Abzocke am Telefon
Dubiose Lotterie-Betreiber nehmen Senioren aus
12.03.2010 | 21:00 Uhr 2010-03-12T21:00:00+0100
Hagen. Die Abzocke insbesondere von Senioren hat in Hagen massiv zugenommen. Mindestens fünf Fälle landen jede Woche auf den Schreibtischen der Berater der Hagener Verbraucherzentrale. Dabei liegen die Schäden oft jenseits der 1000-Euro-Marke.
Ihren Namen will die Hagenerin nicht nennen. Weil sie sich schämt, sich nicht traut, ihren Kindern davon zu erzählen, dass sie am Telefon auf dreiste Abzocker hereingefallen ist. Fast 1000 Euro sind von ihrem Konto abgebucht worden. Von dubiosen Lotteriebetreibern, die zum Teil nur über einen Briefkasten verfügen.
Mindestens fünf solcher Fälle landen in jeder Woche auf dem Schreibtisch von Birgit Oleg-Flender von der Verbraucherzentrale Hagen. Und weil es sich in anderen Kommunen ganz ähnlich verhält, ist das Grund genug für die Verbraucherzentralen, das Thema Gewinn- und Lotterieverträge am Telefon am Weltverbrauchertag (Motto: Our money, our rights) in den Fokus zu rücken.
Trotz Skepsis zugestimmt
Mit einem vermeintlichen Anruf eines Verlags, bei dem die ältere Dame schon seit 30 Jahren Bücher bestellt, fing alles an. „Man hat mir angeboten, an einer Lotterie teilzunehmen”, erzählt sie, „anfangs war ich skeptisch. Aber weil es nur 22 Euro im Vierteljahr kosten sollte, habe ich zugestimmt.”
Die Seniorin gibt ihre Kontodaten preis und löst damit eine Lawine aus, der sie erst nach fast einem Jahr mit Hilfe ihrer Bank und der Verbraucherzentrale wieder Herr wird. Mehr als 30 Firmen greifen auf ihr Konto zu, buchen Beträge ab. „Mehr als zehnmal klingelte pro Tag das Telefon. Immer wieder waren Mitarbeiter von Lotterieberteibern dran. Ich hab' mich am Ende gar nicht mehr getraut abzuheben.”
Post-Terror
Als die Rentnerin mit Unterstützung ihrer Bankberaterin beginnt, Beträge zurückbuchen zu lassen, folgt der Post-Terror. Immer wieder landen Mahnungen und Schreiben von Inkasso-Unternehmen im Briefkasten. Aber die Frau bleibt standhaft, kündigt mit Hilfe der Verbraucherzentrale alle Verträge - die meisten hatte sie ja nicht einmal abgeschlossen.
„Speziell ältere Menschen sind oft überfordert”, sagt Birgit Oleg-Flender, „das liegt auch an fehlenden familiären Bindungen. Es gibt niemanden, der ihnen bei der Post hilft oder auf die Kontoauszüge schaut. Das nutzen Lotteriebetreiber aus.”
Handel mit Kontodaten
Dahinter steckt ein Handel mit Daten, mit dem dubiose Unternehmen Kasse machen. „Kontoverbindungen werden verkauft”, sagt Birgit Oleg-Flender. „Und im Prinzip brauche ich nicht mehr als einen Namen, eine Bank und eine Kontonummer und kann abbuchen lassen. Lässt der Betroffene nicht zurückbuchen, ist das Geld verloren.”
Anzeigen bei der Polizei helfen wenig. „Die Unternehmen sind zum Teil Briefkastenfirmen im Ausland”, sagt Kriminalhauptkommissar Joachim Vitte, „das und die in Einzelfällen vergleichsweise geringen Summen erschweren eine Verfolgung.”
Unferundlich am Telefon
Fremden gegenüber, die am Telefon etwas anbieten wollen, bestimmt und unfreundlich aufzutreten, empfehlen die Verbraucherschützer. Gespräche beenden und einfach auflegen. „Auf keinen Fall darf man Kontodaten preisgeben”, so Birgit Oleg-Flender. „Sollten Abbuchungen vorgenommen werden und Anrufe nicht aufhören, sollte man Telefon- und Kontonummer ändern.”
Vor kurzem meldete sich übrigens bei der Hagener Rentnerin eine weitere Firma: eine Verbraucherschutz-Organisation, die für 55 Euro Hilfe gegen Lotteriebetreiber offerierte.
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