Das aktuelle Wetter Hagen 17°C
Gericht

Ehemaliger Banker überfiel Post in Hagen - Haftstrafe droht

16.08.2012 | 12:49 Uhr
Ehemaliger Banker überfiel Post in Hagen - Haftstrafe droht
Prozessauftakt vor dem Landgericht Hagen.

Hagen.   Wegen schwerer räuberischer Erpressung steht der 49-jährige Udo T. vor dem Landgericht Hagen. Der Wuppertaler hat am 12. Mai die Postfiliale an der Enneper Straße überfallen. Dem ehemaligen Bankaufmann drohen mindestens fünf Jahre Haft.

Udo T. (49) ist ganz tief abgestürzt: Vom ehemaligen Bankkaufmann zum brutalen Postfilialräuber. Er erschien im apricotfarbenen Kurzarm-Shirt, dunkelgebräunt vor dem Landgericht. Es dürfte für längere Zeit der letzte Sommer sein, den er in der Sonne verbringen kann. Denn für schwere räuberische Erpressung sieht der Gesetzgeber eine Mindeststrafe von fünf Jahren vor – und bei der Mindeststrafe wird es in diesem Fall wohl nicht bleiben.

„Gewalt widerstrebt mir grundsätzlich“, erwähnt Udo T. beiläufig. Angesichts der angeklagten Tat, die er umfassend eingesteht, klingt das wie Hohn. Am 12. Mai überfiel der Wuppertaler gegen 12.20 Uhr die Postfiliale an der Enneper Straße. Geradezu gruselig maskiert mit einer Staubmaske (Baumarkt), die Kapuze seiner Regenjacke tief ins Gesicht gezogen und mit einem scharfen Steakmesser in der Hosentasche. So schlug er der Ehefrau (58) des Geschäftsinhabers mit einer Zaunpfostenverankerung aus Metall dreimal wuchtig auf den Kopf.

Udo T. wörtlich: „Ich wollte eine Person K.o. schlagen und hoffte, dass die andere dann so eingeschüchtert ist, dass sie den Tresor öffnet.“

Mit Mund gegen Waschbecken geprallt

Blutend brach die Frau zusammen, prallte dabei mit ihrem Mund gegen ein Waschbecken und stürzte auf Sprudelwasserkästen. Sie stellte sich bewusstlos: „Mein Gott, ich muss mich schützen, sonst schlägt er mich tot.“ Noch immer ist die Zeugin, die sich mittlerweile in einer Trauma-Therapie befindet, von dem Verbrechen tief getroffen. Sie bricht vor Gericht in Tränen aus: „Ich habe keine Energie mehr und fühle mich morgens schon ausgelaugt.“

Es war bereits der vierte Überfall auf die Poststelle. „Wir sind dabei, das Geschäft zu verkaufen. Die Brutalität wird immer schlimmer. Wir wollen uns nicht totschlagen lassen.“ Auch der Ehemann und Geschäftsinhaber (62) wurde übel angegangen. Als er seiner Frau zur Hilfe eilen wollte, bekam er das schwere Eisenstück zweimal über den Kopf geschlagen. „Da lief sofort Blut.“ Er musste Tresor und Kasse öffnen, wurde dann mit Kabelbinder gefesselt. Beute: 8635 Euro.

Udo T. hatte Gläubiger im Nacken

Wenn man dem Angeklagten glauben kann, befand er sich zur Tatzeit in einer Art Ausnahmesituation. Mit seiner Versicherungsagentur war er pleite gegangen, es drückten Schulden von über 10.000 Euro und zwei Gläubiger saßen ihm dicht im Nacken: „Dann kommt man eben auf bescheuerte Ideen.“ „Nicht auf so eine Tour“, reagierte Richter Dieter Krause geradezu empört.

Udo T. wurde noch am Tatort verhaftet, als er ins Auto steigen wollte, das er auf der gegenüberliegenden Straßenseite abgestellt hatte.

Plädoyers und Urteil: 30. August.

Helmut Ullrich



Kommentare
Aus dem Ressort
Das Vorhaller Marienheim wird geschlossen
Kosten
Die Neubaupläne standen, doch jetzt kommt alles ganz anders. Das über 100 Jahre alte Marienheim in Vorhalle wird geschlossen. Die geplanten Investitionen in den Standort von rund 4,5 Millionen Euro werden nicht getätigt. Es ist der nächste Rückschlag für Vorhalle.
Waggons der DDR-Reichsbahn brennen auf Brache in Hagen
Großbrand
Großalarm für die Hagener Feuerwehr: Im Gebäude der früheren Zwieback-Produktion auf der Brandt-Brache in Westerbauer waren eine alte Elektro-Akku-Lok aus dem Cuno-Kraftwerk in Herdecke samt vier DDR-Reichsbahn-Waggons aus bislang ungeklärter Ursache in Brand geraten und total zerstört worden.
Mit einem Kick Abenteuer
Kinderliteratur
Anja Kiel, in Hagen lebende Autorin, stellt ihr Kinderbuch „Lara und die freche Elfe“ vor. Es richtet sich an Erstleser.
Studie erklärt Cargobeamer zu kostspieligerer Alternative
Verladebahnhof
Während der Hagener Rat dem Cargobeamer-Konsortium die Schranke zum Hengsteysee im vergangenen Jahr geöffnet hat und beim RVR beantragt hat, den Regionalplan zu ändern, hat das Nachrichtenmagazin Spiegel einen Blick auf die Cargobeamer AG und ihre Idee geworfen.
LWL-Freilichtmuseum Hagen präsentiert Pferde und Kutschen
Freizeit
Hufgetrappel in der Selbecke - im Hagener Freilichtmuseum dreht sich am 3. August alles um Reittiere, Kutschen und Planwagen. Interessierte Tierfreunde und Familien erhalten Einblicke in die verschiedenen Pferderassen und haben die Gelegenheit, selbst im Planwagen mitzufahren.
Fotos und Videos
Großbrand in alter Brandt-Halle
Bildgalerie
Feuerwehr Hagen
Sportler fliegen durch die Luft
Bildgalerie
Wrestling
Pkw prallte gegen Baum
Bildgalerie
Feuerwehr