Das aktuelle Wetter Hagen 10°C
Handelskonzern

Douglas soll sich nach Börsenrückzug im Stillen weiter entwickeln

28.05.2013 | 17:10 Uhr
Douglas soll sich nach Börsenrückzug im Stillen weiter entwickeln
Dr. Henning Kreke, Vorsitzender des Vorstands der Douglas Holding, will den Hagener Konzern von der Börse nehmen.Foto: Dirk Bauer/WAZ FotoPool

Hagen.   Nach 47 Jahren zieht sich die Hagener Handelsgruppe von der Börse zurück. Verbliebene Minderheitsaktionäre werden hinausgedrängt. Die letzte öffentliche Hauptversammlung markiert das Ende einer Ära. Vor allem die Parfümerie- und die Schmucksparte im In- und Ausland soll jetzt ausgebaut werden.

Der Vorhang fällt - nach 47 Jahren ist das Kapitel Börse für die Handelsgruppe Douglas zu Ende . „Mit Wehmut“ kündigte Vorstandschef Dr. Henning Kreke auf der letzten öffentlichen Hauptversammlung des Unternehmens in Hagen an, die verbliebenen Minderheitsaktionäre gegen eine Barabfindung von 38 Euro je Anteilsschein hinauszudrängen (Squeeze Out) und die Douglas-Gruppe von der Börse zu nehmen (De-Listing).

Sein Vater, Aufsichtsratschef Dr. Jörn Kreke, sprach von einem „emotionalen Moment“ , da er die Entwicklung von Douglas von Anfang an mitgestaltet habe. Der Finanzinvestor Advent und die Eigentümerfamilie Kreke halten über ihre gemeinsame Bietergesellschaft Beauty Holding Two bereits 96,8 Prozent der Anteile. Die Zustimmung der Aktionäre galt als Formsache.

Herausforderungen der Zukunft

„Dies ist nicht irgendeine Hauptversammlung. Wir stehen vor einer neuen Ära“, betonte Kreke in der nur noch zur Hälfte gefüllten Stadthalle. Die Douglas Holding wolle sich für die Herausforderungen der Zukunft wie den Online-Handel rüsten - „unabhängig von der Börse und dem sonstigen komplexen Regelwerk für börsennotierte Unternehmen.

Handelskonzern
Douglas verabschiedet sich von der Börse

Wenn sich am Dienstag die Douglas-Aktionäre zur Hauptversammlung treffen, dann markiert das das Ende eines Kapitels Börsengeschichte. Der Finanzinvestor Advent und die Gründerfamilie Kreke wollen Douglas von der Börse nehmen. Anteilseigner sollen 38 Euro Barabfindung pro Aktie bekommen.

Das macht uns schneller und flexibler, und wir können mittel- und langfristig orientiert arbeiten“, sagte der Vorstandschef. Benötigt habe die Gruppe den Kapitalmarkt ohnehin nicht und gehe mit der neuen Eigentümerstruktur einer guten Zukunft entgegen.

Restrukturierung ohne Aktionäre

Aktionärsschützer zweifelten an dieser Darstellung. „Sie wollen die Restrukturierung ohne Aktionäre, ohne Quartalsberichterstattung und ohne störende Presse. Das klingt nach Kapitulation vor dem Kapitalmarkt“, bemerkte Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Ihrer Ansicht nach klingen die vom Vorstand genannten Gründe für den Börsenrückzug „nicht überzeugend“ - andere börsennotierte Unternehmen hätten die Restrukturierung auch so geschafft. Die Aufwendungen dafür hatten der Handelsgruppe die Bilanz verhagelt - der Jahresfehlbetrag summiert sich auf 110 Millionen Euro nach einem Überschuss von 87 Millionen Euro im Jahr davor. Für das Geschäftsjahr 2011/2012 wird daher keine Dividende ausgeschüttet.

Aktionäre trauern um Douglas-Börsenära

„Schade, dass die Douglas-Börsenära so zu Ende geht“, kommentierte Benner-Heinacher. Deshalb verabschiedeten die Aktionäre Douglas „mit einem weinenden Auge“. Sie würden Douglas-Hauptversammlungen künftig vermissen - „alles war ein bisschen anders“ und zudem habe die Familie Kreke „Glamour nach Hagen gebracht .“ Ein lachendes Auge gebe es aber wegen der „nicht unwahrscheinlichen“ Aussicht, dass dass Unternehmen in fünf bis sieben Jahren, nach dem Ausstieg des Investors, einen neuen Börsengang wage.

Lesen Sie auch:
Kleines Umsatzplus für Douglas-Gruppe

Im vierten Quartal 2012 wuchs der Umsatz des Douglas Handelskonzerns auf rund 1,21 Milliarden Euro. Die Steigerung entfiel dabei ausschließlich auf die Douglas-Parfümerien und die Hussel-Süßwarenläden. Einen Rückgang gab es jedoch in den Sparten Bücher, Mode und Schmuck.

Advent und die Familie Kreke wollen nun vor allem die Parfümerie- und die Schmucksparte im In- und Ausland ausbauen. Die durch die Internet-Konkurrenz schwächelnde Buchhandels-Tochter Thalia soll umfassend saniert werden. Henning Krekes Großvater Herbert Eklöh hatte mit dem Kauf des Süßwarenhändlers Hussel AG 1963 den Grundstein für die Douglas-Gruppe gelegt. Anfang der 70er Jahre kamen die Parfümerien Douglas und Hanhausen dazu.

Stefan Pohl


Kommentare
Aus dem Ressort
Eine Pilgerreise, ein Glaube und ein Wunder
Pilgern
In der Karwoche waren sie in Lourdes, Christian (74) und Christel (66) Hackenberg. Und das zum wiederholten Male. Über ihre Beweggründe haben sie mit uns gesprochen.
Osterpredigt eine schöne Herausforderung
Osterbotschaft
Die Osterpredigt ist selbst für erfahrene Prediger immer wieder eine Herausforderung. Wir haben mit Pfarrer Bernd Neuser und Günter Faust gesprochen.
Feuerwehr will Campingplätze überprüfen
Campen
Die Feuerwehr will noch in diesem Frühjahr den Brandschutz und die Sicherheitsvorkehrungen auf den großen Campinganlagen an Vorhaller, Dortmunder und Herdecker Straße untersuchen.
SPD bündelt Bürgerprotest gegen Aktiendeal
Lokalpolitik
Die Hagener SPD will jetzt auch die Bürger mit ins Boot holen, um den anstehenden Verkauf der RWE-Anteile an der Enervie-Gruppe an das private Entsorgungsunternehmen Remondis (Lünen) zu verhindern.
Siebenjährige auf Alexanderstraße von Mercedes erfasst
Unfall
Eine Siebenjährige kommt aus einem Haus in Hagen an der Alexanderstraße und entdeckt auf der anderen Straßenseite ihre Oma. Die Großmutter warnt ihr Enkelkind, doch das junge Mädchen will trotzdem die viel befahrene Straße überqueren - und wird auf der Fahrbahn von einem Mercedes erfasst.
Fotos und Videos
Phoenix siegt gegen Frankfurt
Bildgalerie
Basketball
Tödlicher Unfall auf der A45
Bildgalerie
Polizei
Bamberg gewinnt in Hagen 81:72
Bildgalerie
Basketball
Kandidaten bei WP-Diskussion
Bildgalerie
Kommunalwahl