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Theater-Premiere

Die Kälte wird zum Mantel

26.04.2010 | 06:00 Uhr
Die Kälte wird zum Mantel

Das Stück „Die gekaufte Braut”, das Samstag im Hasper Hammer Premiere feierte, hat Zündstoff. Und doch bleibt die Inszenierung von Daniel Jäger erfrischend leicht in ihrer Umsetzung. Viel Situationskomik und englisch-trockener Humor geben die nötige Lockerheit für den ambitionierten Stoff.

Sehnsucht steht im Raum. Doch vor lauter Vorwürfen kommen die Familienmitglieder gar nicht zu ihr durch. Der Vater kann seine Erwartungen nur im Gebrüll unterbringen, und die Kinder unterdrücken ihre Gefühle, um nicht mehr enttäuscht zu werden.

Die Komödie des kanadischen Autors Norm Foster hört im Original auf den Titel „Drinking Alone” und beleuchtet die Konflikte zwischen Eltern und erwachsenen Kindern. Sie erzählt von verletzten Gefühlen, von Sehnsüchten und Hoffnungen. Diese scheinen zwar vergraben, beeinflussen aber dennoch das Handeln der Protagonisten.

Verhältnisse auf den Kopf gestellt

Da der Vater seinen Besuch ankündigt, bucht Joe Todd kurzerhand eine Frau beim Begleitservice, die von nun an seine Verlobte spielen soll. Diese entpuppt sich als schlichtes, aber herzliches Gemüt, das von Stephanie Cordts ausgezeichnet umgesetzt wird. Die gefühlvolle Renée stellt mit ihrer kindlichen Naivität im Handumdrehen die Familienverhältnisse auf den Kopf. Sie plappert sich um Kopf und Kragen und stößt Vater und Geschwister mit der Nase auf ihre Probleme, ohne sich dessen bewusst zu werden.

So ausufernd wie die Gefühle von Renée aus ihr heraussprudeln, so kalt gibt sich Joe. Gespielt von Marc Gruß, analysiert er pragmatisch und sachlich seine Lebenssituation. „Ich habe keine Freunde, dafür habe ich keine Zeit”, erklärt er seiner „Verlobten”.

Unsympath wie aus dem Buch

Und schon bald wird klar, woher die Kälte kommt, die Joe wie ein Mantel umhüllt. Der Vater zeigt sich als mürrischer Unsympatht, wie er im Buche steht. Vorwürfe schmetternd macht er es seinen Kindern schwer, ihm näher zu kommen.

Was der grantige Vater ihnen an Halt nicht geben kann, das geben sich Joe und seine Schwester Carrie solange einfach gegenseitig. Carrie, ebenfalls hervorragend gespielt von Irina Schmücker, ertränkt ihre enttäuschten Hoffnungen im Alkohol, ganz wie ihre Mutter es zuvor getan hatte.

Mit vermeintlicher Ehrlichkeit posaunt sie ihre Ansichten hinaus. Immer, wenn der Vater gerade nicht da ist. „Du möchtest doch immer noch Papas kleines Mädchen sein, das in den Arm genommen wird”, analysiert Joe treffend, doch Carrie möchte sich das lieber nicht eingestehen.

Geschmackvolle Auswahl

Das Team der Würfelbühne hat hier einmal mehr einen hervorragenden Geschmack bei der Wahl des Stücks bewiesen. Die Komödie von Norm Foster sprüht vor Wortwitz und turbulenten Verwicklungen, die sich mühelos mit den ernsten Momenten vereinen. Niemals wirkt das Geschehen bedrückend. Auch dank der Umsetzung der Hauptfiguren.

Die nächsten Aufführungen sind am 29. April und am 7. Mai. Danach gastiert die Würfelbühne im Werkhof in Hohenlimburg.

Sonja Golgowski

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