Die Hasper Brille als eine politische Leidenschaft

Haspe..  „Eigentlich bin ich aus Haspe nie rausgekommen.“ Eine Feststellung aus dem Mund von CDU-Ratsherr Gerhard Romberg, bei der keineswegs Frust, sondern vor allem leidenschaftliche Heimatliebe mitschwingt. Heute feiert der Architekt von der Hestert, der seit mehr als vier Jahrzehnten das Gesicht der Hasper CDU mitprägt und dort heute noch als stellvertretender Bezirksbürgermeister agiert, seinen 70. Geburtstag.

Geboren am Mops, besuchte Romberg zunächst die Volksschule Im Mühlenwert, später das Ernst-Meister-Gymnasium am Kirmesplatz und holte sich letztlich seinen beruflichen Schliff an der Hagener Ingenieurschule. Nachdem der Baumeister seine ersten Entwürfe für ein Architekturbüro gefertigt hatte, führte sein Werdegang ihn Mitte der 70er-Jahre zum Bauordnungsamt der Stadt Hagen. Doch bereits nach vier Jahren entschied sich der Hasper, der heute neben seiner Gattin auch zwei erwachsene Söhne (33 und 36 Jahre) und drei Enkelkinder zu seinem engsten Familienkreis zählen darf, für die Selbstständigkeit.

Vom Rathaus in die Selbstständigkeit

Ein Schritt, der ihm aufgrund einiger Irritationen rund um nicht genehmigte Nebentätigkeiten im Amt – eine Begebenheit, mit der Romberg es seinerzeit sogar zu temporärer Berühmtheit im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ brachte – seinerzeit ausgesprochen leicht fiel.

Bis heute hat der Hesteraner, der sich gerade erst selbst noch einmal ein neues Eigenheim geschaffen hat, in seinem Job gut zu tun: „Ich könnte jeden Tag zwölf Stunden arbeiten“, bekennt der Selbstständige, der obendrein noch Regie in einem Bauträgerbüro sowie einer Hausverwaltungsgesellschaft führt. Doch das lässt allein schon sein politisches Engagement kaum zu. „Ich brauche die CDU nicht, aber wenn sie mich braucht, bin ich da.“ Und das scheint weiterhin regelmäßig der Fall zu sein. Der 70-Jährige, dem es bei der Kommunalwahl 1999 sogar gelang, im traditionell tiefroten Haspe Alt-Oberbürgermeister Dietmar Thieser bei dessen Abwahl das Direktmandat abzuluchsen, vertritt die Unionsinteressen aktuell parallel im Rat sowie in der Bezirksvertretung. Außerdem entscheidet der BMW-Coupé-Fan im Stadtentwicklungsausschuss sowie in den Betriebsausschüssen von GWH (Gebäudewirtschaft), WBH (Wirtschaftsbetrieb) und GIV (Immobilien und Vermögensnutzung) über die Geschicke Hagens.

Skeptischer Blick auf den Kreisel

Dabei richtet er seinen Fokus mit Passion, aber auch gesunder Skepsis vorzugsweise auf seinen Stadtbezirk: „Ich mache mir durchaus Sorgen um Haspe, es fehlt rund um den Kreisel an Leben.“ Der Mangel an Arbeitsplätzen im Hagener Westen lasse Kaufkraft vermissen und führe wiederum zu zunehmenden Leerständen. Hier sei auch das Hagener Rathaus gefordert, die Bauverwaltung zu stärken und für ein investorenfreundlicheres Klima zu sorgen, plädiert er für eine Stärkung des Grothe-Ressorts.

Sein persönliches Engagement möchte der Hasper, der Politik immer als ein Stück Verpflichtung gegenüber seiner Heimat verstanden hat, nach dieser Legislaturperiode allerdings deutlich reduzieren: „Das muss endgültig das letzte Mal gewesen sein, jetzt müssen jüngere Leute ran“, appelliert er an den Parteinachwuchs, der sich gerade in der schrumpfenden Ortunion Haspe an einer Hand abzählen lässt. Zumal der leidenschaftliche Kegler, Tennisspieler, Ski-Fahrer und Ijsselmeer-Segler auch seinen privaten Hobbys gerne mehr Zeit einräumen würde.

Zudem blickt er inzwischen ja auch auf ein Lebensalter, das ihn für die Wolkenschieber-Zunft attraktiv macht. Und das wäre für einen Hasper Heimatfreund nun wahrlich die denkbar spektakulärste Herausforderung.