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Brauchtum

Die Schnettlers sind aus besonderem Holz

09.11.2012 | 18:45 Uhr
Die Schnettlers sind aus besonderem Holz
Foto: WAZ FotoPool

Boele. Holzarbeiten zählen seit langem zu den Hobbys des heute 61-Jährigen. Aber zu Lebzeiten wäre es undenkbar gewesen, seinen Vater aus einem Baumstamm zu arbeiten. „Das hätte er nicht gewollt“, glaubt Gerd Schnettler. Dazu sei er zu bescheiden gewesen. Dabei kennt im hohen Hagener Norden jeder die Schnettlers. Fritz sowieso, als Spross einer Metzgereifamilie, als Mitbegründer der Loßröcke, als Mann der Katastrophenkapelle und überhaupt: als Brauchtumspfleger. Immerhin hat Schnettler senior dafür das Bundesverdienstkreuz bekommen. „Das war ihm im Grunde auch schon nicht recht“, winkt Sohn Gerd ab. „Die Sorte Mensch stirbt langsam aus.“

Vielleicht, um an Tugenden wie Heimatliebe, Bescheidenheit zu erinnern, thront der alte Fritz bald auf der Wiese neben der Loßrockhalle. Zunächst wollte Gerd Schnettler ihn aus Buche hauen. Die brach schon vorher auseinander. In der Kompostierungsanlage fand Schnettler endlich, was er brauchte: einen 160 Jahre alten Eichenstamm. „Der musste einen großen Durchmesser haben.“ 2,5 Tonnen Holz. Der Kollege, der das Ding ankarrte, kam auf zwei Rädern durch die Malmkestraße gefahren.

Hinten war der Stamm ins Rollen geraten. . . Was so kippelig beginnt, kann nur gut werden. Inzwischen hat Schnettler über Wochen Großteile seiner Vaterfigur herausgeschält, mit Kettensäge und Hauptbeil. Eine Knochenarbeit durchs harte Holz. Das Stemmeisen biss sich durch. 20 Zentimeter tief stand Schnettler in den Spänen. Der überlebensgroße Körper misst sitzend knapp zwei Meter. „Man soll ihn auch wahrnehmen“, schmunzelt er.

Den Gehrock samt Knöpfen am Rücken, die Melone und die Tuba. „All das gehört zum Katastrophenkapellenkostüm“, lacht Schnettler. „Dabei konnte er die Tuba gar nicht spielen.“ Sorgen bereitete Gerd Schnettler das Gesicht. Teile mussten herausgetrennt werden. „Mitten im Gesicht saß ein fauler Ast, den man nicht sehen konnte.“ Hier und da klebte Schnettler weitere Holzstücke an. Das Knie muss er feilen, die Schulter braucht noch die richtige Rundung. „Aber man erkennt ihn“, bewertet Friedhelm Schnettler (64) die Arbeit seines Bruders. Zur Einweihung wollen sie die Familie zusammentrommeln: Dazu zählen ein weiterer Bruder und zwei Schwestern. Plus die Enkel, da wird was los sein.

Schon jetzt hat die Skulptur – ausdrücklich sprechen die beiden Brüder nicht von Denkmal – einen Ehrenplatz auf dem Grundstück der Schnettlers mit den Schafen und dem Esel Leo. Die Hälfte ist an die Loßröcke verpachtet. „Dadurch hat der Verein die Möglichkeit bekommen, hier zu feiern“, sagt Friedhelm Schnettler. Damals pflanzte Fritz Schnettler eine Eiche an der Halle. Mitten auf der Wiese wächst eine weitere heran. Ihr Stamm ist noch zart. Fritz hat sie künftig fest im Blick – von seinem eichernen Sockel aus. „Früher fanden die Sommerfeste unter Lammerts Eichen statt, zukünftig unter Schnettlers Eichen“, lacht Friedhelm Schnettler.

Anja Wetter

Kommentare
09.11.2012
22:43
Die Schnettlers sind aus besonderem Holz
von bladimeri | #2

Fritz Schnettler war Boele!
Jeden Tag unterwegs, immer Gespräche mit Leuten - das war sein Ein und Alles und abends in der Tute noch ein Bier. Ich kann mich an keinen Tag erinnern, an dem man ihn nicht antraf. Es gibt nicht viele Menschen wie ihn, die einen Stadtteil so prägen. Nach außen kratzbürstig, aber nach kurzer Zeit hat man die menschliche Wärme gespürt. So sind - oder besser waren - die Boeler, denn auch da verliert sich viel. Ein Mensch, den man nicht vergisst!
Lieber Gerd, gib alles, ich würde mich freuen, wenn ich ihn dort ab und an besuchen dürfte!

09.11.2012
22:29
Die Schnettlers sind aus besonderem Holz
von bladimeri | #1

Fritz Schnettler war Boele!
Jeden Tag unterwegs, immer Gespräche mit Leuten - das war sein Ein und Alles und abends in der Tute noch ein Bier. Ich kann mich an keinen Tag erinnern, an dem man ihn nicht antraf. Es gibt nicht viele Menschen wie ihn, die einen Stadtteil so prägen. Nach außen kratzbürstig, aber nach kurzer Zeit hat man die menschliche Wärme gespürt. So sind - oder besser waren - die Boeler, denn auch da verliert sich viel. Ein Mensch, den man nicht vergisst!
Lieber Gerd, gib alles, ich würde mich freuen, wenn ich ihn dort ab und an besuchen dürfte!

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2012-11-09 18:45
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