„Ein wunderbarer Ort für Flora und Fauna“

Loxbaum..  Mit schnellem Schritt läuft Ulrich Prevoo über den Schotterweg. Rechts und links nur Bäume. An einer Gabelung bleibt er stehen. Vögel zwitschern, Grillen zirpen, die hohe Mittagssonne scheint leicht durch das nur halb geschlossene Blätterdach. Das passendste Wort im Duden wäre idyllisch. Ja, wäre da nicht dieser eine Umstand. „Ich weiß, viele Leute gehen nicht gerne freiwillig über einen Friedhof. Da kann er noch so schön sein“, sagt Friedhofsverwalter Prevoo.

Aber sehen lassen, das kann sich der Waldfriedhof Loxbaum wirklich. Vorbei geht es an fünf, sechs Stelen. „Die sind speziell für Urnengräber ausgelegt.“ Prevoo bestätigt, das diese Form der Bestattung immer beliebter werde, einigen die Stelen-Variante aber doch zu kalt und wenig naturverbunden sei. Darum ist er stolz auf einen ganz besonderen Bereich des jüngsten kommunalen Friedhofs der Stadt Hagen: „Hier sind unsere Waldgräber.“ Prevoo biegt links ab, und es tut sich eine Lichtung auf.

Namensschilder sind optional

Rund 40 Sandstein-Quader liegen auf dem ca. 800 Quadratmeter großen Areal. An einigen sind Messingschilder befestigt, andere sind noch blank. „Sehr beliebt sind die Waldgräber“, sagt der Friedhofsverwalter und setzt sich auf eine der drei Holzbänke. Neben ihm wächst ein Holunderbaum. „Haben wir neu gepflanzt. Auch ein paar Sträucher.“ Alles soll so natürlich wie möglich sein. Die Urnen werden direkt vor den Steinen beigesetzt. Ein Namensschild ist optional.

Ruhe und Natur vermittelt dieser Ort auf jeden Fall. „Ob es für jeden das Richtige ist, kann ich aber nicht sagen.“ Ulrich Prevoo weiß, dass Geschmäcker auch bei der Grabauswahl verschieden sind. „Die einen wollen eher was Klassisches, andere sind mit einer Urne in einer Stele zufrieden. Manche kommen oft zum Trauern, andere nur selten.“

Einige allerdings schauen häufig vorbei, obwohl sie gar keine Angehörigen auf dem Friedhof haben. Prevoo lacht: „Füchse gibt’s hier. Richtig schöne. Einmal saßen zwei früh morgens direkt vor der Andachtshalle. Ich hatte meine Kamera dabei und hab die beiden fotografiert.“ In seine 30 Jahren als Friedhofsverwalter hat er schon einiges erlebt. Wieder ist Vogelgezwitscher zu hören. Ob es ein Kernbeißer ist, oder ein Bergfink? Ulrich Prevoo wird die Antwort wissen. Der 62-Jährige kennt sich bestens aus in der Tierwelt, die sich auf seinem Friedhof tummelt. Spechte, Marder, Kaninchen, alles hat er hier schon gesehen.

Weiter geht es über das weitläufige Waldgelände, in dem sich immer wieder Grabfelder befinden. „Der Loxbaum-Friedhof ist ein wunderbarer Ort für Flora und Fauna“, sagt Prevoo und schwärmt von den Orchideen, die sich auf einem Feld des Areals angesiedelt haben. „Anfangs habe ich sie immer gezählt, zehn, zwanzig, dreißig. Als es später weit über 200 waren, habe ich glücklich aufgehört.“ Der gelernter Gärtner mit Schwerpunkt Zierpflanzenbau ist ganz hin und weg von den Möglichkeiten, die sich auf dem rund 14 Hektar großen Gelände noch umsetzten ließen.

Bienenkörbe und Info-Tafeln

Ihm schwebt vor, Bienenkörbe zu installieren, noch mehr Nistkästen aufzuhängen und Info-Tafeln über die ansässigen Tiere und Pflanzen aufzustellen. „Und“, eine Idee, die er besonders für Schulklassen interessant findet, „man könnte auch Führungen anbieten. Mit Infos über Geologie und Botanik.“ Ob sich das alles in naher Zukunft umsetzen lässt, ist nicht klar. „Aber man darf ja mal ein bisschen rumspinnen“, sagt Prevoo und schaut verträumt auf die idyllische Waldlichtung vor ihm.