„Die Nahmer darf nicht zu einem Ghetto werden“

Hohenlimburg..  Die Stimmung war aufgeheizt, sie war explosiv. Die gesamte Nahmer schien gestern Abend auf den Beinen zu sein, um in der Gaststätte des Adler-Restaurants an der von SPD-Ratsfrau Ramona Timm-Bergs organisierten Informationsveranstaltung zur Unterbringung von Flüchtlingen teilzunehmen. So hatten zahlreiche Interessenten gar keine Chance, die Gaststätte zu betreten; andere mussten einen ganz langen Hals machen, um vom Eingangsbereich einen Hauch an Information zu erhaschen.

Organisatorin Ramona Timm-Bergs („Wahnsinn“) hatte mit einem solchen Ansturm nicht gerechnet. Die Resonanz machte jedoch deutlich, wie groß das Informationsdefizit der Nahmeraner Bürger, wie groß ihre Sorgen und Nöte und wie groß deshalb die Wut auf die Stadt Hagen ist. „Man hat uns bislang komplett boykottiert“, so ein Teilnehmer.

Diesen Ärger bekam insbesondere Margarita Kaufmann, Beigeordnete der Stadt Hagen zu spüren, die vehement angegriffen wurde. „Es macht mich traurig, wenn ich sehen, wie viel Wut vorhanden ist“, so die Dezernentin.

Dabei wurde aber auch deutlich, dass sich die Nahmeraner nicht gegen die Aufnahme von Flüchtlingen sperren. Einige boten sogar ihre Hilfe. Der Ärger richtete sich vielmehr gegen die Zahl von 260 Männern, Frauen und Kindern, die an der Wilhelmstraße, der Unternahmerstraße, am Schlossblick und „irgendwann“ in der Regenbogenschule untergebracht werden sollen.

Vier Personen auf 35 Quadratmeter

Vier Personen auf 35 Quadratmeter, sechs Personen auf 52. Aus verschiedenen Krisengebieten und somit verschiedener Nationalitäten. Das beinhaltet möglicherweise eine Menge Zündstoff.

Es ist die drohende Ghetto-Bildung, die die Nahmeraner ärgert. Und deshalb fordern sie, die Flüchtlinge auch in anderen Stadtteilen unterzubringen. In Eilpe / Dahl, in Garenfeld und auch in Elsey. Aus diesem Grund schlug Mark Krippner vor, möglichst schnell eine weitere Bürgerinformation folgen zu lassen und Kontakt zu jenen Wohnungsbaugesellschaften aufzunehmen, die zwar ebenfalls über Leerstände verfügen, sich bislang aber nur bedingt bereit gezeigt haben, Wohnungen zu vermieten.

Dieses Perspektive ließ den Druck aus dem vom Zerbersten bedrohten Kessel weichen. Mit zunehmender Zeit wurden die Wortbeiträge sachlicher, konnte Margarita Kaufmann durchatmen, die zuvor appelliert hatte. „Helfen Sie dem Elend.“

Ramona Timm-Bergs hatte Block und Kugelschreiber mitgebracht, um die Namen jener Menschen aufzuschreiben, die helfen wollen. Und das war nach einem turbulenten Abend letztlich die gute Nachricht.

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