Ein Rosenmontagszug ohne Spaßbremsen in Hagen
20.02.2012 | 17:55 Uhr 2012-02-20T17:55:00+0100
Hagen. Karneval bei bestem Wetter und ohne nervige Kontrollen - mit karnevalistischer Hochkultur brachten die Hagener Jecken beim Rosenmontagszug sich selbst, 100.000 Zuschauer an den Straßen und die Innenstadt zum Dröhnen.
Und die Sonne strahlte vom Himmel, was nicht nur Udo Franke (52) von der KaGe Witt-Schwatt Peaperstatt aus Eppenhausen die Hände zum Himmel reißen ließ: „Ich bin jetzt im 28. Jahr als Fußgänger im Zug dabei. Aber solch ein Wetter hatten wir noch nie.“
Zur guten Laune trug gewiss bei, dass die Polizei sich diesmal, anders als beim Sonntagszug in Boele, mit einer pedantischen Inspizierung der karnevalistischen Vehikel zurückhielt. Polizeidirektor Dr. Bernd Liedtke war sichtlich bemüht, dem Eindruck, seine Behörde schikaniere und kontrolliere die Hagener Wagenbauer auf das Schärfste, entgegen zu wirken: „Wir sind doch keine Spaßbremsen!“
Immerhin 100 Ordnungshüter waren aufgeboten worden, um den fröhlichen Pulk und die sich anschließenden After-Zug-Partys zu überwachen. Denn im Unterschied zu den Faxenmachern der närrischen Prozession, denen jedweder Alkoholkonsum strikt untersagt war, flossen Bier, Schnaps und Sekt bei so manchem Jeck am Straßenrand in Strömen.
Angesichts der klar-kalten Temperaturen hätte man jedoch auch dem einen oder anderen Zugteilnehmer ein wärmendes Schlückchen gegönnt. Die Cheerleader der Iserlohn Roosters etwa wirbelten, die hübschen Beine nur mit Strumpfhosen bedeckt, ihre Pompons von Cabriolets aus in die Luft. „Unsere Herzen glühen für unsere Spieler“, verriet Stephanie Kerzel (25), warum sie trotzdem nicht fror.
Da ließ es Günter Linse (67) gemächlicher angehen. Seit 50 Jahren hat der Standartenträger des Karneval&Kirmes-Clubs Hagen keinen Rosenmontagszug verpasst: „Ich bin ein eingefleischter Jeck.“ 800 Tüten Popcorn und eine Unmenge weiterer Wurfartikel verteilten seine Vereinskollegen unter dem vergnügten Volk. „Wir haben so viel - von uns kriegt auch der letzte Zuschauer noch sein Bonbon“, prahlte Vizepräsident Rolf Frederici (52).
Ein bisschen mehr Lokalkolorit
Bloß hätte man sich ein paar Zugnummern mehr mit Lokolkolorit gewünscht. Das Edel-Bordell am Gut Niederste Hülsberg war natürlich für den jecken Umzug wie geschaffen - schließlich darf es an den tollen Tagen deftig zugehen. Auch der „Schilda-Wald“ der Loßröcke kam bestens beim Publikum an: Oliver Heine (45) mimte den gestrengen Regierungspräsidenten Gerd Bollermann, der den Hagenern die Zusatzbezeichnung „Stadt der Fernuniversität“ missgönnt, Diana Naumann (18) als Clown symbolisierte das Groteske des Schilderstreits, Felix Schumacher (19) musste den Namenszusatz als Putzfrau wieder von den Schildern entfernen. Es würde sie nicht wundern, wenn demnächst jeder Hagener „Stadt der Fernuniversität“ in seinen Personalausweis eintragen lassen müsse, frotzelte Angelika Baumgarten (54), Designerin des Schilda-Waldes.
Das fanden sogar die griechischen Hagener, die angesichts der Ereignisse in ihrem Heimatland zuletzt wenig zu lachen hatten, lustig. „Ich glaube, die deutschen Politiker mögen uns Griechen nicht, aber mit den normalen Menschen hier verstehe ich mich prächtig“, erklärte Busfahrer Konstantin Simindiriadis (64), ehe er sich ins Getümmel stürzte. Zum Schluss kam wie so oft Bruno Zacheja (62) daher, Straßenreiniger in Diensten des Hagener Entsorgungsbetriebs: „Mein letzter Karnevalszug, bald bin ich Rentner.“
14:26
Vielleicht ist der traditionelle Boeler Zug den allzuoft vereinnahmenden Hagenern einfach ein Dorn im Auge? Dann wäre jedes Schikanchen zumindest herzlich willkommen.
10:37
Wenn man die Anzahl der zu prüfenden Karnevalswagen in Boele und Hagen und damit die "Prüfobjekte" vergleicht, kommt man zu dem Ergebnis, dass sich die Polizei mit Sicherheitskontrollen nicht zurückgehalten hat, es waren einfach nur 2 !! zusätzliche Prüfobjekte vorhanden, 12 Wagen des Boeler Zuges am Sonntag waren ebenfalls beim Hagener Zug vertreten. Das ist seit Jahrzehnten so und natürlich auch den Ordnungsbehörden bekannt. Die grössten Karnevalsvereine des Festkomitee Hagener Karneval sind nunmal im Hagener Norden. Andere Vereine stellen mehrheitlich, wohl auch aus Kostengründen, zur Freude der Besucher kleine und grosse Fussgruppen.
Betrachtet man die Anzahl der Besucher und der Ordnungshüter, je 1000 Besucher 1 Polizist, kann man feststellen erkennen, wie "sicher" Karneval st. Bei Bundesliga Fußballspielen in Dortmund wären bei gleicher Quote 80 Polizisten notwendig, ein Traum die Familien der dort nichtbenötigten Beamten und die Steuerzahler, die alles das bezahlen.