Die Missverständnisse ausräumen

Hohenlimburg..  Frankreich: Islamistische Attentäter verüben Anschläge in Paris -17 Menschen sterben. Ein bewegendes Echo der Anteilnahme und Solidarität folgt, Schulter an Schulter, Länder- und Religionsübergreifend. Belgien: Anti- Terror Einsatz in Verviers –zwei Tote. Weitere Festnahmen mutmaßlicher Islamisten folgen europaweit. In deutschen Großstädten wie Dresden oder Köln setzen Pegida und Ableger ihre Märsche „gegen die Islamisierung des Abendlandes“ fort. Ebenso ihre Gegner. In NRW fühlt sich laut einer Bertelsmannstudie fast jeder Zweite (46%) bedroht vom Islam.

Doch wie ist es bei uns in Hohenlimburg? Sind hier direkte Auswirkungen der Ereignisse spürbar?

Dazu haben wir mit zwei jungen Frauen muslimischen Glaubens gesprochen, die namentlich jedoch lieber anonym bleiben wollen. Durch ihr Arbeitsleben, das viel Publikumsverkehr beinhaltet, sind sie immer „nah dran“ und erleben direkt, ob sich Atmosphäre oder Stimmungen verändern.

Islamischer Glauben wird missbraucht

In Hohenlimburg geboren, fühlen sie sich hier nach wie vor sehr wohl und zu Hause. Trotzdem: nicht erst seit den jüngsten Ereignissen verzichten sie in manchen Situationen bewusst darauf, ihr Kopftuch zu tragen –so fühlen sie sich sicherer.

Von den Ereignissen in Paris waren sie geschockt: „Wir können das nicht verstehen, wie man so was überhaupt machen kann.“ Für sie missinterpretieren und missbrauchen die Terroristen den islamischen Glauben nur als falschen Vorwand ihrer Taten: „Im Koran steht eindeutig, dass Gewalt ein absolutes Tabu ist. Und auch, dass der religiöse Glauben jedem selbst überlassen sein muss und nicht erzwungen werden darf.“

Gegenseitiger Austausch hilft

Die Pegida-Märsche und deren anti-islamische Haltung treffen sie: „Wahre Moslems sind keine Terroristen. Man muss da ganz klar unterscheiden zwischen dem Islam als friedliche Religion und diesen Terroristen, die eigentlich nichts mit dem wahren Islam als Religion zu tun haben und nur Unruhe und Angst stiften wollen.“ Die beiden jungen Frauen wünschen sich, dass die Menschen diesen Unterschied immer fest vor Augen haben. Und sie regen eine offene Kommunikation an: immer noch halten sich hartnäckige Mythen in der Sicht auf den Islam – wie z.B. „muslimische Frauen würden von ihren Männern gezwungen, ein Kopftuch zu tragen. Dabei ist das die individuelle und selbstbestimmte Entscheidung jeder einzelnen Frau.“ Der gegenseitige Austausch kann also helfen, durch die richtigen Informationen Missverständnisse oder Verunsicherungen abzubauen und keine Barrieren entstehen zu lassen.

Und niemand sollte wegen seiner Religion be- oder verurteilt werden:

„Ich bin genauso ein Mensch, wie jeder andere. Ich habe zwei Beine, zwei Augen und ein Herz. Und manche beten halt so und andere so.“