Ein unverkrampftes Miteinander auf der Opus-Bühne

Die Company „dorisdean“  beim Proben im Ballettstudio Glasow.
Die Company „dorisdean“ beim Proben im Ballettstudio Glasow.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die Proben für das große Tanztheaterfestival „Farben des Tanzes“ im Opus laufen auf Hochtouren.

Hagen.. Man spürt die hohe Konzen­tration und Anspannung der Tänzer. Im Opus – der Probebühne des Theaters – ist es fast dunkel. Nur ab und zu ist eine kurze Anweisung aus dem Publikumsraum zu vernehmen. Langsam tickt die Uhr für die Akteure der Tanzcompany DIN A 13 und für die sieben Ballett-Tänzer des Hager Ensembles schneller. Denn bis zum Auftritt am Montag ist es nicht mehr lange hin . . .

„Hier stehen ausschließlich Vollprofis auf der Bühne“, betont Dramaturgin Maria Hilchenbach. Und macht keinen Unterschied zwischen den behinderten und nicht-behinderten Tänzern. Schließlich liegt in dem unverkrampften Miteinander der besondere Reiz der Sache. „Die Sache“, das ist das Festival „Farben des Tanzes“, das am morgigen Sonntag um 18 Uhr im Opus mit einem geselligen „Meet & Greet“ für Akteure und interessierte Bürger beginnt, und am Montag, 1. Juni, um 19.30 Uhr tänzerisch richtig loslegt. Eben mit besagter Kombination aus DIN A 13- und Hagener Ballett-Tänzern. Zu sehen ist die Uraufführung „Perfectly Unpefect“.

„Die Kölner Tanztheater-Compagnie zeigt mixed-abled Tanz. Das Ensemble DIN A 13 existiert seit 20 Jahren. Im Rahmen des Festivals präsentieren die vier Tänzer mit körperlichen Behinderungen – sie stammen aus Kenia, Venezuela und Brasilien – ihr Verständnis von Bewegung und Tanz“, erläutert Hilchenbach.

Ein kulturpolitischer Meilenstein

.Gemeinsam mit den Hagener Tänzern hat das Quartett eine Choreographie erarbeitet, die mit Humor und Selbstironie unterschiedliche Szenen aus dem Leben eines Tänzers zeigt. „Diese Zusammenarbeit eines Stadttheaters und einer mixed-abled Tanzcompany hat Modellcharakter und ist ein kulturpolitischer Meilenstein“, unterstreicht die Dramaturgin. Im Anschluss an die Vorstellung findet ein Gespräch mit dem Publikum statt.

Ortswechsel: Im Ballettstudio Glasow auf dem Elbersgelände probt die Company „dorisdean“. „Das Ballettstudio hat einen Aufzug, und wir können hier Rampen aufstellen“, erklärt Miriam Michel den externen Probenort. „Und wir wurden hier herzlich aufgenommen.“ Miriam Michel ist Mitgründerin der 2006 ins Leben gerufenen Company „dorisdean“, die sich aus drei behinderten und drei nicht-behinderten Tänzern zusammensetzt.

Beim Blick in den Glasow-Ballettsaal spürt man sofort, dass bei „Haltung. Bitte!“ Improvisation angesagt ist. „In unserer Performance geht es um die innere und äußere Haltung von Menschen, es geht um Sicherheit beim Tanzen auf der Bühne, es geht um freies Spielen“, so Michel.

Spontanes Reagieren und Improvisation

Hier werden zwei Tanz-Welten zusammengebracht: die von „dorisdean“, die auf spontanes Reagieren und auf Improvisation ausgerichtet ist, und die von Bobby Briscoe und Ana Rocha Nené – die beiden Ballett-Tänzer arbeiten normalerweise nach festen Choreographien und Regeln. „Haltung. Bitte!“ wird am Mittwoch, 3. Juni, um 19.30 Uhr im Opus gezeigt.

Weitere Veranstaltungen im Rahmen des Festivals: die Candoco Dance Company präsentiert zwei Nummern – „Let’s talk about dis“ und „Notturnino“ – am Freitag, 5. Juni, um 19.30 Uhr.

Das Festival-Finale am Sonntag, 7. Juni, um 18 Uhr im Theaterneubau Opus bestreiten dann das „Ballet de Cegos“ und das „Culture Device Dance Project“.