Ein Spendenwunder wird Wirklichkeit
20.06.2007 | 09:21 Uhr 2007-06-20T09:21:59+0200Hagen-Mitte. Lukas stieß eines Tages die Tür auf und legte sein Sparschwein auf den Tisch. "Ich fand das immer so toll beim Kinderschutzbund", sagte er, "deshalb hab' ich Dinos gebastelt und an meine Verwandten verkauft."
30 Euro hatte der Zehnjährige gegeben. Geld, von dem zum Beispiel einige der Glasmurmeln bezahlt sein könnten, die in das Geländer des Treppenhauses eingearbeitet sind. Geld auf jeden Fall, mit dem Lukas seinen Beitrag geleistet hat - zum Haus für Kinder, einem Spendenwunder, das Wirklichtkeit geworden ist, ohne dass sich der Kinderschutzbund einen Cent bei einer Bank hätte leihen müssen. "Unser Ziel war es von Anfang an, nur das Geld auszugeben, das wir auch wirklich haben", sagt Christa Burghardt, "schließlich tragen wir Verantwortung."
Wenn die Chefin des Kinderschutzbundes, die mit ihrem Team vor vier Wochen in den Neubau an der Potthofstraße 20 eingezogen ist, morgen am ersten Tag des Eröffnungsfestes einen Strich zieht, kann sie die Summe kaum fassen: Fast 800 000 Euro an Spenden stehen auf dem Papier. "Das ist ein Traum", sagt sie. "30 000 bis 40 000 Euro fehlen uns noch. Aber das schaffen wir schon."
Dann denkt Christa Burghardt zurück an jene Tage, an denen der Traum begann. Sommer 2002: "Ein Förderer hat mich gebeten, mal aufzuschreiben, was wir so vorhaben." Zwei Monate später stand die Liste. "Uns ist klar geworden, dass sich keine neuen Projekte in den engen Räumen an der Riegestraße realisieren lassen."
Das erste Ziel: gemietete Räume, 400 Quadratmeter. "Aber bei nur kalkulierten 5 Euro pro Quadratmeter und Monat haben wir gedacht: Das schaffen wir nie", sagt Christa Burghardt. Dann wurde die Idee einer Stiftung geboren. "Eine Treuhandstiftung. Mit niedrigem Stammkapital und einem Zweck, für den man Geld, das hereinkommt, ausgeben kann."
Ehrenbürgerin Liselotte Funcke wurde für einen Sitz im Kuratorium gewonnen, dazu Vertreter von Parteien, der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer, der Märkischen Bank, der Sparkasse, der Rotarier und der Lions. Eine optimale Besetzungsliste für ein spendenfinanziertes Bauprojekt.
"Im Herbst 2002 hat der Vorstand des Kinderschutzbundes entschieden, dass wir es wagen, eine Immobilie zu erwerben", erzählt Christa Burghardt. "Wir sind von 300 000 bis 400 000 Euro Kapital ausgegangen, haben uns einen Zeithorizont von zehn bis zwölf Jahren vorgestellt."
Das Projekt mit dem ebenso einfachen wie genialen Namen "Ein Haus für Kinder" war geboren. Und wurde innerhalb kürzester Zeit zu einem stadtbekannten Selbstläufer. "Als ich gesagt habe, dass wir bis Weihnachten 2003 100 000 Euro sammeln wollen, hat mich selbst der Vorstand für verrückt gehalten", sagt Christa Burghardt, "aber man muss sich doch Ziele setzen . . ."
Liselotte Funcke treibt das Projekt voran. "Sie hat immer wieder gesagt: Wir müssen etwas machen, damit die Leute sehen können, was mit ihrem Geld passiert", erzählt Christa Burghardt. 2004 kauft der Kinderschutzbund für 175 000 Euro Grundstück und Alt-Immobilie an der Potthofstraße - im Herzen der Stadt. "Zunächst war eine Sanierung geplant, aber dann haben wir festgestellt, dass das Gebäude total marode ist."
Also entschloss sich der Kinderschutzbund zu Abriss und Neubau. "Es sollte nicht irgendein Haus sein. Es soll schön sein, denn es ist ja für Kinder", sagt Christa Burghardt, "es ist wichtig, dass sich die Familien, die zu uns kommen, wohl fühlen. Chaos haben einige ja schon zu Hause." 500 Quadratmeter sind es geworden. Ein Haus, in dem sich Generationen begegnen und das deshalb auch vom Bund gefördert wird.
Kritik auch von anderen, die um Spenden buhlen, begegnet Christa Burghardt gelassen. "Vieles wäre von der Ausstattung her einfacher geworden, wenn wir nicht immer wieder Spender gehabt hätten, die Dinge bezahlen wollten. An eine Photovoltaikanlage hatten wir nicht gedacht, bis jemand kam, und sie gespendet hat", sagt sie. Und: "Wir betrachten das Haus als Geschenk, sind offen für alle. Andere Gruppen und Träger, die unsere Räume nutzen wollen, sind immer willkommen."
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