Ein Geldinstitut wie ein gallisches Dorf

Die Volksbank Hohenlimburg feierte im Schloss-Hotel Holzrichter ihr 90-jähriges Jubiläum.
Die Volksbank Hohenlimburg feierte im Schloss-Hotel Holzrichter ihr 90-jähriges Jubiläum.
Foto: Michael Schuh

Hohenlimburg/Veserde..  Der Vergleich mit dem kleinen gallischen Dorf machte ein ums andere Mal die Runde. Fast alle Redner bei der Jubiläumsfeier der Volksbank Hohenlimburg im Schloss-Hotel Holzrichter zogen Parallelen zu dem wehrhaften Weiler aus den Asterix-Comics. Und das hat seinen Grund: Seit genau 90 Jahren besteht die heimische Volksbank – und bewahrte trotz des Übernahme-Interesses größerer Mitbewerber oder der Eingemeindung zu Hagen stets ihre Selbstständigkeit.

Welchen Stellenwert der „Fels in der Brandung“, wie Volksbank- Vorstand Klaus-Martin Kesper das Geldinstitut bezeichnete, im Hohenlimburger Leben besitzt, machte ein Blick in die Reihen der über 200 Gäste deutlich. Oberbürgermeister Erik O. Schulz war ebenso gekommen wie Ex-Bezirksbürgermeister Hermann Hulvershorn, der Heimatvereins-Vorsitzende Widbert Felka oder Fürst Maximilian zu Bentheim-Tecklenburg. Vor allem aber waren es Hohenlimburger Einzelhändler und ganz normale Bürger, die der Einladung ihrer Volksbank gefolgt waren. Berührungsängste gab es beim anfänglichen Sektempfang an der frischen Luft somit nicht – man kannte sich ja.

Finanzexperte als Entertainer

Und auch die Reden, die – Hand aufs Herz – bei vielen Veranstaltungen nicht unbedingt zu den unterhaltsamsten Programmpunkten zählen, erwiesen sich diesmal als überaus kurzweilige Angelegenheit. Was vor allem an einem Mann lag: Frank Lehmann. Oder können Sie sich vorstellen, einem über einstündigen Referat zum Thema Finanzwirtschaft interessiert zuzuhören? Unmöglich? Dann lassen Sie sich vom TV-Börsenexperten Lehmann eines Besseren belehren!

Der 73-Jährige bewies wahre Entertainerqualitäten und begrüßte die Kunden des Hohenlimburger Bankhauses zu Beginn mit „Liebe Genossinnen und Genossen – zumindest hier gibt es ja noch echte Genossen.“ Das Vorstand-Team Klaus-Martin Kesper und Paul Krampe erhob Lehmann mit der Bezeichnung „K.-u.-K.-Monarchie“ gar in den Adelsstand, um im gleichen Atemzug deren wirtschaftlichen Erfolg zu loben: „Zinsüberschüsse sind in Ihrem gallischen Dorf ja gang und gäbe – das kannst du andernorts vergessen.“

Auch Banken bekommen ihr Fett weg

Was allerdings keineswegs bedeutete, dass er bei seinem Lichtbildervortag nicht kräftig über die Finanzmärkte herzog: „Die sind wie eine Hydra. Nirgendwo wird mehr gelogen als vor Gericht, auf hoher See und auf den Finanzmärkten.“ Auch die Banken und gängige Geldanlagemodelle bekamen ihr Fett weg, wobei der Experte mit einem schelmischen Blick ins Rund sogleich relativierte: „Sie sind natürlich nicht betroffen – Sie sind ja gut beraten.“

Knapp beschürzte Damen

Über den kriselnden BVB, knapp beschürzte Damen („Wenn die Röcke kürzer werden, steigen die Aktienkurse“) und Hohenlimburg als Marktführer bei der Produktion von Skikanten („Liegt hier eigentlich so viel Schnee“) kam Lehmann auf die deutschen Unternehmen zu sprechen, die momentan prächtig verdienten.

Dabei konnte er sich einen Seitenhieb ebenfalls nicht verkneifen: „Anwesende eingeschlossen.“

Bevor der Experte mit viel Beifall verabschiedet wurde, fand er noch nachdenkliche Worte: „Banken werden wir bald nicht mehr brauchen; dann wird alles über das Smartphone erledigt.“

Oberbürgermeister Schulz freute sich nicht nur über das Jubiläum, sondern zudem über einen „treuen Gewerbesteuerzahler“. Denn das dürfte die Volksbank in der Tat sein. Der OB machte sich außerdem so seine Gedanken, warum die Bank ihre Selbstständigkeit in 90 Jahren stets gewahrt hat: „Da spiegelt sich in gewissem Maße auch der Unabhängigkeitsgedanke der Hohenlimburger wider.“