„Du bist Hagener, wenn...“ – Administratoren treten zurück

Die Frontpage einer der größten hagener Facebook-Gruppen: „Du bist Hagener, wenn...“
Die Frontpage einer der größten hagener Facebook-Gruppen: „Du bist Hagener, wenn...“
Was wir bereits wissen
Das Administratoren-Team von einer der größten Hagener Facebook-Gruppen ist geschlossen zurückgetreten. Der Grund sei Gruppen-Gründer Wieland Rahn.

Hagen.. Meinungsvielfalt ist etwas Wunderbares. Solange kritisch, aber immer fair diskutiert wird, können Facebook-Gruppen wie „Du bist Hagener, wenn . . .“ (rund 20 000 Mitglieder) ein weitreichendes Becken sein, aus dem Bürger, Verantwortungsträger, Vereine, Zugezogene oder auch Journalisten interessante Tipps oder Themen ziehen können. Doch wo im Netz Meinung entsteht, sind auch jene nicht weit, die für Fairness und zielgerichtete Diskussionen – vor allem aus der Anonymität heraus – so gar nichts übrig haben. Hagens größte Facebook-Gruppe steht am Scheideweg.

Nicht mehr mit Wieland Rahn

Anja Seeberg, Kathy Sommer-Bergenthal, Ralf Tenne, Andreas Rau, Dagmar Pröhl, Sven Heinrich, Petra Sabine-Rüßel, Christian Hamann und Sonja Sczesny haben genug. Sie hätten sich durchaus vorstellen können, als Administratoren den täglichen Kampf gegen Beleidigungen und falsche Tatsachenbehauptungen weiterzukämpfen. Nicht aber unter diesen Bedingungen. Denn: Für das Administratoren-Team der Seite sei Gruppen-Gründer Wieland Rahn ein zusätzliches Problem. Rahn sei zwar seit Monaten nicht mehr selbst aktiv, gewähre aber jenen Unbelehrbaren – eine kleine, aber effektvolle Gruppe – immer wieder Eintritt in die Gruppe, die nach mehrfachen Ermahnungen vom Administratoren-Team ausgeschlossen wurden.

„Da werden Dinge geschrieben, die weit über der Grenze sind“, sagt Anja Seeberg, eine der bisherigen Administratorinnen. Verletztende rechtsradikale Äußerungen oder Bürger, die aufs Übelste vom Leder ziehen, würden eine oft aggressive Stimmung erzeugen. Sehr zum Leidwesen der vielen Mitglieder, die sachlich und fair unterwegs sind. Die Administratoren kommen dem Wust an derlei Kommentaren nur schwerlich hinterher. Müssen sie aber, denn die Plattform verbietet es, dass solche Inhalte auf einer Seite verbleiben dürfen. Sonst droht die Löschung der Seite.

Erklärung der Administratoren

„Für uns nicht nachvollziehbar hat der Administrator (Anm. der Red: gemeint ist Wieland Rahn) Entscheidungen im Alleingang durchgesetzt, die wir nicht mittragen können. Dazu gehört das Aufnehmen politisch radikaler oder aggressiver Mitglieder“, schreiben die bisherigen Administratoren.

„Es gibt immer Stunk wegen weniger Chaoten“, sagt Gründer Wieland Rahn, dessen Absicht es aber nicht gewesen sei, wieder Mitglieder aufzunehmen, die gelöscht wurden. „Dass sie gelöscht waren, habe ich ehrlich gesagt nicht gewusst“, so Rahn. Was mit der Gruppe in Verbindung mit ihm passiere, sei ihm egal. „Ich habe mir einen Anwalt genommen und prüfe aktuell, wie ich aus der Sache rauskommen kann.“ Nur als Administrator zu verschwinden, reiche laut Rahn dazu nicht aus. Rahn hatte vor einigen Jahren auch die Gruppen „Du bist Dortmunder, wenn . . .“ und „Du bist Wuppertaler, wenn . . .“ angelegt. Laut seiner Kritiker nur, weil er finanziellen Nutzen daraus ziehen wolle. „Das stimmt nicht“, sagt er. Er habe Menschen zusammenbringen wollen .Im Moment ist die Gruppe führungslos.

Rückzug nach Grenzüberschreitung

Nachdem Bernd Hoffmann, der die Gruppe 2012 zunächst als alleiniger Moderator übernommen hatte, nach einer Anti-ISIS-Demonstration am Bahnhof versucht hatte, die aufgeladene Diskussion zu moderieren, hatte er sogar Morddrohungen erhalten. Er zog daraufhin einen Schlussstrich.

Auch Hoffmann hatte sich nach seinem Rückzug vorwerfen lassen müssen, sich mit dem in der Gruppe entstandenen Krimi „Mord an der Volme“ oder der Facebook-Party in der Stadthalle (3000 Besucher) bloß die Taschen gefüllt zu haben. „Quatsch“ sagt Hoffmann, „aber das sind Dinge mit denen man bei so einem Projekt leben muss.“ Wie es nun mit der Gruppe weitergeht, ist unklar. Es gibt keinen Administrator.