Drohbrief an Wuppertals Stadtspitze

Wuppertal..  Wenn die Modekette „Primark“ ein Geschäft eröffnet, herrscht Trubel. Primark zieht eben an, Kunden wie Gegner. In Wuppertal ist die Stimmung jetzt aufgeheizt. Dort haben SPD und CDU, die die Mehrheit im Stadtrat stellen, jüngst gar einen Drohbrief erhalten. Inhalt ist ein Ultimatum: Die Stadtspitze solle ihre Entscheidung zurücknehmen, dass sich Primark in Wuppertal ansiedeln darf.

Bei der SPD nimmt man das Schreiben „sehr ernst“, sagt Dietmar Bell, Landtagsabgeordneter und Vorsitzender der Wuppertaler SPD. Vor allem, seit vor eineinhalb Jahren ein Brandanschlag auf ein SPD-Büro im Stadtteil Barmen verübt worden sei. Von wem, sei unklar, sagt Bell.

Jahrestag des Unglücks in Textilfabrik

An diesem Freitag, 24. April, 9 Uhr, hätten die Absender des Schreibens ihr Ultimatum gesetzt. An diesem Tag jährt sich zum zweiten Mal der Einsturz der „Rana Plaza“-Textilfabrik in Bangladesch, bei der mehr als 1100 Menschen ums Leben kamen. Die Schreiber des Briefes drohen CDU und SPD mit „konkretem Widerstand“, sollten Ihre Forderungen nicht erfüllt werden; was darunter zu verstehen ist, wird nicht näher verraten. Das Schreiben stamme aus der linksautonomen Szene von einer Gruppierung, die sich „Eisbrecher Wuppertal“ nennt.

In der Wuppertaler CDU kann man die Kritik an Primark „gut verstehen“, sagt Rainer Spiecker. „Die Situation ist zwiespältig“, meint er. Politischen Druck gegen Primark müsse man auf höherer Ebene machen, meint er. Und: Verantwortlich für die Ansiedlung vor Ort sei nicht die Stadt, sondern der irische Investor Signature Capital, der Millionen in Wuppertal investiere und Primark eben als Hauptmieter gewonnen habe.

Das schaffe Arbeitsplätze in der Stadt, die einst eine Textilhochburg war und deren Niedergang letztlich eine Folge der Globalisierung ist, die umsatzstarke Unternehmen wie Primark symbolisieren.