Ein Tag mit Fliegenfischern, Korbflechtern und Rückepferden

Selbecke..  Falls das Wetter mitspielt – und darauf deuten die Prognosen hin – dann dürften am kommenden Sonntag von 11 bis 17 Uhr Tausende von Besuchern ins Freilichtmuseum strömen. Denn dort steht einer der attraktivsten Aktionstage im jährlichen Veranstaltungskalender auf dem Programm: der Waldtag.

Der Wald spielt in Hagen, der waldreichsten Großstadt in NRW, eine wichtige Rolle. Auch das Museum hat diesem Umstand mit der Dauerausstellung „Wald und Mensch“ Rechnung getragen. Beim Waldtag werden der Wald und seine Bedeutung für den Menschen sozusagen in verdichteter Form präsentiert: Jäger, Angler, Imker, Naturschützer, Künstler, Handwerker und Musiker erklären ihr Verhältnis zum Wald und zur Natur.

Wirtschaftszone und Erholungsraum

„Wir wollen den Wald als Ökosystem, als Wirtschaftszone, Jagdgebiet und Erholungsraum des Menschen sowie als Lebenswelt für Tiere vorstellen“, kündigt Museumssprecherin Uta Wenning-Kuschel an. Am Sensenhammerteich demonstrieren Jörg Steinmann (47) und seine Anglerfreunde die hohe Kunst des Fliegenfischens, die Königsdisziplin unter den Angeltechniken. Diese Fangmethode existiere mindestens seit 2000 Jahren, habe im mittelalterlichen Europa den Status eines feudalen Rechts, das nur Adeligen zustand („königliches Fischen“) erlangt und sei von den Engländern im 17. Jahrhundert zu einer Art Hochkultur verfeinert worden. „Angeln vom Ansitz aus ist wie Fallenstellen, Fliegenfischen dagegen wie Jagen“, schwärmt Steinmann, der ausschließlich mit Kunstfliegen, Federn oder Haaren und eben nicht mit echten Fliegen auf die Pirsch nach Fischen geht.

Edmund Gehrlein (66) hat sich einer ganz anderen Leidenschaft verschrieben: dem Korbflechten. Der Korbflechter in siebter Generation aus dem pfälzischen Westheim weiß zwar, dass er ein Handwerk ausübt, das als Broterwerb keine Zukunft bietet, dafür sind seine aus Weidenruten hergestellten, formvoll­endeten Behältnisse, Kaminholzkörbe, Fahrradkindersitze, Zäune, Figuren und Vogelhäusle ein Beispiel für naturnahen Waldbau und nachhaltige Nutzung der Natur. „Jede Weidenart hat ihren eigenen Charakter“, beschreibt Gehrlein das Nutzholz, das er auf zwei großen Feldern anpflanzt. „Das ist ein ständig nachwachsender Rohstoff, den man jährlich ernten kann.“ Was man von den Massenimporten asiatischer Korbwaren sicherlich nicht behaupten kann.

Wege und Schätze

Die Besucher sehen aus der Nähe, wie Holz maschinell mit dem Holzspalter und der mobilen Säge verarbeitet wird. Auch das traditionelle Rückepferd hat seine Berechtigung in der modernen Waldarbeit. Informationen zu Auswirkungen von Windrädern auf die Natur bekommen die Besucher bei der Biologischen Station. Daneben zeigt der Hagener Automobilclub den Gästen, wie man Wege und Schätze findet. In der Mittagszeit und am Nachmittag wird es mit den Jagdhornbläsern musikalisch. Sie werden an verschiedenen Stellen im Museum traditionelle Stücke blasen und deren Bedeutung erläutern.