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Reinhard Leisenheimer - Hagen trauert um einen großen Sänger

10.11.2014 | 18:36 Uhr
Reinhard Leisenheimer - Hagen trauert um einen großen Sänger
Kammersänger Prof. Reinhard Leisenheimer ist tot. Der Tenor starb im Alter von 75 Jahren nach langer schwerer Krankheit.Foto: Michael Kleinrensing

Breckerfeld/Hagen.  Die Musikwelt trauert um einen großen Sänger, einen engagierten Lehrer und einen vorbildlichen Menschen. Der Hagener Tenor Prof. Reinhard Leisenheimer starb mit 75 Jahren  nach langer schwerer Krankheit.

Die Musikwelt trauert um Kammersänger Prof. Reinhard Leisenheimer. Der hoch verehrte Tenor und Gesangsprofessor ist am Sonntag mit 75 Jahren nach langer schwerer Krankheit gestorben.

Das Theater Hagen, Familie, Freunde und Weggefährten, Schüler, Kollegen und das Publikum verlieren mit Reinhard Leisenheimer einen außergewöhnlich begabten und engagierten Musiker, für den Kunst ohne Herzensgüte undenkbar war und der sich bis zuletzt für soziale Zwecke einsetzte.

Zuerst kam die Maurerlehre

Prof. Leisenheimer wurde am 16. Februar 1939 in Gensingen (Landkreis Main-Bingen) in eine Handwerkerfamilie geboren. Er absolvierte eine Maurerlehre, arbeitete im elterlichen Malerbetrieb, dann als Briefträger. Im Kirchenchor und im Männergesangverein entdeckte er seine Stimme und entschied sich, ein Gesangsstudium aufzunehmen. 1969 feierte er sein erstes Bühnenengagement; 1975 wechselte er ans Theater Hagen, wo er bis 2004 als Solist wirkte.

Dem Haus blieb er auch nach seinem Bühnenabschied innig verbunden. 1991 wurde Leisenheimer parallel zur Hagener Tenorkarriere als Gesangsprofessor an die Kölner Musikhochschule berufen, und seither hat er als überaus geschätzter Lehrer Generationen von Sängern ausgebildet und geprägt. Bis zuletzt hat er unterrichtet und bis zuletzt hat er sich um die Benachteiligten der Gesellschaft gekümmert.

Die Operette liebte er besonders

Als „Tamino“ in Mozarts „Zauberflöte“ hat Leisenheimer in Hagen die Bühne erstmals erobert. Sein Fach war das lyrische Tenorfach, dazu kam die Operette, die er besonders liebte. Daneben gehörte dem Lied seine Leidenschaft, nicht nur dem Kunstlied, sondern auch dem deutschen Volkslied.

In Hagen war Leisenheimer mehr als nur ein gefeierter Solist und berühmter Professor, er war für die Kollegen da, auch als Personalratsvorsitzender. „Im Hause Leisenheimer stand immer ein Essen für Kollegen bereit, der Herr Kammersänger packte bei allen Umzügen, zu denen man ihn rief, gekonnt mit an, der Herr Professor half bei allen Renovierungsarbeiten“, würdigt der Hagener Theaterintendant Norbert Hilchenbach einen großen Künstler und großen Menschen. Mit Prof. Leisenheimer verliert das Haus einen unermüdlichen Fürsprecher. Hilchenbach: „Das Theater Hagen wohnte über viele Jahrzehnte in seinem Herzen. Meine Kolleginnen und Kollegen ebenso wie ich werden Reinhard Leisenheimer in unseren Herzen behalten, froh und dankbar darüber, einem Menschen wie ihm begegnet zu sein.“

Schon ein kleines Lied macht Freude

Doch Leisenheimer lockte nicht nur das Publikum ins Theater; er trug das Theater auch weit, weit hinaus in die Region. Von Anfang an hat er sich mit Benefizkonzerten für andere Menschen eingesetzt. Schon mit einem kleinen Lied lässt sich viel Freude bereiten, so lautete seine Lebensphilosophie. So haben Leisenheimer und seine Schüler, allen voran sein Sohn Boris und Tenor Dominik Wortig, in Altenheimen, sozialen Einrichtungen und Kirchen ehrenamtlich für den guten Zweck gesungen, immer wieder auch in der Dorfkirche seines Wohnortes Breckerfeld-Zurstraße.

„Das soziale Engagement ist mir ein inneres Bedürfnis“, sagte der Tenor in einem Interview zu seinem 75. Geburtstag. Das christliche Elternhaus hat diese tatkräftige Nächstenliebe vorgelebt. Leisenheimer: „Mein Vater ist aus dem Krieg heimgekommen. Bei den Nachbarmädchen, da ist der Vater nicht nach Hause gekommen. Zu Weihnachten haben die Mädchen von meinen Eltern Schlitten erhalten, und wir kriegten keine. So habe ich das gelernt“, erinnerte er sich. „Und so ist das weitergegangen, mein ganzes Leben lang.“

"Es gibt nichts Schöneres, als Sänger zu sein"

Der Musik gehörte dieses Leben. „Für mich war es das Größte, im Theater singen und spielen zu dürfen. Es gibt nichts Schöneres, als Sänger zu sein.“ Das Ensemble des Hagener Theaters verneigt sich in tiefem Respekt vor Prof. Leisenheimer. „In Dankbarkeit denke ich an all das, was er für unsere Stadt und für unser Theater getan hat. Ein großer Hagener ist gegangen. Was mich zutiefst an ihm beeindruckte, war seine bescheidene Art, sein unendliches Engagement für seine Schüler, sein unermüdlicher Einsatz für wohltätige Projekte“, würdigt GMD Florian Ludwig. „Ein treuer Freund, Kollege und Lehrer hat uns verlassen“, trauert Mezzosopranistin Marilyn Bennett: „Gott segne Dich, Reinhard, mögest Du künftig mit den Engeln im Himmel singen – oder besser noch, sie unterrichten.“

Monika Willer

Kommentare
10.11.2014
22:16
Reinhard Leisenheimer - Wir trauern!
von MichaelEiche | #1

Lieber Prof. Leisenheimer!

Danke! 1993 haben wir bereits zusammen im Konzert des Chores Boelerheide 1913 musiziert. Sie haben sich selbst und dazu...
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Reinhard Leisenheimer - Hagen trauert um einen großen Sänger
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2014-11-10 18:36
Hagen