Edel-Boutique ist Geschichte

Die Kampstraße hat an Attraktivität gewonnen.
Die Kampstraße hat an Attraktivität gewonnen.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Nach dem Tod von Boutique-Betreiberin Karin van Doornick wird ihr Mode- und Schuhladen an der Ecke Kamp-/Hochstraße nicht wieder eröffnen.

Hagen-Mitte.. Sie trommelte, wo ­immer es ging. Nicht nur für ihre eigenen Belange, sondern auch für eine lebendige Innenstadt und einen funktionierenden Einzelhandel. Boutique-Betreiberin Karin van Doornick, die Anfang Dezember verstarb, war eine Institution in der Hagener Geschäftswelt. In ihrem schicken Mode- und Schuhladen an der Ecke Kamp-/ Hochstraße, in dem seit Mitte Januar die Türen verschlossen sind, hat sich seitdem nichts bzw. nicht viel verändert.

Kampstraße 17 soll demnächst neu vermietet werden

Hochwertige Herbst-Winter-Ware, Stiefel und Schuhe für die kältere Jahreszeit stehen im Schaufenster – der Frühling hat hier keinen Einzug gehalten. An der Eingangstür hängt ein Schild: „Das Geschäft bleibt vorübergehend geschlossen.“

„Nein, ,van Doornick women and shoes’ öffnet definitiv nicht wieder“, erklärt Viktoria van Doornick auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Tochter der verstorbenen Geschäftsfrau begründet den Entschluss, den Laden aufzugeben, damit, dass sie selbst im operativen Geschäft nie tätig gewesen sei, „außerdem war meine Mutter einzigartig in ihrer Art, sie war Dreh- und Angelpunkt in der Hagener Modewelt.“

Was aus dem Eck-Ladenlokal in der Kampstraße 17 – der Bereich hat seit Eröffnung der Rathaus-Galerie zweifelsohne an Attraktivität gewonnen – wird? „Ich vermiete die Räumlichkeiten neu, wenn der Nachlassverwalter der van Doornicks alles geregelt hat“, sagt Vassili Eleftheriadis. Der Hagener Friseur ist Eigentümer des Gebäudes und will auch künftig in dem 120 Qua­dratmeter großen Ladenlokal eine Boutique ansiedeln. „Aufgrund der 30 Meter langen Schaufensterfront sind die Räumlichkeiten ideal, um Mode zu präsentieren“, schwärmt der Immobilienbesitzer.

Damen- und Herrenmode„Qui Moda“ wieder da

„90 Prozent der Kundinnen, die zu meiner Mutter kamen, waren Stammkundinnen“, blickt Viktoria van Doornick zurück. Daher sei es auch kein Problem gewesen, dass sich kaum Laufpublikum ans Ende der Kampstraße verirrt hätte.

Dass das Quartier rund um die Kampstraße seit Eröffnung der ­neuen Einkaufspassage an Beliebtheit gewonnen hat, bestätigt auch ­Gianni Scaglione. Im Januar hat der Geschäftsmann gemeinsam mit ­seiner Frau Heidi in der Kamp­straße 13 (dort war zuvor ein Outlet für Kindermode beheimatet) die Boutique „Qui Moda“ eröffnet.

„Qui Moda“? Richtig – bis vor einem Jahr befand sich das Geschäft für Damen- und Herrenmode in der unteren Elberfelder Straße. „Die ­Lage hier unten wird immer schlechter, die Kaufkraft immer ­geringer, der Leerstand immer ­größer“, begründete Gianni Scaglione im Frühjahr 2014 seinen Weggang aus der Elberfelder Straße bzw. komplett aus Hagen. Man eröffne eine Boutique in der Gevelsberger Innenstadt. Das Gastspiel in der Nachbarstadt soll allerdings ein kurzes bleiben – derzeit suchen die Scagliones einen Nachfolger für den Laden in Gevelsberg.

Auch in der Goldbergstraße – also der Parallelstraße der Kampstraße – tut sich einiges: Aus der Kamp­straße 4 (neben dem gediegenen „Koralias-Café“) hat sich ein ­Kosmetikstudio verabschiedet – hier herrscht momentan Leerstand. Und nebenan wurde aus „Fiore ­Dessous“ vor fünf Wochen ein ­Tattoo-Studio („Ghostwriter“) samt Friseur („Scherengeflüster“).

Mittelstraße scheintsich neu zu ordnen

Und natürlich hat die neue Rathaus-Galerie auch direkte Auswirkungen auf die Mittelstraße. Der obere Bereich der Fußgängerzone scheint sich in Teilen neu zu ordnen.

Für das ehemalige Spielwarengeschäft „Intertoys“ in der Mittel­straße 19 wird Ausschau nach einem Nachmieter gehalten.

Und auch am Gebäude gegenüber (früher ­Kodi) an der Ecke ­Mittel-/ Dahlenkampstraße sind die Schaufenster mit Folie samt Aufschrift „Nachmieter gesucht“ verhängt. Das Discount-Warenhaus Kodi findet man nun einen Steinwurf weiter in Richtung Springe.

Der Blick in die untere Elbe hingegen ist ein trauriger. Leerstände, Interims-Mieter, Billiganbieter wohin das Auge fällt. Ein attraktives Shopping-Quartier mit Aufenthaltsqualität sieht anders aus.