auf jene Menschen, die sie vor einiger Zeit noch für wenige Stunden einsperren mussten. „Die meisten erkennen mich ohne Uniform nicht wieder“, sagt Verena Lüdtke, „aber viele spüren auch, dass wir uns im Gewahrsam respektvoll verhalten. Es läuft ruhig ab, aber wir geben den Ton vor.“