„Ehrenamt von herausragender Bedeutung“

Breckerfeld..  Die Luftaufnahmen, die auf dem Tisch in seinem Büro liegen, sind ein jährliches Geschenk. Für Bürgermeister Klaus Baumann dokumentieren sie auf eine besondere Art den Wandel der Stadt. Darüber, über das, was bis zu seinem Ausscheiden im Oktober noch vor ihm liegt und über die Herausforderungen, denen sich die Hansestadt in den nächsten Jahren stellen muss, sprach unsere Zeitung mit dem 69-Jährigen zum Start ins neue Jahr.

Frage: Blicken Sie doch mal voraus – was ist aus Ihrer Sicht für Breckerfeld das bestimmende Thema 2015?

Klaus Baumann: Es gibt viele Dinge, die die Hansestadt und die Menschen hier bewegen. Aber man muss wohl sagen: Der Haushalt und die Schuldenfreiheit stehen über allem. Denn Gemeinden fehlt die notwendige Grundausstattung. Obwohl die kommunale Selbstverwaltung garantiert wird. Aber das ist ein generelles Problem. Die steigenden Lasten insbesondere im sozialen Bereich werden uns mehr und mehr zu schaffen machen.

Was bedeutet das für die Breckerfelder?

Wenn sich die Entwicklung fortsetzt, werden wir in Breckerfeld auf Dauer um Steuererhöhungen nicht herumkommen. Das mag vielleicht eine bittere Wahrheit sein, aber wir wollen und dürfen nicht wie so viele andere Kommunen in die Haushaltssicherung schlittern. Dann werden wir von der Bezirksregierung in Arnsberg geführt. Und das will ich hier niemandem zumuten. Unser Ziel muss es künftig wie in den vergangenen Jahren sein, unsere Handlungsspielräume zu erhalten.

Wo liegen denn die Herausforderungen?

Aktuell und auch in 2015 ist das Thema Flüchtlinge sehr bestimmende. Das ist für uns eine wirkliche Herausforderung. So haben wir auf Grund der Zuweisungen noch vor Weihnachten die Unterkunft Nesselberg wieder aktiviert. Hinzu kommt, dass wir in der Unterkunft an der bestehenden Windmühlenstraße eine weitere Wohnung einrichten können. Es gibt Bundesländer, die übernehmen die Kosten für Flüchtlinge voll. In Nordrhein-Westfalen ist das – obwohl das Land auf gutem Weg ist – nicht der Fall. Auf die Konflikte in der Welt haben wir keinen Einfluss. Und viele die zu uns nach Breckerfeld kommen, haben eine bewegende Geschichte und unendliches Leid erleben müssen. Umso bedeutender finde ich, dass sich mit dem Forum Flüchtlinge ein Bündnis gebildet hat, das auf haupt- und ehrenamtlichem Engagement fußt und sich den Menschen und ihren Problemen annimmt. Die Initiative steht für ein friedvolles, tolerantes und gedeihliches Miteinander in unserer Stadt.

Zuletzt ist über die Ausweisung neuer Gewerbeflächen diskutiert worden. Braucht Breckerfeld mehr Unternehmen?

Wir dürfen Entwicklungen nicht verschlafen, aber Landes- und Regionalplanung setzen uns Grenzen. Trotzdem müssen wir darum kämpfen, dass die Stadt nicht im Stillstand verharren muss. Wir brauchen Optionen für die Zukunft. Das gilt sowohl für Wohnbau- als auch für Gewerbeflächen. Dazu werden wir den Dialog mit dem Regionalverband Ruhr suchen.Wie die Politik dann letztlich entscheidet, müssen wir abwarten.

Die Proteste der Hauptschüler für den Erhalt ihrer Schule bis 2017 haben für Diskussionen gesorgt...

Die Entwicklung einer Stadt steht und fällt mit der Bildungslandschaft. Von daher bin froh, dass wir zunächst eine vernünftige Lösung gefunden haben. Die Schüler des jetzigen Neunerjahrgangs können ihren Abschluss in Breckerfeld machen. Im Herbst führen wir Gespräche über die Zukunft des jetzigen Jahrgangs acht. Ich habe großen Wert darauf gelegt, dass dieser Termin noch vor Ende meiner Amtszeit stattfindet. Die Sekundarschule ist eine große Chance für Breckerfeld. Von daher ist es richtig, dass wir im Haushalt Mittel für den Neubau der Mensa der Realschule bereitstellen. Im Januar finden dazu Gespräche statt. In der Grundschule werden wir die Beleuchtung auf LED umstellen. Das Licht wird besser, wir sparen Energiekosten und wir leisten einen Beitrag für die Umwelt.

Das ehrenamtliche Engagement im Bereich Flüchtlinge haben Sie schon angesprochen. Ohne Ehrenamt kann eine Gemeinschaft wie Breckerfeld nicht funktionieren, oder?

Das Ehrenamt in den Vereinen und in der Feuerwehr ist und bleibt von herausragender Bedeutung. Nehmen Sie nur die Einrichtung des neuen Gymnastikraums. Das haben wir in enger Abstimmung mit dem TuS geregelt. Man muss den engen Dialog mit den Verantwortlichen suchen. Da sehe ich mich als Mittler, als Bindeglied zwischen Verwaltung, Politik, den Vereinen und den Bürgern. Emotionale Diskussionen über eine Bewirtschaftungspauschale für die Sportstätten, wie sie jüngst in Hagen geführt wurden, kennen wir hier nicht.

Bei der Bürgermeister-Wahl im September treten Sie nicht mehr an. Fürchten Sie ein Motivationsproblem?

Bestimmt nicht. Wer mich kennt, weiß, dass ich immer mehr als 100 Prozent gegeben habe. Ich habe mein Amt immer mit Herzblut und Leidenschaft erfüllt. Und daran wird sich auch bis zum 20. Oktober nichts ändern. Der Verstand sagt mir aber, dass es die richtige Entscheidung war, nicht noch einmal anzutreten. Ich werde mich auch weiter politisch für die Stadt einsetzen. Und ich werde unseren Kämmerer André Dahlhaus im Wahlkampf unterstützen. Ich traue ihm das Bürgermeisteramt voll zu. Er hat Verwaltung von der Pike auf gelernt.